VW-Bus als Gebrauchtwagen Der Schatzkasten

Bullis sind begehrt - selbst fragwürdige Klapperkisten werden zu horrenden Preisen angeboten. Da ist es nützlich, ein paar grundlegende Dinge über die verschiedenen Baureihen der VW-Busse zu wissen.

VW

Von Jürgen Pander


Der Bulli fasziniert. Seit eh und je. Doch von Jahr zu Jahr wird er beliebter. Wie groß der Hype um den Allround-Bus von VW geworden ist, lässt sich an den Preisen auf dem Gebrauchtwagenmarkt ablesen. Drei aktuelle Beispiele: Für einen VW T3 mit Baujahr 1980 werden 18.500 Euro verlangt, für einen T4 California mit 199.000 Kilometer auf dem Zähler 24.900 Euro, und ein neun Jahre alter T5 California mit 171.000 Kilometern wird für 31.500 Euro angeboten.

Ein Sinken der Preise ist nicht in Sicht, im Gegenteil - wenn im nächsten Mai der neue VW T6 auf den Markt kommt, wird die Begierde wohl noch weiter angeheizt.

"VW-Busse sind derzeit mehr eine Wertanlage als ein Auto zum Fahren, die Entwicklung ist extrem", sagt Alexander Frank, Kfz-Meister und Bulli-Sachverständiger aus Wunstorf bei Hannover. Zugleich sind sie jedoch noch immer genau das: ideale Fahrzeuge für Familie und Freizeit. Geräumig, unkompliziert und damit eine Art automobile Allzwecklösung. Zusätzlich aber gelten Bullis als kultig und cool, und das macht die Sache kompliziert - und die Autos bisweilen absurd teuer.

Wer sich eine der fünf Baureihen zulegen möchte, sollte also folgendes beachten:

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VW T1: Der Klassiker von Westfalia mit herausnehmbarer Campingbox
Volkswagen

VW T1: Der Klassiker von Westfalia mit herausnehmbarer Campingbox

Die beiden ersten VW-Bus-Generationen T1 (1950 bis 1967) und T2 (1967 bis 1979) sind inzwischen Sammlerfahrzeuge, die als Alltagsautos eigentlich nicht mehr infrage kommen. Gut erhaltene Modelle des T1 Samba werden für mehr als 100.000 Euro gehandelt. Und ein T2 Westfalia, also der Oldie mit Campingausstattung, kostet ungefähr 30.000 Euro. Für den Erhalt und die Pflege sind sowohl Fachkenntnis als auch erheblicher finanzieller und zeitlicher Aufwand notwendig.

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VW T3 Caravelle Carat: Genauer Blick auf die Karosserie
Volkswagen

VW T3 Caravelle Carat: Genauer Blick auf die Karosserie

Der VW T3 (1979 bis 1992) verbindet Oldie-Aura und Alltagsnutzen. Der Wagen hat noch einen Heckmotor, was ihn mit T1 und T2 verbindet, zugleich sind Fahrwerk, Motoren und Spritverbrauch auf einem ordentlichen Niveau. Wer sich für einen T3 interessiert, sollte sich vor allem die Karosserie genau anschauen. "Die Karosserienähte sind korrosionsanfällig, und wenn es sich um ein Auto mit Campingausstattung handelt, sollte man den Küchenblock und die Bleche dahinter genau inspizieren, dort nistet oft der Gammel", sagt Bulli-Experte Frank. Die Baujahre ab 1986 gelten als weniger rostanfällig als die früheren und auch die letzten Jahrgänge. Mit Glück kann man ein ordentlich erhaltenes T3-Standardmodell ab 5000 Euro aufwärts ergattern, sollte dann aber in der Lage sein, einige Arbeiten am Wagen vorzunehmen; ein vernünftiger T3 mit Campingausstattung kostet mindestens 15.000 Euro.

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T4 California: Ein Dach zum Aufstellen
Volkswagen

T4 California: Ein Dach zum Aufstellen

Der VW T4 (1990 bis 2003) trug als erster Bulli den Motor unter der Fronthaube. Diese Generation ist derzeit die günstigste Alternative, einen VW Bus zu kaufen. Vor allem die Jahrgänge von 1990 bis 1996 gelten als relative Schnäppchen. Empfehlenswert jedoch sind die T4-Baujahre ab 1996, also nach einer gründlichen Überarbeitung, ab der die Autos auch mit den damals neuen TDI-Motoren ausgerüstet wurden. Zudem erhielten die Bullis ab diesem Datum verschraubte statt verschweißte Kotflügel, was die Reparatur erleichtert. Ein neuralgischer Punkt des Autos ist das Fahrwerk. "Vor allem die Vorderachse ist für das schwere Fahrzeug unterdimensioniert, die sollte man auf Verschleißspuren untersuchen", sagt Frank. T4-Standardmodelle in brauchbarem Zustand gibt es ab rund 5000 Euro; Campingmodelle mit Aufstelldach und Wohneinrichtung sind natürlich deutlich teurer.

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VW T5 Multivan: Kaum Angebote unter 10.000 Euro
Jürgen Pander

VW T5 Multivan: Kaum Angebote unter 10.000 Euro

Der VW T5 (seit 2003) ist der technisch ausgereifteste VW-Bus bislang - und der teuerste dazu. Im Prinzip könne man sich mit einem gebrauchten T5 "ein sorgenfreies Auto" zulegen, sagt Frank. Die Multivan-Varianten (Pkw-Varianten) gibt es kaum unter 10.000 Euro, für einen gebrauchten Campingbus vom Typ California muss man mit 20.000 Euro kalkulieren. Das ist auch kein Wunder, denn selbst das fünfsitzige Standardmodell Startline kostet neu mindestens 32.285 Euro und der Top-Camper California Generation wird ab 59.577 Euro angeboten.

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Bulli-Fachmann Frank rät allen, die sich für einen gebrauchten VW-Bus interessieren, wegen der kaum überschaubaren Vielfalt des Angebots zunächst die eigenen Wünsche und Ansprüche möglichst genau festzulegen. "Danach lässt sich gezielt nach Angeboten suchen, und vor allem lassen sich diese Angebote dann auch plausibler miteinander vergleichen."

Wer sich dennoch unsicher ist, ob ein Bulli etwas taugt oder nicht, sollte einen Sachverständigen hinzuziehen. Ein Gebrauchtwagencheck durch einen Experten kostet rund 150 Euro. Das kann gut investiertes Geld sein, wenn das Auto dann vom ersten Kilometer an problemlos funktioniert.

Mitarbeit: Christian Frahm

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andreas-weltweit 20.12.2014
1. T3 Spritverbrauch
Die Information in diesem Artikel ist leider falsch. Der T3 war die durstigste Variante von allen VW Bussen. Vor allem die luftgekühlten Versionen von 1979-1981. Hier waren bei dem 70 PS Benziner mit Doppelvergaser 16 Liter auf 100km normal.
einuntoter 20.12.2014
2. Alternativen?
Gibt es zu den Bullis denn Alternativen anderer Hersteller?
Greleu 20.12.2014
3. Vorsicht vor Rost!
Mein Vater und ein Bekannter hatten beide jeweils einen T4 ca. BJ 1993, die am Ende nur noch durch den Rost zusammengehalten wurden. Also Vorsicht diesbezüglich!
blowup 20.12.2014
4. Was vergessen?
Sinnvoll wäre eine Info über die Umweltplakette gewesen. Bei manchen Dieseln ist da nämlich Ende. Umrüstung nicht möglich.
monolithos 20.12.2014
5. Bullige Preise
Ein Autotester fasste den "Bulli" mal zusammen mit den Worten "Wenn man ihn braucht, kann man ihn sich nicht leisten. Wenn man ihn sich dann leisten kann, braucht man ihn nicht mehr.". Schade, dass VW ein solches Gefährt nicht in familientauglichen Preisdimensionen anbieten kann. Seltsam, dass es VW in diesem Segment schafft, ein Fahrzeug über Jahrzehnte am Markt zu haben, an dem sich alle Konkurrenz die Zähne ausbeißt.
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