Protokoll des VW-Rückrufs, Teil 1 Hilfe, mein Touran hat EA 189

Wegen der Verwendung einer illegalen Software muss VW rund fünf Millionen Autos in die Werkstatt rufen. Eines davon gehört Michael Müller. Welche Folgen hat der Abgasskandal für die Kunden? Alles beginnt mit einem großen Versprechen.

SPIEGEL ONLINE

Michael Müller* ist SPIEGEL-Mitarbeiter. Er fährt einen VW Touran 1,6 TDI mit 105 PS, Baujahr 2011. Sein Wagen ist mit der betrügerischen Software des VW-Konzerns ausgestattet und muss nachgebessert werden. In loser Folge wird er für SPIEGEL ONLINE berichten, wie VW jetzt mit seinen Kunden umgeht.

Seit drei Jahren fahre ich einen VW Touran TDI. Entscheidend beim Kauf waren Platzangebot, Preis und günstige Unterhaltskosten. Mehr als 20.000 Euro wollte ich nicht ausgeben, der Familien-Van stand als Gebrauchter, Baujahr 2011, mit knapp 25.000 Kilometern bei einem Hamburger Händler. Zwar hab ich mir noch einen Volvo V70 angeguckt, der war aber im Unterhalt teurer.

Als ich vor knapp zwei Wochen dann die Schlagzeilen über die Abgasmanipulationen bei VW las, konnte ich es erst nicht glauben. Meine Frau fährt mit dem Touran täglich sieben Kilometer bis zur Arbeit und zurück. Ihr ist der Skandal egal. Sie will einfach nur ein Auto, das fährt.

Mein Fahrzeug ist betroffen, kein Zweifel

Mich interessierte aber schon, ob unser Touran zu den betroffenen fünf Millionen VW-Autos zählt. Die Motorisierung und das Baujahr ließen darauf schließen.

Von meiner VW-Werkstatt hatte ich die ganze Woche über nichts gehört. Um sicherzugehen, rief ich am vergangenen Montag dann selbst meinen Kundenberater an. Doch auf die Frage, ob mein Auto mit der betrügerischen Software ausgerüstet sei, konnte er mir keine Antwort geben.

Daraufhin schaute ich selbst auf dem Motorblock des Touran nach, wo die Motornummer zu finden sein soll. Zwar sind dort einige Zahlen und Buchstaben eingegossen. Aber ein EA 189 - die interne Bezeichnung für den Motor, den VW mit unzulässigen Tricks auf den Prüfstand optimiert hat - steht dort definitiv nicht.

Am vergangenen Wochenende startete ich meinen nächsten Versuch. Volkswagen hat eine Internetseite geschaltet, auf der Kunden ihre Fahrgestellnummer eingeben können. So sollen sie Klarheit bekommen, ob in ihrem Auto die manipulierte Software verbaut worden ist. Nachdem ich die Seriennummer meines Tourans eingegeben hatte, bestätigte die Seite meinen Verdacht: Mein Fahrzeug ist betroffen, kein Zweifel!

Volkswagen sind für mich Qualitätsautos

Betrogen fühle ich mich von VW nicht, das wäre zu hart ausgedrückt. Ich gebe aber auch zu, dass die angeblich geringen Abgaswerte des Tourans für mich damals kein Kaufgrund waren. Nicht, dass mir die Umwelt egal ist. Aber ich war mir eigentlich sicher, dass alle Hersteller den Grenzwert auch im Straßenverkehr einhalten.

Volkswagen sind für mich Qualitätsautos - das denke ich nach wie vor. Nun erwarte ich, dass VW den Wagen auf die versprochenen Schadstoffwerte bringt. Mein Kundenberater schließt nicht aus, dass bauliche Veränderungen an den betroffenen Fahrzeugen vorgenommen werden müssen. Er sagte mir aber, dass mein Auto anschließend weder weniger Leistung noch einen höheren Spritverbrauch haben wird.

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das so einfach funktioniert. Wie es genau weitergeht, soll ich in den nächsten Tagen erfahren.

* Der Name wurde von der Redaktion geändert, um sicherzugehen, dass VW den Kollegen nicht anders behandelt als andere betroffene Kunden.

Aufgezeichnet von Margret Hucko



insgesamt 306 Beiträge
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Seite 1
mermes 05.10.2015
1. also wirklich..
(bin kein vwhatet!) bei vw von qualitaet zu sprechen.. sage nur scirocco r . 55 k euro, auf der messe. Der nette Herr konnte mir nicht erklaeren, warum in einem so teuren kfz, noch billiges plastik im innenraum zu finden war. mittelkpnsole. tuerpappen. alleine diese eine tatsache.. reicht aus um von minderwertiger qualitaet sprechen zu können. prost!
andros0813 05.10.2015
2.
mein passat tdi ist 21 jahre alt, verbraucht 4l bei sparsamer fahrweise, hat 1200€ gekostet und läuft super..ich finde vw gut..in 15 jahren fahre ich auch einen EA189, dann sie sie alle optimiert, deshalb glückauf zu nachbessern..
hhv45699 05.10.2015
3.
"" Er sagte mir aber, dass mein Auto anschließend weder weniger Leistung noch einen höheren Spritverbrauch haben wird. "" Das wird vermutlich nicht der Fall sein. Ich tippe auf Nachbesserung auf weniger Leistung weil hier der Kunde nicht beweisen kann und VW als Hersteller immer auf die Streuung verweisen kann.
monolithos 05.10.2015
4.
Wenn das Ganze ohne weniger Leistung UND ohne Mehrverbrauch funktioniert hätte, hätte VW das längst so gebaut, es sei denn, es ist wirklich die pure Gier, ein entsprechendes Bauteil weggelassen zu haben, um ein paar Euro mehr zu verdienen. Aber nicht nur dann geschieht es dem Konzern ganz recht, dafür eins auf den Deckel zu bekommen. Die Kunden tun mir etwas Leid, weil sie jetzt erstmal den Ärger an der Backe haben. Aber wer einen VW für ein Qualitätsauto hält, hat es vielleicht auch nicht besser verdient.
SelberDenker 05.10.2015
5. Manipulierte Software?
Ich lese das jetzt immer wieder. Aber die Software ist nicht manipuliert worden, die Software manipuliert Testergebnisse. Und seit wann wird Software "verbaut"? Die "Nachbesserung" dürfte darin bestehen, dass der Teil der Software entfernt wird, mit dem die Testergebnisse verfälscht werden können. Im normalen Betrieb ändert sich dadurch nichts.
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