VW-Abgasskandal Rückruf startet mit Passat und Pick-up Amarok

VW hat die Pläne für den Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen mit Betrugssoftware präzisiert. In Deutschland will der Hersteller Ende Januar zunächst die Modelle Passat und Amarok nachbessern. Fragen zur Entschädigung der Kunden bleiben weiter offen.

VW Amarok: Auch bei dem Pick-up hat VW bei den Abgaswerten getrickst
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VW Amarok: Auch bei dem Pick-up hat VW bei den Abgaswerten getrickst


Im Skandal um manipulierte Dieselfahrzeuge von Volkswagen wird der Rückruf voraussichtlich Ende nächster Woche starten, teilte der Konzern auf Anfrage mit. Von den betroffenen 2,4 Millionen Autos in Deutschland sollen bestimmte Varianten des Pick-up Amarok sowie des VW Passat nachgebessert werden.

"Wir liegen genau im Zeitplan", sagte ein VW-Sprecher. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gebe den Rückruf schrittweise frei. Das hänge an den einzelnen technischen Lösungen für die vielen Hundert Varianten, die sich wegen der verschiedenen Motorgrößen, Modellreihen und Getriebevarianten ergeben. Zu der weiteren Abfolge konnte der VW-Sprecher noch keine Angaben machen.

Der Start des Rückrufes in Deutschland bedeutet für VW einen kleinen Teilerfolg. In den USA, wo die Abgasaffäre im September des vergangenen Jahres ins Rollen kam, hatten sowohl die kalifornische Umweltbehörde CARB als auch die Bundesbehörde EPA den Rückrufplan abgelehnt. In den USA gelten strengere Grenzwerte für Stickoxide als in Deutschland.

VW-Halter bekommen nun Post

Hierzulande hatte VW bisher die Kalenderwoche vier als Start für die Rückrufe im Abgasskandal genannt. Das präzisierte der Sprecher nun weiter: Es deute aktuell alles darauf hin, dass Donnerstag oder Freitag (28. oder 29. Januar) die ersten Wagen in die Werkstätten rollen könnten. Die dazugehörigen Halter dürften in den nächsten Tagen Post bekommen.

Für Motoren mit 1,2 Liter und 2,0 Liter Hubraum soll nur eine Software-Änderung nötig sein. Bei 1,6-Liter-Modellen werde zusätzlich ein Bauteil eingesetzt.

VW-Konzernchef Matthias Müller muss am Donnerstag die EU-Kommission über den Stand der internen Ermittlungen zur Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen informieren. Müller werde am Donnerstagnachmittag mit EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska in Brüssel zusammenkommen, sagte eine Sprecherin. Die Behörde erwarte auch Aufschluss über die Beseitigung der Probleme und "eine faire Entschädigung der Verbraucher".

Ju stizministerium fordert Entschädigung nach US-Vorbild

Unterstützung erhält die Brüsseler Behörde auch aus Berlin. Das Bundesjustizministerium forderte eine gleiche Behandlung europäischer und amerikanischer Kunden durch den Autokonzern. Eine Ungleichbehandlung wäre inakzeptabel, wiederholte ein Sprecher des Ministeriums am Mittwoch in Berlin frühere Aussagen von Justizminister Heiko Maas.

In den USA haben die Kunden von VW ein sogenanntes Goodwill Package erhalten - ein Paket des guten Willens. Das Paket beinhaltet eine mit 500 Dollar aufgeladene Guthabenkarte, einen Gutschein im selben Wert, den die betroffenen Kunden bei einem VW-Händler einlösen können, sowie Pannenhilfe für drei Jahre. Zudem hält VW-Chef Matthias Müller den Rückkauf von mehr als 100.000 manipulierten Dieselfahrzeugen für ein wahrscheinliches Szenario.

Durch Strafen, Rückrufaktionen und Entschädigungen kommen auf den Wolfsburger Konzern wegen der Abgasaffäre hohe Kosten zu. Das US-Justizministerium hatte Anfang Januar bei einem Bundesgericht in Detroit eine Zivilklage eingereicht, die für VW Strafzahlungen in Milliardenhöhe zur Folge haben könnte.

mhu/dpa



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