Autogramm VW E-Up Ab geht der E

Gut und günstig - das ist das Versprechen von VW. Der elektrifizierte Kleinstwagen Up ist aber alles andere als ein Schnäppchen. Ob sich das Auto lohnt, werden die Kunden mit dem Taschenrechner entscheiden. Gut abgehen tut es auf jeden Fall.

Volkswagen

Der erste Eindruck: Was für ein Wumms! Wer beim Ampelspurt mit dem neuen VW E-Up aufs Gas steigt, erlebt in dem kleinen Stromer sein grünes Wunder. Die Reifen quietschen, weitaus stärkere Autos sieht man nur noch im Rückspiegel, und ein bisschen fühlt man sich wie im Autoscooter. An sich ist der wuchtige Antritt bei E-Mobilen nichts Überraschendes, weil bei ihrem Antrieb das volle Drehmoment vom Stand weg bereitsteht. Aber beim E-Up ist das noch auffälliger, denn trotz der schweren Elektroakkus bringt das Auto nur 1,1 Tonnen auf die Waage.

Das sagt der Hersteller: Für Rudolf Krebs, den obersten Elektrostrategen im VW-Konzern, markiert der E-Up den Beginn einer elektrischen Offensive, die als Nächstes den E-Golf und in der Folge bis zu 40 weitere Modelle mit alternativen Antrieben bringen soll. "Zeit und Technik sind jetzt reif, die Elektromobilität in Großserie zu bringen", sagt Krebs. Die Marktforscher von Volkswagen indessen haben herausgefunden, dass immer mehr Menschen elektrisch fahren wollen. Aber nur in einem vollwertigen und bezahlbaren Auto. "In einem Auto wie dem E-Up eben", wirbt der VW-Manager und bezeichnet den elektrifizierten Kleinwagen selbstbewusst als das erste elektrische Volksauto.

Das ist uns aufgefallen: Nichts. Die Unterschiede zum normalen Up liegen rein äußerlich nur in Kleinigkeiten: Es gibt ein blaues "e" vor dem Up-Schriftzug und feine Lichtbögen im Stromlinienkühlergrill. Ehrlich gesagt hätten sich die Designer ein bisschen auffälligere Details einfallen lassen können. Renault Zoe oder Nissan Leaf sehen jedenfalls futuristischer aus.

Dafür ist der Elektro-Knirps trotz seiner kleinen Maße ein gestandenes Auto. In dem ausschließlich als Viertürer ausgelieferten E-Up kann man, wenn es sein muss, hinten sogar einigermaßen bequem sitzen. Außerdem fühlen sich Lenkung und Fahrwerk nach einem ernstzunehmenden Auto an, und nicht nach einem zu groß geratenen Spielzeug. Auch die Fahrleistungen sind alltagstauglich. Der Stromer hat nicht nur einen flotten Antritt, sondern marschiert auch danach stramm voran. Kein Wunder: Mit 82 PS und 210 Nm ist die E-Maschine deutlich stärker als die beiden Verbrenner, die VW sonst im Angebot hat. Bei 130 km/h ist allerdings schon wieder Schluss, schließlich hat die Ausdauer des Akkus oberste Priorität.

Die Reichweite ist wie bei jedem reinen Elektroauto ohnehin der Haken an der Sache. Denn die 160 Kilometer, die VW auf dem Prüfstand ermittelt hat, sind leider ziemlich unrealistisch. Auch den vom Hersteller angegebenen Alltagswert von etwa 120 Kilometern kann man vergessen, wenn man sich dem Autoscooter-Gefühl hingibt und im Stadtverkehr hurtig mitmischt. Dann büßt man mit jedem Sprint rasch zwei, drei Kilometer des Aktionsradius ein. Ein Grund zur Sorge ist das dennoch nicht: Auch nach einer Stunde in und um Wolfsburg war bei unserer Testfahrt noch genügend Saft für mindestens 50 weitere Kilometer im Akku. Mehr fährt der Durchschnittsdeutsche am Tag ohnehin nicht - heißt es bei VW.

Das muss man wissen: Das mit der vom Chefstrategen Krebs postulierten Bezahlbarkeit des E-Up ist so eine Sache. Denn immerhin kostet der Wagen, der gerade auf der IAA debütiert und ab November ausgeliefert wird, 26.900 Euro und ist damit mehr als doppelt so teuer wie ein normaler Up.

Vergleicht man den E-Up hingegen mit dem viel kleineren, zweisitzigen Smart mit Elektroantrieb für 18.910 Euro (plus Akkumiete), oder mit dem nur mäßig größeren BMW i3 für 34.950 Euro, steht dieser Volkswagen neben seinen deutschen Konkurrenten gar nicht so schlecht da. Zumal er von allen Elektroautos die geringsten Betriebskosten verursacht. "Bei den aktuellen Strompreisen kosten 100 Kilometer Fahrt nur etwa drei Euro", sagt Krebs, "so billig fährt man mit keinem anderen Elektroauto." Das liegt am geringen Stromverbrauch, der beim E-Up 11,7 kWh je 100 Kilometer beträgt.

Demnächst könne man sogar noch billiger tanken, stellt ein VW-Sprecher in Aussicht, denn die Wolfsburger stellen bei 50 Händlern in Deutschland kostenlose Ladesäulen auf. Weitere 50 werden in VW-Autohäuser in ganz Europa verteilt.

Das werden wir nicht vergessen: Wie alltäglich der E-Up bei der Testfahrt wirkte. Weil man ihm den Elektroantrieb weder ansieht, noch während der Fahrt besonders Notiz davon nimmt. Nur gut, dass wenigstens das zackige Anfahren wachrüttelt. Denn man sollte nicht vergessen, dass man elektrisch unterwegs ist - und rechtzeitig eine Ladesäule ansteuern muss.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 147 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
truereader 17.09.2013
1. typisch
typisch für einen "Test" - bei ausländischen Konkurrenten wird immer gleich gesagt, der Kofferraum sei klein geworden wegen der Batterien. Bei diesem Bericht wird es nicht erwähnt. Ich brauche einen Wagen mit Nutzwert. Und auch VW zeigt, dass die e-Mobile doppelt so teuer sind wie die Grundmodelle. Bei anderen Herstellern wird das als negativ angesehen. Hier geschwiegen.
teekay1 17.09.2013
2. Kofferraum
Zitat von truereadertypisch für einen "Test" - bei ausländischen Konkurrenten wird immer gleich gesagt, der Kofferraum sei klein geworden wegen der Batterien. Bei diesem Bericht wird es nicht erwähnt. Ich brauche einen Wagen mit Nutzwert. Und auch VW zeigt, dass die e-Mobile doppelt so teuer sind wie die Grundmodelle. Bei anderen Herstellern wird das als negativ angesehen. Hier geschwiegen.
Was daran liegen mag, dass die Batterie im Fahrzeugboden und nicht im Kofferraum liegt - wie bei praktisch allen anderen derzeit in Serie gefertigten Elektro-Autos auch.
lala9999 17.09.2013
3. 56kg leichter als der i3?
Ist es VW gelungen den e-up! ohne Carbon leichter zu gestalten, bei annähernd gleicher Akkukapazität und Reichweite? Naja, trotzdem eher etwas für Idealisten mit PV auf dem Dach. Wer alternativ und nachhaltig fahren möchte, sollte sich den eco-UP! anschauen: Kostet die Hälfte, Reichweite ca. 500km, Tanken in 3 min, Mit 30€ fährt man 1000km (gehört in die Vergleichstabelle links) und der Akku ist auch nicht nach ca. 800 Zyklen = ca. 80.000km platt. Fährt übrigends 160km/h und das weiter als 120km...
Hmm 17.09.2013
4.
Zitat von truereadertypisch für einen "Test" - bei ausländischen Konkurrenten wird immer gleich gesagt, der Kofferraum sei klein geworden wegen der Batterien. Bei diesem Bericht wird es nicht erwähnt. Ich brauche einen Wagen mit Nutzwert. Und auch VW zeigt, dass die e-Mobile doppelt so teuer sind wie die Grundmodelle. Bei anderen Herstellern wird das als negativ angesehen. Hier geschwiegen.
Das ist kein Test, das ist ein Autogramm. Oder besser gesagt: Ein Pressebericht mit Pressefotos auf ner Boulevardseite. Nebenbei: Der Akku liegt im Boden und nicht im Kofferraum und die Basisausstattung des eUp ist höher als die Basisausstattung des "normalen" Up. Der Aufpreis zu eben diesem ist fast nur der Anteil für den Akku.
x+n 17.09.2013
5. ...
Zitat von truereadertypisch für einen "Test" - bei ausländischen Konkurrenten wird immer gleich gesagt, der Kofferraum sei klein geworden wegen der Batterien. Bei diesem Bericht wird es nicht erwähnt. Ich brauche einen Wagen mit Nutzwert. Und auch VW zeigt, dass die e-Mobile doppelt so teuer sind wie die Grundmodelle. Bei anderen Herstellern wird das als negativ angesehen. Hier geschwiegen.
Dass die E-Version doppelt so teuer ist wie ein Verbrenner wird geschrieben. Dass das ein Nachteil ist, darauf müssen Sie schon selber kommen ;) Btw, es heißt dort 100 km kosten etwa 3 Euro. Bei der Gasvariante kosten 100 km ca. 3,50 Euro. Die 13000 Euro Preisdiferenz am Treibstoff zu sparen ist also selbst bei kostenlosem Strom schwer.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.