VW Golf 1 Dauerbrenner tief im Süden

In Deutschland ist die Produktion längst eingestellt, und auch von den Straßen ist der Golf 1 weitgehend verschwunden. Doch neun Flugstunden weiter südlich läuft der Klassiker noch immer vom Band. Seit 1984 ist das Auto als CitiGolf in Südafrika beliebt.


Er läuft, und läuft, und läuft und läuft… dieser Slogan war zwar ursprünglich dem VW Käfer zugedacht. Doch mittlerweile passt er auch zum ersten Golf. Während der dickste Pfeiler des VW-Programm hierzulande bereits in der fünften Generation existiert, fährt das Original unter der Sonne des Südens munter weiter: Gut 9000 Kilometer südlich von Wolfsburg, in Uitenhage kurz vor dem Kap der guten Hoffnung, schreibt VW noch immer an der Erfolgsgeschichte eines Autos, das 1974 debütierte. Das letzte Kapitel heißt CitiGolf und ist noch nicht zu Ende.

Die afrikanische Karriere des ersten Golf begann 1984, als die Wolfsburger am Kap mit dem Start des Golf II erhebliche Probleme hatten. Der war zu groß und zu teuer, und so wurde als billige Alternative kurzerhand die Produktion des alten Golf noch einmal aufgenommen - und bis heute nicht mehr eingestellt. Im Gegenteil: Jahr für Jahr musste VW die Kapazität des zum CitiGolf deklarierten Klassikers vergrößern. Wurden anfangs 340 Autos pro Monat gebaut, waren es vier Jahre später schon 780. Nach zehn Jahren kam das Werk auf eine Gesamtproduktion von beinahe 114.000 Fahrzeugen, und 2005, also 21 Jahre nach Beginn der südafrikanischen Golf-1-Karriere, hat der CitiGolf mit fast 28.000 Zulassungen noch einmal all seine eigenen Rekorde gebrochen.

Platz drei für den Veteranen hinter Corolla und Polo

In der vom Marktbeobachter Jato Dynamics erstellten Zulassungsstatistik für 2005 rangiert der Oldtimer in Südafrika hinter Toyota Corolla (39.000 Einheiten) und VW Polo (33.000 Einheiten) auf dem dritten Rang – deutlich vor seinem Nachfahren aus der fünften Golf-Generation, der mit 9500 Zulassungen auf dem neunten Platz landet. Vor allem dem CitiGolf also ist es zu verdanken, dass VW in Südafrika seine Rolle als Marktführer mit einem Anteil von 19,39 Prozent gegenüber Toyota (18,93 Prozent) knapp behaupten konnte.

Natürlich wurde auch der CitiGolf über die Jahre behutsam modernisiert. Zwar gleicht die Karosserie noch dem Originalentwurf von Giorgetto Giugiaro, denn die längst abbezahlten Pressen formen noch immer die alten Bleche. Doch Scheinwerfer und Stoßfänger sind moderner geworden, und unter dem kantigen Schrägheck mit drei oder fünf Türen steckt die Technik des Golf 3 sowie des letzten Polo. Im Innenraum blicken die Besitzer neuerdings auf das Cockpit des Skoda Fabia, dürfen mittlerweile Musik von der CD hören und können seit 2002 auch eine Zentralverriegelung bestellen.

Der CitiGolf als Sonderangebot auf dem Neuwagenmarkt

Geblieben ist der niedrige Preis für den Wagen, der auch im Unterhalt extrem günstig ist und schlechte Straßen, miesen Kraftstoff oder schlampige Wartung klaglos wegsteckt. In einem Land, in dem der durchschnittliche Neuwagenpreis nach Recherchen von Jato Dynamics im letzten Jahr bei 180.326 Rand lag, kostet die Basisversion des CitiGolf derzeit 66.270 Rand. Das sind vier Zylinder, 1,4-Liter Hubraum und 73 PS für weniger als 7000 Euro. Damit ist der CitiGolf knapp hinter dem Chevrolet Spark der zweitgünstigste Neuwagen in Südafrika und um Längen billiger als alle anderen Modelle von VW. Schon für einen Polo muss man mindestens 105.210 Rand hinlegen.

Allzu viel darf man vom CitiGolf dann auch nicht erwarten. Während der neue Golf auch in Südafrika ein grundsolides, sicheres, gut ausgestattetes Auto mit souveränem Auftritt ist, scheint der Oldie wie aus einer anderen Welt und einer anderen Zeit. Er wirkt kleiner als der aktuelle Polo, hat nur 200 Liter Kofferraumvolumen und steht auf dünnen Rädchen. Servolenkung, elektrische Fensterheber, ABS oder Airbags? Wer solche Extras möchte, der muss zu Polo oder Golf greifen.

Bei weniger als 900 Kilo reichen 73 PS allemal

Weil der CitiGolf nicht einmal 900 Kilogramm wiegt, reicht ihm schon die Einstiegsmotorisierung für respektable Fahrleistungen. Mit nur 73 PS und gerade einmal 108 Newtonmeter haben die Kollegen des südafrikanischen "Car Magazine" ihren Testwagen in 14,1 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und immerhin eine Höchstgeschwindigkeit von 156 km/h erreicht. Der Verbrauch lag dabei mit 8,4 Litern auf einem Niveau, das kein aktueller Golf in diesen Tests je erreicht hat.

Obwohl der Klassiker mit niedrigem Verbrauch und günstigem Preis auch in seiner alten Heimat wieder gut in die Zeit passen würde und eine kluge Antwort etwa auf den Dacia Logan sein könnte, schließt VW-Sprecher Hans-Gerd Bode einen Import des CitiGolf nach Europa kategorisch aus - und zwar nicht nur, weil das Lenkrad auf der falschen Seite ist. Sondern vor allem, weil der Wagen, so wie er vom Band läuft, hierzulande nicht die gültigen Schadstoffnormen erfüllen würde und auch beim Thema Sicherheit Nachholbedarf hat. Für Fans des Dauerläufers ist das kein Hindernis: Wenn das Auto nicht zu ihnen kommt, kommen sie eben zum Auto - und buchen den Klassiker beim nächsten Südafrika-Urlaub als Leihwagen. Das spart nicht nur  Geld, sondern macht die Rundfahrt ums Kap der guten Hoffnung auch zur Zeitreise.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.