VW-Abgasskandal Passat-Rückruf droht Verzögerung

Eben pries VW noch die angelaufene Rückrufaktion für manipulierte Dieselfahrzeuge, schon stockt sie wieder: Wegen unerwünschter Nebenwirkungen bei überarbeiteten Amarok-SUVs steht der Passat-Rückruf auf der Kippe.

  VW-Produktion in den USA. In den Staaten begann die Abgasaffäre
DPA

VW-Produktion in den USA. In den Staaten begann die Abgasaffäre


Der Zeitplan für den Riesen-Rückruf bei VW wegen des Abgas-Skandals kann womöglich nicht eingehalten werden. Das Software-Update für den VW Passat, das ursprünglich ab dem 29. Februar ausgeführt werden sollte, wird nach Informationen von SPIEGEL ONLINE derzeit noch zwischen dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) und VW beraten. "Wir führen dazu Diskussionen", bestätigte ein VW-Sprecher.

Auslöser für die plötzlichen Probleme ist eine Messung der Fachzeitschrift "Auto Motor und Sport". Diese hatte am Donnerstag berichtet, dass bei ersten Tests mit zwei Amarok, die von VW upgedatet wurden, zwar die Motorleistung gleich geblieben, der Verbrauch aber gestiegen sei. Der Amarok war das erste Modell, das von VW nachgebessert wurde. Wie auch der Passat verfügt er über einen 2.0-Liter-Diesel-Motor.

Volkswagen hatte den Kunden zugesagt, dass ihnen durch den Rückruf keinerlei Nachteile entstehen werden. Deshalb wolle das KBA den Passat-Rückruf noch einmal genauer prüfen. Während informierte Kreise davon sprechen, der ursprüngliche Termin für das Passat-Update sei "abgesagt", will VW nicht einmal von einer Verzögerung sprechen. "Es ist noch keine Entscheidung zum Verzug getroffen", sagte ein VW-Sprecher.

Der Passat-Rückruf muss "schleunigst neu" justiert werden

Umweltschützer sehen in den erhöhten Verbrauchswerten von einem halben bis 0,7-Liter beim nachgebesserten Amarok ein Fiasko für den Konzern: "Wenn das Fahrzeug nach dem Update tatsächlich mehr verbraucht als vorher, dann stehen unter dem Strich nicht nur mehr CO2-Emissionen, sondern absolut gesehen auch mehr Luftschadstoffe. Jeder halbe Liter der mehr verbraucht wird, bringt automatisch noch mal mehr Stickoxid-Abgase, die vorher nicht emittiert wurden. Für Umwelt und Gesundheit ein unglaublicher Bärendienst", sagte Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik beim NABU. Er fordert VW auf, den Rückruf des VW Passat "schleunigst neu zu justieren", so Oeliger.

Volkswagen hatte für die 2,5 Millionen VW-Modelle in Deutschland, die von der Abgasmanipulation betroffen sind, bereits einen Zeitplan für den Rückruf festgelegt. In einem Kundenbrief nannte der Konzern für die Wagen mit dem kleinsten betroffenen Motor mit 1,2 Litern Hubraum einen Beginn der Werkstatt-Aktion ab dem 30. Mai (Kalenderwoche 22). Die mittelgroßen Motoren mit 1,6 Litern Hubraum sind ab dem 5. September (Kalenderwoche 36) an der Reihe. Erste Passat-Varianten sollten ab dem 29. Februar nachgebessert werden.

mhu/dpa

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