VW Golf Blue-E-Motion Der flotte Stromer kommt in drei Jahren

Um die deutschen Autofahrer vom elektrischen Antrieb zu überzeugen, sollte auch der beliebte VW Golf mit Strom fahren. Ein Prototyp tut das bereits, in Großserie soll die Technik jedoch erst 2013 kommen. Die Wolfsburger Warterei ist merkwürdig - die Testfahrt verlief nämlich tadellos.

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VW-Entwickler Oliver Koslowski fährt nicht irgendeinen Golf, sondern einen elektrisch angetriebenen Prototypen. Ein Privileg, das er als Abteilungsleiter auf dem werksinternen Campus für E-Mobilität genießt. Durch die kurzen Dienstfahrten bereitet er unter anderem den ersten Kundenversuch vor, der im kommenden Jahr beginnen soll. Bis es das Auto zu kaufen gibt, dauert es noch. Bei den Händlern stehen wird der Wagen mit dem Namen Golf Blue-E-Motion erst 2013.

Am Fahrgefühl und an der Alltagstauglichkeit des Wagens liegt die späte Markteinführung allerdings nicht. Denn auf einer Testfahrt rund um Wolfsburg gab der E-Golf bereits jetzt eine gute Figur ab: Das Auto wirkt so solide und vertraut wie jeder andere Golf, und es fährt sich auch fast so unspektakulär. Die Höchstgeschwindigkeit allerdings ist mit Rücksicht auf die Reichweite auf 135 km/h limitiert. Auch gibt es nur einen Gang - schalten also entfällt. Ebenso wie das Motorgebrumm, beim Fahren sind lediglich Wind- und Reifengeräusche zu hören.

Der elektrische Golf überzeugt, wie andere E-Autos auch, mit einem kraftvollen Antritt. Die kompakte Elektromaschine unter der Haube leistet bis zu 115 PS und geht von der ersten Umdrehung an mit 270 Nm zu Werke. Deshalb fühlt sich der Sprint schneller an, als er tatsächlich ist; 11,8 Sekunden benötigt der Wagen von 0 auf Tempo 100. Das liegt auch am stattlichen Mehrgewicht. Allein die Akkus samt Klimatisierung und Stahlgehäuse wiegen mehr als sechs Zentner. Entwickler Koslowski: "Gegenüber einem normalen TDI bringt der Golf mit Elektroantrieb etwa 200 Kilo mehr auf die Waage."

Was den Golf E-Motion von vielen anderen Elektroautos unterscheidet, sind die Schaltwippen hinter dem Lenkrad. "Damit lässt sich der Grad der Rekuperation regulieren", erklärt Koslowski. Der Fahrer hat es damit selbst in der Hand, wie sich der Wagen verhält, wenn er den Fuß vom Gas nimmt. In Stellung "D" rollt das Auto einfach im Leerlauf dahin, wenn die Straße eben ist viele hundert Meter weit. Mit jedem folgenden Druck auf die Schalter jedoch wird die Leistung des E-Motors erhöht, der in diesem Fall als Generator fungiert. Man kann sich das vorstellen, als ob ein Dynamo mit jedem Tastendruck schneller angetrieben würde. In der maximalen Stufe 3 fühlt sich das so an, als würde man auf einer Gefällstrecke vom fünften in den dritten Gang zurückschalten und die Motorbremse nutzen. Das Spiel mit den Paddeln ist faszinierend, geht einem nach wenigen Kilometern leicht von der Hand und ersetzt mit etwas Erfahrung beinahe das konventionelle Bremsen.

E-Golf-Fahrer können wählen: Mehr Fahrkomfort oder mehr Reichweite

Ebenfalls ungewöhnlich ist ein Schalter in der Mittelkonsole. Mit dem lassen sich wahlweise der Komfort oder die Reichweite maximieren. "Wird maximale Reichweite eingestellt, fährt der Wagen mit maximal 82 PS, das Spitzentempo wird gekappt und Nebenverbraucher wie die Klimaanlage werden heruntergeregelt", erläutert Koslowski.

Was für andere Autos der Tank, ist für den E-Golf ein Lithium-Ionen-Akku. Der Stromspeicher besteht aus 180 Zellen, die, in 30 Paketen zusammengefasst, im Mitteltunnel, unter der Rückbank und im Kofferraum verteilt sind. Eine spezielle Klimatisierung hält den Akku auf idealer Betriebstemperatur, dann bietet er eine Kapazität von 26,5 Kilowattstunden. Nutzen lassen sich davon etwa vier Fünftel der Energie. "Mehr würde zu sehr an der Lebensdauer des Akkus zehren", sagt Koslowski.

Im besten Fall reicht die Energie für 150 Kilometer. Danach muss der Golf für etwa drei Stunden an eine Starkstromdose, an einem normalen Anschluss dauert das Vollladen etwa sechs Stunden. Um Kabelsalat zu vermeiden, hat der E-Golf gleich zwei Buchsen: eine unterm Tankdeckel und eine unter dem vorderen VW-Logo.

Kosten, Haltbarkeit, Infrastruktur - die drei großen Fragen der E-Mobilität

Warum aber dauert es noch bis 2013, ehe der Elektro-Golf zu kaufen sein wird? "Wir wollen erst auf den Markt, wenn es auch eine funktionierende Infrastruktur gibt", sagt VW-Sprecher Harthmuth Hoffmann. Zudem habe man die Hoffnung, dass bis dahin die Akku-Preise fallen. Und schließlich gebe es auch noch Entwicklungsbedarf bei der Haltbarkeit der Batterie. Zwischen den Zeilen klingt noch einen weiterer Grund durch: Der E-Golf kommt erst nach dem Generationswechsel, mit dem VW den "Modularen Querbaukasten" einführt. Diese Plattform sei speziell für alternative Antriebe vorbereitet.

Die kommenden Jahre muss VW auch nutzen, um geeignete Lieferanten zu finden. "Es ist noch nicht entschieden, was und wie viel wir selbst produzieren", sagt Hoffmann. "Allerdings wollen wird wissen, wie die Technik funktioniert und produziert wird." Vorerst baut VW den Elektromotor für die Prototypen im Werk Kassel erst einmal selbst, und die Akku-Produktion für den elektrischen Kleinwagen Up, der Anfang 2013 debütieren soll, haben die Wolfsburger gerade an eine eigene Fabrik in Braunschweig vergeben.

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
sic tacuisses 08.12.2010
1. Jou, und für die dann fällige Kaufsumme
Zitat von sysopUm die deutschen Autofahrer vom elektrischen Antrieb zu überzeugen, sollte auch der beliebte*VW Golf*mit Strom fahren.*Ein Prototyp tut das bereits, in Großserie soll*die Technik jedoch erst 2013 kommen.*Die Wolfsburger Warterei ist merkwürdig*-*die Testfahrt verlief nämlich tadellos. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,733275,00.html
beschaff´ ich mir dann ein richtiges Auto. Keinen VW allerdings.
axelkli 08.12.2010
2. eigentlich....
....ist es doch ziemlich sinn- und phantasielos, einen Elektroantrieb in ein für einen Verbrennungsmotor konzipiertes Fahrzeug zu verpflanzen. So bleiben die Vorteile des Elektrantriebs völlig ungenutzt: Der Motor gehört in die Radnaben, die Batterie in den Fahrzeugboden oder in sonstige ungenutzte Ecken. Was für innovative Raumkonzepte ließen sich so realisieren?
seikor 08.12.2010
3. reichweite
die "bestenfalls 150km Reichweite" werden im Realbetrieb auf 70-90km zusammenschrumpfen. Dazu gibt es beim Mitsubishi-i-Miev schon Erfahrungswerte. Was ist an dem Golf so toll? Diese Reichweite haben französische Elektroautos schon seit den 90er Jahren...................... 2013? ich glaube es erst, wenn der Golf bei den Händlern steht.... man lese hier: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13491568.html Wieso die VW-ler dem GOlf keinen Range-Extender wie beim Ampera verliehen haben, ist mir ein Rätsel. DasVW gute Autos bauen kann und auch Elektroautos, haben sie ja mit dem City-Stromer schon vor Jahrzehnten bewiesen.
Hans Blafoo 08.12.2010
4. Blub
Zitat von seikordie "bestenfalls 150km Reichweite" werden im Realbetrieb auf 70-90km zusammenschrumpfen. Dazu gibt es beim Mitsubishi-i-Miev schon Erfahrungswerte. Was ist an dem Golf so toll? Diese Reichweite haben französische Elektroautos schon seit den 90er Jahren...................... 2013? ich glaube es erst, wenn der Golf bei den Händlern steht.... man lese hier: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13491568.html Wieso die VW-ler dem GOlf keinen Range-Extender wie beim Ampera verliehen haben, ist mir ein Rätsel. DasVW gute Autos bauen kann und auch Elektroautos, haben sie ja mit dem City-Stromer schon vor Jahrzehnten bewiesen.
Der Ampera/Volt benutzt seinen Verbrennungsmotor nicht nur als Range-Extender. Und fernab: Es geht bei diesem Golf um die Forschung an E-Fahrzeugen, nicht an Hybriden.
drtek 08.12.2010
5. Wieso erst in 3 Jahren...
...ganz einfach: Die Schmerzgrenze beim Spritpreis ist aktuell noch nicht erreicht! Wenn in 3 Jahren der Liter Diesel bei 2,10€ liegt lohnt sich ein E-Auto für VW erst richtig.
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