Autogramm VW Amarok Canyon: Der Feierabendteurer

Von Tom Grünweg

Autogramm VW Amarok Canyon: Für den Trucker im Mann Fotos
Volkswagen

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen - die meisten Amarok-Kunden nutzen den VW-Pick-up für beides. Und sie rüsten das Auto gern mit allerlei Extras auf. Das bietet VW nun gleich ab Werk an: Einen Lifestyle-Laster im Abenteuer-Look zum Preis einer Business-Limousine.

Der erste Eindruck: Was für ein Kaventsmann. Von außen sieht der VW Amarok einfach nur groß und gewaltig aus, und die neue Modellvariante Canyon ist schon fast zum Fürchten. Der Pritschenwagen ist martialisch aufgemotzt, mit Scheinwerferbatterie auf dem Dach, Schutzleisten vom Format Kanonenrohr und einem wuchtigen Überrollbügel hinter der Doppelkabine. Gut, dass wenigstens der neue Farbton "copper orange" fröhlich und freundlich wirkt. Wäre das Auto mattschwarz, bräuchte man dafür wahrscheinlich einen Waffenschein. So dagegen geht der Pick-up als Abenteuer-Auto durch.

Das sagt der Hersteller: Der Amarok ist die vierte und jüngste Baureihe der VW-Nutzfahrzeugsparte - und ein voller Erfolg, sagt Produktmanager Christian Wattenberg. Die Baureihe erziele zweistellige Zuwachsraten, im vergangenen Jahr wurden mehr als 85.000 Exemplare verkauft. In Deutschland liegt der Wagen (5000 Neuzulassungen) mit einem Marktanteil von 35 Prozent vor Konkurrenten wie Ford Ranger, Toyota Hilux und Mitsubishi L 200.

Obwohl der Amarok ein waschechtes Nutzfahrzeug sei, werde er überraschend oft auch fürs private Vergnügen bewegt. Vier Fünftel der deutschen Kunden seien sogennannte Dual-User, sagt Wattenberg. "Die sind damit unter der Woche dienstlich und am Wochenende zum Spaß unterwegs." Und manch einer kaufe sich den Amarok sogar ganz ohne gewerbliche Ambitionen - als Dritt- oder Viertfahrzeug für Pferdeanhänger oder Motoryacht-Trailer.

Das hat für VW den angenehmen Nebeneffekt, dass der Amarok eher selten von Buchhaltern und Controllern konfiguriert wird, sondern von Menschen, die viel Geld für Extras ausgeben. Der Anteil an Zusatzausstattung sei beim Amarok deshalb zehnmal höher als etwa beim Caddy, schätzt Wattenberg. Der reale Durchschnittspreis liege weit über 40.000 Euro - dabei koste das billigste Modell weniger als 25.000 Euro. Das neue Sondermodell Canyon ist exakt auf solcherart gehobene Ansprüche zugeschnitten.

Das ist uns aufgefallen: Wie wenig sich der Amarok nach Nutzfahrzeug anfühlt - vor allem mit dem 180-PS-Diesel und der famosen Achtgang-Automatik aus dem Touareg. Der Motor ist kultiviert und kräftig, das Getriebe arbeitet sanft und seidig und das Fahrwerk ist ungewohnt komfortabel für einen Pick-up. Hätte man im Rückspiegel die Pritsche nicht im Blick - man würde sich glatt in einem XL-Geländewagen wähnen. Dazu passt auch die gehobene Ausstattung, die sich der Amarok-Kunde ja angeblich so gern zusammenkreuzelt: Klimaanlage, Standheizung, Gesäßwärmer, Navigationssystem samt Rückfahrkamera, weiches, zweifarbiges Nappaleder auf den Sitzen und Zierringe um die Luftausströmer.

Dass der Amarok trotzdem ein Nutz- oder besser: ein Schmutzfahrzeug ist, merkt man, sobald man die geschlossene Teerdecke verlässt. Denn dank permanentem Allradantrieb, 23 Zentimetern Bodenfreiheit, Sperrdifferential an der Hinterachse, einigen elektronischen Fahrhilfen und einem Unterfahrschutz, der den Namen auch verdient, poltert der Pick-up selbst über gröbstes Terrain.

Das muss man wissen: Im Prinzip braucht kein Mensch ein Auto wie den Amarok, oder zumindest fast keiner. Denn wer nicht gerade Bergbauer, Urwaldforscher oder wenigstens Bauleiter ist, dem reicht auch ein sehr viel kleineres und schwächeres Fahrzeug. Aber Outdoor ist in, und deshalb dürften sich ab dem Verkaufsstart Ende August auch genügend Feierabenteurer finden, die bereit sind, auf das bisherige Topmodell Highline noch einmal rund 2000 Euro draufzupacken und den 38.372 Euro teuren Canyon zu bestellen.

Technisch ist der Wagen identisch mit dem normalen Amarok, die Canyon-Extras dienen allein dem Haudegen-Look. Etwa die wuchtigen All-Terrain-Reifen, die Rohre entlang der Schweller, lackierte Stoßfänger sowie der Überrollbügel, den die Designer "Stylingbar" nennen. Wer auch die Flutlicht-Batterie auf dem Dach möchte, muss dafür weitere 1400 Euro hinblättern, kann dann aber schon mit der Lichthupe seinem Gegenüber Sternchen auf die Netzhaut zaubern. Über den luxuriösen Innenraum wurde ja bereits gesprochen.

Als Motorisierungen stehen zwei Dieselaggregate mit 2,0 Liter Hubraum und 140 oder 180 PS, Handschaltung oder Automatik zu Verfügung. Das Canyon-Modell wird ausschließlich mit Allradantrieb angeboten. Je nach Konfiguration sind so 162 bis 178 km/h zu schaffen; und zumindest auf dem Papier ist der Amarok mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,6 bis 8,5 Litern zufrieden.

Das werden wir nicht vergessen: Dass die üppige Trekkingausstattung auch Schattenseiten hat und man beim Ausflug in den Matsch eben doch nicht nur das Auto dreckig macht. Denn die als Schmutzfänger montierten Schwellerrohre zum Beispiel machen ihren Job so gut, dass man nach einer Matschpartie kaum aus dem Wagen klettern kann, ohne sich die Hosen einzusauen. Immerhin sieht dann nicht nur das Auto, sondern auch der Fahrer ein wenig nach Abenteuer aus.

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insgesamt 113 Beiträge
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1. wo ist der sechser?
Luke1973 29.05.2013
Was VW derzeit fehlt ist ein ordentlicher Sechsender Diesel. Würde dem Amarok, denke ich, einen ganz anderen Kundekreis eröffnen. Dabei müsste der nicht mal mehr Leistung haben als der Vierender. Sound und kultivierter Lauf sind gefragt. Auch im Multivan ein KO-Kriterium.
2. optional
UbuRoy 29.05.2013
Weißes Leder in einem allrad Pickup Truck? Ein Witz! Die ganze Karre ist eine einzige Lachnummer. Die die sie eigentlich fahren müßten: Forstarbeiter, Handwerker, Offroader können Sie nicht gebrauchen. Stattdessen gurken diese 3 Tonnen fetten Monstrositäten in den Städten rum. Wie saudumm ist DAS denn...
3. Ohje...
vogelhuber 29.05.2013
Schlimm genug, dass der deutsche Michel selbst "Pick-Ups" von den Wolfsburgern kauft. Aber was soll man von der Mini-SUV versuchten Gesellschaft auch erwarten. Der Amarok ist und bleibt mit dem Preis, der Motorisierung und all dem Optik-Komfort-Firlefanz einfach kein wirkliches Nutzfahrzeug. Mein RAM sieht jede Woche den Wald, kann doppelt soviel ziehen, Kratzer gehören zum guten Geschmack und vor allem fliegt mir nicht nacht 80tkm der Spielzeugmotor um die Ohren. Meiner Meinung nach die gleiche Crux wie beim Phaeton - einfach nicht die Sparte von VW. Wenn sie Nutzfahrzeuge bauen wollen, sollen sie sich doch bitte an ihren alten Caddy-Modellen ein Beispiel nehmen. DAS waren Nutzfahrzeuge.
4. Welches Zielpublikum?
Kudi 29.05.2013
Einerseits "Macho-Look" und andrerseits "Assistenzsysteme". Ein Witz!
5. Ressourcen? Umwelt? Hä?
dieteroffergeld 29.05.2013
Jawohl, besonders in Deutschland mit seinen enormen Höhenunterschieden und unglaublich schwierigem Terrain brauchen die Jungs und Mädels mit viel Geld und/oder Minderwertigkeitskomplexe auch solche Gefährte. Treten wir doch die ganze Umweltdebatten in die Tonnen, es interessiert ja eh keinen, wie wir die Erde ruinieren. Aber Mutter Evolution wird's noch richten und in nicht mehr allzu langer Zeit ihren womöglich größten Irrtum(menschliche Spezie) aussortieren. D.h. wir werden für sie das finale Geschäft auf die eine oder andere Weise erledigen. Kein Missverständnis: Ich bin kein Ökofreak oder militanter Umweltschützer und ich nutze auch den Pkw, aber trotzdem bin ich erstaunt mit welcher Chuzpe wir der Katastrophe entgegenbrettern. Und egal ob es sich dabei um Nahrungsmittel/Wasser/Rohstoffe auch Sand(?) u.a. handelt, wir kriegen den einzigen uns bekannten Planeten, der Leben ermöglicht, klein. Wetten ....?
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Fahrzeugschein
Hersteller: VW
Typ: Amarok Canyon
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.968 ccm
Leistung: 180 PS (132 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 11,0 s
Höchstgeschw.: 178 km/h
Verbrauch (ECE): 7,8 Liter
CO2-Ausstoß: 206 g/km
Gewicht: 2.001 kg
Maße: 5254 / 1954 / 1834
Preis: 43.215 EUR

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