Studie Mehrheit der Autohersteller scheitert an CO2-Grenzwerten

Ab 2021 dürfen Neuwagen in der EU nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Viele Hersteller werden das Ziel laut einer Studie verfehlen. Auch den deutschen Konzernen drohen damit harte Geldstrafen.

DPA

Von Christian Frahm


Die Zeit wird knapp: In drei Jahren treten europaweit die neuen CO2-Grenzwerte in Kraft. Viele Hersteller, darunter auch die deutschen Autobauer BMW, Daimler und VW werden die Zielwerte von durchschnittlich 95 Gramm pro verkauftem Auto und Kilometer voraussichtlich aber nicht erreichen und hohe Strafen zahlen müssen.

Das zeigt eine umfangreiche Studie der Unternehmensberatung PA Consulting, die dem SPIEGEL vorliegt. PA Consulting untersucht die Fortschritte der Hersteller bei den CO2-Werten regelmäßig seit 2015.

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Laut der Studie werden acht der 13 untersuchten Hersteller die CO2-Ziele verfehlen. VW etwa muss bis 2021 einen CO2-Ausstoß von 97,7 Gramm einhalten. In der Prognose liegt der Hersteller allerdings mit 101,5 Gramm knapp vier Gramm über dem Grenzwert. Daimler und BMW werden demnach ihre Zielwerte ebenfalls verfehlen.

Die Grenzwertüberschreitungen könnten für die Hersteller sehr teuer werden. Für jedes Gramm CO2, das über dem Grenzwert liegt, müssen sie Strafen in Höhe von 95 Euro zahlen, multipliziert mit der Anzahl der im Vorjahr in der EU zugelassenen Autos. VW droht damit eine Strafe in Höhe von 1,4 Milliarden Euro.

Die Zielwerte der Hersteller variieren und richten sich nach dem durchschnittlichen Fahrzeuggewicht der Flotte. Der CO2-Grenzwert von Toyota liegt beispielsweise bei 95,1 Gramm CO2 pro Kilometer - die Japaner verkaufen viele leichtere Kompaktwagen. Die schweren Geländewagen von Jaguar-Land-Rover dürfen durchschnittlich 130,6 Gramm emittieren.

Opel sieht sich auf dem richtigen Weg

Auch für den Peugeot-Konzern (PSA) sieht es schlecht aus. Der Autobauer wird seinen Grenzwert von 93 Gramm voraussichtlich um 2,6 Gramm verfehlen. Finanziell dürfte das PSA hart treffen. Es drohen Strafzahlung von 600 Millionen Euro, die 20 Prozent des erwirtschafteten Bruttogewinns von 2017 entsprächen. Durch den Zukauf von Opel haben sich die Emissionswerte von PSA insgesamt leicht verschlechtert. Opel selbst sieht sich mit seiner Elektroautostrategie auf dem richtigen Kurs: "Wir werden die CO2-Hürde schaffen", sagt Opel-Chef Michael Lohscheller.

Insgesamt haben sich die Werte von 2016 auf 2017 für drei Firmen (Toyota, Hyundai-Kia, BMW) verbessert. Ford und Daimler hingegen haben sich leicht verschlechtert. Die Tendenz, dass viele Hersteller die CO2-Ziele allerdings nicht erreichen werden ist unverändert geblieben. Eine Kehrtwende ist auch wenige Jahre bevor es ernst wird nicht Sicht.

"Die Grenzwerte zu erreichen, wird den meisten Herstellern kaum noch gelingen. Dafür ist die Zeit bis 2021 zu kurz", sagt Michael Schweikl, Automobilexperte bei PA Consulting. Das gelte besonders für Ford und FCA, die ihr Ziel jeweils am deutlichsten von allen untersuchten Herstellern verfehlen werden.

VW gibt sich optimistisch

Das liegt auch am Dieselskandal. Der Rückgang der Dieselzulassungen wirkt sich negativ auf die CO2-Emissionen aus, da Benzinmotoren mehr verbrauchen und somit mehr CO2 emittieren. Der Trend zu großen, schweren SUV verschärften diesen Trend laut PA.

Europas größter Autohersteller Volkswagen gibt sich aber optimistisch: "Wir werden das 95-Gramm-Ziel mit den in der Planung vorgesehenen Fahrzeugen und insbesondere den Elektroautos erfüllen", sagt Ralf Brandstätter, Vorstandsmitglied der Marke Volkswagen.

Der Konzern rechne damit, das Elektroauto ID im ersten vollen Produktionsjahr (2020) 100.000-mal zu produzieren und dadurch die Grenzwerte einhalten zu können. Elektroautos werden in der CO2-Rechnung mit null angesetzt, um die potenziell klimaneutrale Technologie zu fördern. Außerdem setze VW auf effizientere Motoren, so Brandstätter.

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"Kurzfristig können die Hersteller nur noch durch Marketing- und Preismaßnahmen reagieren, um die Strafmaßnahmen zumindest abzumildern", so Schweikl von PA. So könnten Rabatte den E-Auto-Verkauf ankurbeln oder emissionsreiche Modelle kurzfristig aus dem Portfolio genommen werden.

Hersteller wollen Strafen umgehen

Falls es doch Strafzahlungen gibt, hoffen die Hersteller, nicht die gesamte Summe an den Staat zahlen zu müssen. Kommt Brüssel den Herstellern entgegen, könnten Teile des Geldes stattdessen in einen Innovationsfonds fließen. Dieser würde in die Entwicklung beispielsweise alternativer Antriebe investiert. Ein Großteil des Geldes bliebe so faktisch bei den Unternehmen.

Wie hoch der derzeitige CO2-Ausstoß der anderen Hersteller ist, wer sein Ziel voraussichtlich verfehlen wird und wie hoch die Strafen ausfallen, zeigt die Bildergalerie.



insgesamt 157 Beiträge
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Seite 1
ellge 07.12.2018
1. Unfug mit CO2 Grenzen
Solange der CO2-Ausstoß nicht durch den verbrauchten Kraftstoff gemessen und besteuert wird, bleiben alle Grenzwerte so wichtig für die Umwelt wie die Länge der Zierleisten eines Fahrzeugs.
Makrönchen 07.12.2018
2. Gewicht
Wieso spielt das Fahrzeuggewicht keine Rolle? Ist doch klar dass ich mehr Sprit brauche und damit mehr CO2 ausstoße wenn das Auto mehr Gewicht hat. Übersehe ich da was?
vox veritas 07.12.2018
3.
Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, daß diese CO2 Ziele technisch gar nicht realisierbar sind?
chrismuc2011 07.12.2018
4.
Damit VW den Flottenverbrauch erhöhen kann, werden Sie wohl, wie üblich, "ehrliche" Hightech einsetzen und Ihr Flottengewicht durch Bleifüllungen der Stoßstangen erhöhen.
at.engel 07.12.2018
5.
"VW gibt sich optimistisch..." Bei Volkswagen gibt es ja auch nichts, was vollkommen unmöglich ist.
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