Der erste Eindruck: Golf bleibt Golf - da ist es fast egal, um welche Generation oder welche Spielart es sich handelt. Auch die Allradvariante 4-Motion des neuen Modells wirkt wie ein altbekanntes Auto, denn nur ein paar dezente Plaketten weisen auf die vier angetriebenen Räder hin. Manche nennen das "vertraut", andere halten es für "langweilig". Und irgendwie haben sie beide recht.
Das sagt der Hersteller: VW-Patriarch Ferdinand Piëch fasst die Vorzüge des Allrad-Golf so zusammen: "Mit diesem Auto glaubt jeder, dass er ein guter Fahrer ist." Das ist als Lob für die außergewöhnlich gute Traktion des Allradmodells gedacht. Mehr als Gasgeben und Lenken muss man praktisch nicht, um mit dem Auto ohne zu schlittern durch den Winter zu kommen. Denn den Rest erledigen Haldex-Kupplung und Elektronik.
Das ist uns aufgefallen: Auf winterlichen Straßen schlägt sich der Allrad-Golf tatsächlich gut. Anfahren an einer vereisten Steigung, knöcheltiefer Schneematsch oder eine flotte Kurvenfahrt auf geschlossener Schneedecke - so lange man nicht mutwillig aufs Gas latscht, macht das Auto genau das, was der Fahrer von ihm verlangt. Das nimmt den sogenannten winterlichen Straßenverhältnissen den Großteil ihrer Schrecken.
Der neue Golf 4-Motion macht sogar eine so gute Figur, dass nicht nur die allesamt auf Frontantrieb abonnierte Konkurrenz blass aussieht, sondern eigentlich stellt er mit seinem Auftritt auch Autos wie den VW Tiguan in Frage. Denn abgesehen von der höheren Bodenfreiheit, der etwas besseren Übersicht und dem minimal größeren Laderaum gibt es kein Argument mehr, das für den SUV spräche. Das gilt umso mehr, wenn Modelle wie der Cross Golf oder der Golf Plus auf den Markt kommen. Fazit: Wer einfach nur sicher durch die kalte Jahreszeit kommen will, muss deshalb kein SUV fahren.
Das muss man wissen: Die Verteilung der Kraft übernimmt die sogenannte Haldex-Kupplung, die VW mittlerweile in der fünften Generation verbaut. Deren Lamellen werden, mittels des Öldrucks einer Hydraulikkupplung, immer dann geschlossen, wenn der Fahrer besonders viel Drehmoment abruft oder die Straße glitschig wird. Im Normalfall fährt der 4-Motion jedoch wie jeder andere Golf auch als reiner Fronttriebler. Wie viel Motorkraft per Haldex-Kupplung zur Hinterachse geleitet wird, ist variabel. Der Anteil der Hinterräder an der Antriebsleistung steigt mit dem Druck auf die Kupplungslamellen und kann so von 0 bis 100 Prozent stufenlos reguliert werden.
Dass der Allradler ohne durchdrehende Räder anfährt und auch in Kurven mehr Spaß macht als der die Fronttriebler, liegt auch am elektronischen Sperrdifferenzial, das aus dem Golf GTI der vorangegangenen Generation übernommen wurde und in diesem Fall an beiden Achsen zum Einsatz kommt. Diese Sperrdifferenziale lenken nicht nur blitzschnell die Kraft um, sobald ein Rad durchdreht, sondern sie bremsen beim flotten Slalom auch die jeweils kurveninneren Räder leicht ab und helfen so, den Wagen präziser um die Kehre zu bringen.
In der Kompaktklasse ist der Golf eines der wenigen Modelle, das überhaupt mit Allradantrieb angeboten wird - und zwar schon seit mehr als 25 Jahren. Ford hat diese Technologie gar nicht im Programm und Opel hat die Entwicklung kurz vor der Serienreife wieder eingestellt. Auch die französischen und koreanischen Hersteller müssen bei der Frage nach einem Allradantrieb passen, und unter den japanischen Firmen hat allein Subaru ein entsprechendes Angebot. Daneben gibt es noch die VW-Konzernmodelle Skoda Octavia und Audi A3 sowie die Kompaktautos von BMW und demnächst auch von Mercedes, die mit allen Vieren aktiv sind.
Zunächst kombiniert VW den Allradantrieb ausschließlich mit Dieselmotoren, nämlich mit dem 1,6-Liter mit 105 PS und mit dem 2,0-Liter mit 150 PS. Letzter zeigte sich bei der ersten Testfahrt ziemlich aufgeweckt. Mit maximal 320 Nm Drehmoment beschleunigt er den Wagen in 8,6 Sekunden auf Tempo 100, hängt beim Zwischenspurt gut am Gas und schafft als Höchstgeschwindigkeit 211 km/h.
Der 4-Motion-Aufpreis liegt bei rund 1800 Euro, so dass es den 105 PS-Allradler ab 22.525 und die stärkere Variante mit der besseren Ausstattung ab 27.075 Euro gibt. Noch ein Preisvergleich: Das sind knapp 3000 Euro weniger, als ein vergleichbarer Tiguan mit Allradantrieb kostet.
Was noch für den Golf und gegen den SUV spricht, ist der Verbrauch. 4,7 Liter schluckt der Golf im Schnitt, 5,8 sind es beim ähnlich motorisierten (140 PS TDI) Tiguan. Im Übrigen ist der Allrad-Golf um gut einen halben Liter durstiger als die frontgetriebene Variante.
Das werden wir nicht vergessen: Dass merkwürdige Gefühl, im Auto besser über die vereiste Straße zu kommen als auf den eigenen Beinen. Denn da, wo der Allrad-Golf jetzt problemlos bergauf rollt, knallte der Fahrer kurz vor dem Einsteigen beinahe auf die Fahrbahn.
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