Fehlende Anmeldung in den USA Fast 500.000 VW-Benziner sind nicht ordnungsgemäß zugelassen

Mit einer Gewinnwarnung hat sich VW an die Aktionäre gewandt. Grund dafür sind Probleme beim Dieselrückruf in den USA. Doch nach SPIEGEL-Informationen droht weiterer Ärger - diesmal mit Benzinern.

VW-Händler in den USA
DPA

VW-Händler in den USA

Von und


Dem VW-Konzern droht neuer Ärger in den USA. Bei internen Untersuchungen stellte der Wolfsburger Autohersteller fest, dass knapp 500.000 Fahrzeuge über keine korrekte Zulassung in den USA verfügen. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, handelt es sich um rund 20 Prozent aller Volkswagen-Modelle mit Benzinmotor, die von 2009 bis 2017 dort verkauft worden sind.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 40/2017
"Wir sind im freien Fall"

In den USA müssen Autohersteller den Zulassungsbehörden melden, wenn sie in einem Modelljahr Änderungen an der Software vorgenommen haben. Volkswagen hat dies in vielen Fällen nicht getan. Es handelt sich der internen Untersuchung zufolge aber nicht darum, dass eine unerlaubte Software eingesetzt wurde, um die Abgasreinigung nur auf dem Prüfstand ausreichend arbeiten zu lassen. Man habe versäumt, neue Software für die US-Modelle anzumelden, wenn diese beispielsweise aus den Modellen übernommen wurde, die in Europa verkauft werden.

Doch auch das ist in Nordamerika unzulässig. Nun prüft der Konzern, ob die geänderte Software bei den US-Behörden nachträglich angemeldet werden kann. Es wird befürchtet, dass dies nicht ohne Strafzahlungen ausgehen und den Ruf von VW am Markt weiter beschädigen könnte. Zu den neuen Vorwürfen sagt ein Sprecher: "Zu etwaigen vertraulichen internen Vorgängen, die insbesondere den Austausch mit den zuständigen Behörden betreffen würden, äußern wir uns nicht."

Die Zulassungsbehörden in den USA sind nicht nur wegen des Betrugs mit Dieselmotoren über VW verärgert. Nachhaltig sauer sind sie vor allem, weil der Autobauer noch über ein Jahr lang versucht hat, den Betrug zu vertuschen, nachdem es Hinweise auf verbotene Software bei Dieselmodellen gab.

VW gab am Freitag eine Gewinnwarnung raus

Erst am Freitag gab VW bekannt, dass der Konzern wegen der Abgasaffäre weitere Milliardenkosten verbuchen muss. Im dritten Quartal werde das operative Ergebnis mit rund 2,5 Milliarden Euro belastet, teilte der Konzern mit. Hintergrund sei eine Aufstockung der Vorsorge für den Vergleich mit geschädigten Autobesitzern von 2,0-Liter-TDI-Fahrzeugen in Nordamerika. Die Umsetzung des Rückkauf- und Nachrüstungsprogramms sei erheblich langwieriger und gestalte sich technisch anspruchsvoller als gedacht.

Insgesamt kostet der Skandal um die Manipulation von Dieselabgaswerten in den USA den Konzern bereits mehr als 25 Milliarden Euro.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.



insgesamt 72 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Herr Bayer 29.09.2017
1. Kann man ein Auto des VW-Konzerns noch kaufen
ohne sich der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung schuldig zu machen?
tednuber 29.09.2017
2. VW-Biotop Deutschland
Was ein Glück für VW-Boß Müller und Kollegen, daß im Stammland fast alle Politiker dem Konzern zu Kreuze kriechen und sich mit der billigen und wenig effektiven Software-Änderung zufrieden geben. Verglichen zu den USA sind die Kunden in Deutschland weitestgehend rechtlos, können also als möglicher Stör- und Kostenfaktor vernachlässigt werden. Der Dieselskandal wird irgendwann in die Annalen eingehen als Beispiel wie ein Autokonzern aus Gier mit krimineller Energie sich selbst zugrunde gerichtet hat. Noch zwei Jahre nach dem Bekanntwerden zeigt das
Nonvaio01 29.09.2017
3. Nein
Zitat von Herr Bayerohne sich der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung schuldig zu machen?
denke nicht. Man bekommt nicht was auf der verpackung steht. Bei allem ist die EU schnell mit klagen etc, vor allem bei waren aus dem ausland. Bei VW...alles kein problem....hoffe das aendert sich bald. Wie geagt denke ich das es VW in 20 jahren nichtr mehr geben wird.
unky 29.09.2017
4. Unglaublich
Ich verstehe nicht, wofür die Automanager ihre hohen Gehälter beziehen. Sie haben doch alles getan, um die deutsche Autoindustrie in den Abgrund zu wirtschaften: 1. Dieselskandal, 2. Zulassungsprobleme in den USA, 3. Entwicklung neuer Antriebssysteme verpennt. Mir tun nur die Arbeiter leid, die das alles mit dem Verlust ihrer Arbeitsplätze werden bezahlen müssen - und wir Steuerzahler, die wir wieder geschröpft werden, um die Kosten des Missmanagements zu senken (Ich erinnere nur daran, dass die Autohersteller die Umrüstungskosten für die Betrugssoftware steuerfrei gestellt bekommen.).
Frank Kreuzer 29.09.2017
5. Der US-Markt hat für VW noch nie Gewinn abgeworfen.
Sehr professionell scheint das, was VW in den USA macht, nicht zu sein. Unter den jetzigen Umstanden bleibt eigentlich nur eine Lösung übrig. Raus aus diesem Markt. Die Musik spielt sowieso in China. Und Indien kommt. Das Hofieren der USA hat doch kein Zweck. Die schützen dort die eigenen Produzenten ("General Motors ist USA") und die können keine kleinen Dieselmotoren bauen. Also wird der Diesel mit schikanösen Umweltvorgaben versehen und es werden sehr hohe Strafen bei Verstössen fällig. China macht das übrigens auch ähnlich, um die eigenen Produzenten zu schützen. Allerdings ist es Management-Sache, wie man damit umgeht. Wenn die nicht wollen, bleibt man im eigenen Lande und nährt sich unredlich.:-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.