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VW-Elektro-Strategie: Das Imperium lädt zurück

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VW-Elektro-Strategie: Akkus für Alle! Fotos
Volkswagen

In Sachen Elektromobilität ist Volkswagen abgeschlagen, voller Neid blicken die Verantwortlichen in Wolfsburg auf das Projekt i von BMW. Und setzen jetzt zum Konter an. Die VW-Elektrostrategie ist deutlich konservativer - könnte sich aber auszahlen.

Der VW-Konzern befindet sich in Sachen Elektromobilität noch auf der Standspur. Die Elektro-Projekte Audi R8 E-tron und VW Nils sind offiziell gestoppt, und weil man nichts mehr davon hört, ist wohl auch der Porsche E-Boxster beerdigt. Dieser Stillstand fällt umso krasser auf, seit BMW mit dem Karbon-Elektroauto i3 vorgeprescht ist, dessen Verkauf noch in diesem Jahr beginnen soll. Die Münchner Autobauer stehen derzeit als Vorreiter da, sowohl in Sachen Leichtbau als auch generell für zukunftsweisende Elektromobilität.

Das stinkt Europas größtem Autokonzern gewaltig, der gern auch Weltmarktführer werden würde. Deswegen holen die Wolfsburger jetzt auf der IAA in Frankfurt zum Gegenschlag aus. "VW elektrisiert die Großserie", tönt das Marketing und kündigt die Weltpremieren der Elektroautos E-Up und E-Golf an. Zwei Autos, die Breitenwirkung entfalten und in nennenswerten Stückzahlen auf die Straße kommen sollen.

Der neue VW-Entwicklungschef Karl-Heinz Neußer proklamiert 2013 sogleich zum "Schlüsseljahr für die Elektromobilität" bei VW, und Rudolf Krebs, der Generalbevollmächtigte für Elektromobilität des Konzerns, sagt, es gebe insgesamt 40 Modelle, die in naher Zukunft mit alternativen Techniken von Hybrid- über Elektro- bis zum Brennstoffzellenantrieb bestückt werden könnten. Neben den reinen E-Modellen spielen Plug-Hybrid-Fahrzeuge die wichtigste Rolle. Bei Porsche ist der Panamera mit dieser Technik bereits verfügbar, VW hat das Sparauto XL1 im Portfolio, und Audi soll ab dem nächsten Jahr mit dem A3 E-tron Anschluss finden.

VW baut kein neues E-Auto, sondern nutzt vorhandene Modelle

Die VW-Truppe hat, das ist den Markenbotschaftern ganz wichtig, die elektrische Revolution keineswegs verschlafen. Man nähere sich, so die Erklärung für das wahrlich zögerliche Engagement in diesem Segment, dem Thema einfach nur anders. Während BMW Milliarden auf den Erfolg der E-Mobilität gewettet hat, sind die VW-Leute - wie immer - ein wenig vorsichtiger. Zumal Aufsichtsratschef und Konzern-Patriarch Ferdinand Piëch eben kein Freund von Akku-Autos ist und bei Veranstaltungen gerne einfließen lässt, dass er bislang nur mit einem E-Mobil richtig Spaß hatte: seinem Ferrari-roten Segway-Roller.

Statt wie BMW um den Elektroantrieb ein komplett neues Auto mit neuen Materialien und neuen Produktionsprozessen zu entwickeln, hat Volkswagen bestehende Fahrzeuge elektrifiziert. Und statt für die Stromer eine komplett neue Fertigungskette mit neuen Komponenten- und Montagewerken aufzubauen, werden sie im VW-Konzern in den ganz normalen Fabriken gefertigt. "Bei uns laufen die E-Modelle Stoßstange an Stoßstange mit den Verbrennern vom Band", sagt Elektro-Stratege Krebs. Er preist das als entscheidenden Vorteil, denn noch könne niemand seriös die Akzeptanz und den Erfolg für E-Mobile vorhersagen.

Sollten E-Golf & Co. plötzlich zu Bestsellern werden, baut VW eben mehr Elektroautos und weniger TDI- und TSI-Modelle. Bleibt die Nachfrage nach Elektroautos aus, bleibt auch in den Fabriken einfach alles beim alten. Bei BMW dagegen, so der Subtext der Argumentation der VW-Manager, würden bei mangelhafter E-Nachfrage die Mitarbeiter in der i3-Fabrik erst Däumchen drehen und kurz darauf um ihren Job fürchten.

Der Preis des BMW i3 hat die Wolfsburger geschockt

"Das Risiko war uns gegenüber Mitarbeitern und Aktionären zu groß", sagt ein VW-Mann. Denn auch wenn der Konzern die Produktpalette künftig auf breiter Front teilweise oder ganz elektrisiert, spricht Krebs im kleinen Kreis mittelfristig von elektrischen Nischen. Drei Prozent der Flotte, so hört man in Wolfsburg bisweilen, könnten im Jahr 2018 mit einem Ladestecker ausgeliefert werden. Bei bis dahin geplanten zehn Millionen Pkw-Auslieferungen des Konzerns pro Jahr wären das 300.000 Autos mit alternativem Antrieb, und davon wiederum sollen rund 100.000 Fahrzeuge reine E-Modelle sein. Angesichts dieser Prognosen ist die Zurückhaltung irgendwie nachvollziehbar.

Dass die Elektroautos im ganz normalen Modellprogramm verankert sind, wird durch die umfassende Baukastenstrategie möglich. Egal welches Auto, ganz gleich welche Fabrik: Überall, wo zum Beispiel der modulare Querbaukasten (MQB) im Spiel ist, können statt der Benzin- auch die Batterie- oder die Plug-in-Technik verbaut werden. Heute im VW Golf, morgen im Audi A3 und übermorgen vielleicht im Seat Leon, im Skoda Octavia oder im VW Tiguan. BMW dagegen dürfte es weit schwerer fallen, nach dem i3 beispielsweise auch den X3 zu elektrifizieren.

Der Erfolg der Elektrofahrzeuge hängt natürlich nicht zuletzt vom Preis ab, zu dem sie angeboten werden. VW wird den E-Up für 26.900 Euro verkaufen, der E-Golf soll zwischen 33.000 und 35.000 Euro kosten. Am BMW i3 hängt ein Preisschild über 34.950 Euro. Dies sorge in Wolfsburg, so räumen einige Mitarbeiter bei VW hinter vorgehaltener Hand ein, für ordentlich Kopfzerbrechen.

Was fehlt, ist Aufbruchstimmung

Denn eins ist klar: In puncto Image ist BMW schon jetzt klarer Sieger. Beim gesamten Projekt i schwingt ein visionärer Mut mit, ein Coolness-Faktor. Gerade weil er so anders designt ist, auch im Innenraum, verfügt der BMW über einen gewissen Haben-wollen-Effekt, ähnlich dem des iPhones damals. Und genau das könnte entscheidend sein, um die Kunden über die Reichweiten-Einschränkungen eines Elektromobils hinwegsehen zu lassen.

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Der mit Lob sonst eher sparsame Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer ist beeindruckt: "BMW präsentiert das Fahrzeug weltweit, geht aktiv voran und hat eine echte Innovation zu einem sehr wettbewerbsfähigen Preis. Da kann man nur sagen: Chapeau." Und selbst in Wolfsburg hört man in Gesprächen viel Anerkennung für BMW heraus - vor allem für deren Kommunikation und Marketing. "Egal wie das wirtschaftlich mit dem i3 ausgeht, der Imagegewinn für die Marke ist unbezahlbar", sagt ein VW-Mann.

Von den Produkten aus Wolfsburg hingegen, deren Erfolgsrezept ja gerade eine gewisse Ängstlichkeit in Konzept und Design ist und die eher eine Bewahrermentalität verkörpern, fühlt man sich nicht unbedingt in Aufbruchstimmung versetzt. Diese aber könnte am Ende entscheidend sein dafür, wie sich Kunden zwischen einem E-Golf und den bewährten Motorisierungen entscheiden. Aber immerhin sendet jetzt nach BMW auch VW ein klares Signal: Im Thema Elektroauto ist plötzlich wieder Spannung.

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insgesamt 171 Beiträge
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1. Der coolness Faktor
u.loose 07.09.2013
endet spätestens beim Blick in den Geldbeutel und ersatzweise beim tanken von Strom...
2. Alles schön und gut ....
grommeck 07.09.2013
wenn der hohe Preis nicht wäre. Ein Fahrzeug für 35000,- € ist einfach zu teuer für den Otto-Normalo. Daran wird das ganze scheitern und dass seit Mitte der 80er nicht oder wenig investiert wurde in die E-Mobilität. Auch wird es recht schwierig werden in Wohnblocks die vielen Kabeltrommeln zu arrangieren ;-)
3. Elektroautos ein Muss ...
westerwäller 07.09.2013
Zitat von sysopVolkswagenIn Sachen Elektromobilität ist Volkswagen abgeschlagen, voller Neid blicken die Verantwortlichen in Wolfsburg auf das Projekt i von BMW. Und setzen jetzt zum Konter an. Die VW-Elektrostrategie ist deutlich konservativer - könnte sich aber auszahlen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/vw-elektroautos-volkswagen-plant-modelle-mit-alternativ-antrieb-a-920570.html
... in der Modellpalette eines Auto-Unternehmens ... Auch wenn sie kein Schwein haben will ...
4. hahaha... ich lach mich schlapp...
ironassi 07.09.2013
Zitat von sysopVolkswagenIn Sachen Elektromobilität ist Volkswagen abgeschlagen, voller Neid blicken die Verantwortlichen in Wolfsburg auf das Projekt i von BMW. Und setzen jetzt zum Konter an. Die VW-Elektrostrategie ist deutlich konservativer - könnte sich aber auszahlen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/vw-elektroautos-volkswagen-plant-modelle-mit-alternativ-antrieb-a-920570.html
...VW schafft es ja noch nicht einmal einen vernünfitgen Hybrid auf die Straße zu bringen.... Die hochnäßigen VWler sollte man mal zur Nachhilfe nach Japan schicken!
5. hatte so ein i (Test) Fahrzeug
mhwse 07.09.2013
vor kurzem in Schwabing vor mir - äusserlich unscheinbar ein 3er halt. (Hatte keine Ahnung dss er elekrisch fährt) Beim Ampelstart kam ich nicht mal dazu, die Kupplung komplett loszulassen der BMW war, nahezu geräuschlos schon fast bei der nächsten Ampel. Wenn sich das herumspricht hat VW wirklich ein Problem.
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Informationen zur IAA 2013
Eintritt: Eine Tageskarte kostet am Samstag und Sonntag 15 Euro, sonst 13 Euro (ermäßigt immer 7,50 Euro). Von Montag bis Freitag gibt es zudem ein Nachmittagsticket für 8 Euro (ermäßigt 4,50 Euro), das ab 15.00 Uhr gilt. Kinder dürfen bis zum vollendeten 6. Lebensjahr kostenlos auf das Messegelände.

Tickets kaufen: Karten können auf der IAA-Internetseite bestellt werden. Die Vorverkaufsgebühr beträgt 2,50 Euro pro Bestellung. An den Tageskassen gibt es Karten zum gleichen Preis wie im Vorverkauf, dann aber ohne Gebühr.

Öffnungszeiten: Die IAA ist für die Öffentlichkeit vom 14. bis 22. September täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnet. Der 12. und 13. September sind Fachbesuchern vorbehalten.


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