VW in den USA Der Krisenplan des Gernegroß

Deutsche Autobauer glänzen in den USA mit steigenden Verkaufszahlen. Einzige Ausnahme: die Marke VW. Der Chef für Amerika sucht die Rettung in kürzeren Modellzyklen - und könnte damit den Takt für den ganzen Konzern vorgeben.

Volkswagen

Die USA, das gelobte Autoland. Liefen die Geschäft für die deutschen Hersteller bereits 2013 hervorragend, sind die Absatzzahlen von Januar bis Juli 2014 noch mal deutlich gestiegen: Bei Audi um 13,3 Prozent, bei BMW um 11,7 Prozent, bei Mercedes um 8,8 Prozent und bei Porsche um 8,3 Prozent. Für eine Marke bleibt Amerika aber das Land der begrenzten Möglichkeiten.

Ausgerechnet VW, der größte Hersteller aus Germany, fährt im Rückwärtsgang. Im ersten Halbjahr 2014 sank der Absatz um 13,6 Prozent. Dabei verfolgt kein anderer Autobauer so ambitionierte Ziele in den USA wie die Wolfsburger: Bis 2018 sollen die US-Zulassungen auf 800.000 Fahrzeuge klettern. Dahinter steckt freilich der Plan, zum weltgrößten Autobauer aufzusteigen. Doch im vergangenen Jahr verkaufte VW 408.000 Fahrzeuge in den USA, in den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren es 209.697.

VW steckt, was das US-Geschäft betrifft, in einer Krise.

Die Gründe dafür sind hausgemacht, räumt Michael Horn, der neue US-Chef von Volkswagen, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE ein. Denn ausgerechnet in den wichtigsten Segmenten des amerikanischen Marktes sei VW gar nicht vertreten: Es fehlen ein großer Geländewagen und darunter ein zweites SUV-Modell, das aber immer noch größer und trotzdem billiger sein muss als der aktuelle Tiguan. Und das Auto müsste für die wichtige Zulassungskategorie "Truck" auch mit einer dritten Sitzreihe ausgerüstet werden können.

Der Plan: Mehr Verantwortung und kürzere Zyklen

Immerhin hat VW die Serienentwicklung der Studie Cross-Blue beschlossen und die Produktion des SUV ins US-Werk Chattanooga vergeben. Und vom nächsten Tiguan wird es mit Blick auf Amerika eine Langversion geben, bestätigt Horn. Das Problem: Der XL-Tiguan kommt erst 2016, die normale Version sogar noch ein Jahr später.

Dass die beiden Geländewagen nicht längst startklar sind, gilt als Versäumnis von Horns Vorgänger Jonathan Browning. Ein Grund, warum dieser zum Jahreswechsel seinen Posten räumen musste. Aber ein Teil der Schuld liegt auch in Wolfsburg, wo Ideen oft zu lange diskutiert werden.

Das will Horn jetzt ändern. Ein Teil der rund 900 Millionen Dollar, die in den Ausbau des Standortes Chattanooga investiert werden, fließt deshalb in ein neues Entwicklungszentrum. Während die Ingenieure vor Ort bislang nur kleine Anpassungen an Antrieb oder Ausstattung vornehmen durften, sollen sie jetzt das komplette Modell für den US-Markt entwickeln. "Dieses Prinzip macht uns in Europa und China erfolgreich, also machen wir das in Amerika jetzt genauso", sagt Horn. "Statt wie bislang nur ein paar Ideen nach Wolfsburg zu melden, kommen wir dann mit Vorschlägen, die komplett bewertet und durchgerechnet sind und vom 'Vorstandausschuss Produkt' nur noch abgesegnet werden müssen."

Horn will aber auch auf andere Weise mehr Tempo reinbringen. Sein Plan: Die erste Modellpflege soll künftig schon nach drei statt bislang nach vier Jahren stattfinden. Und nach zwei weiteren Jahren wird dann ein komplett neues Auto präsentiert. Dadurch sollen sie besser in den Leasing-Rhythmus passen, attraktiver werden, die Restwerte länger halten und zum Ende der Laufzeit mit geringeren Rabatten verkauft werden können.

Mit den schnelleren Modellzyklen könnte die US-Sparte von VW sogar Vorreiter im Konzern werden. Vorstandschef Martin Winterkorn gab schon im März zu bedenken, ob der aktuelle Rhythmus nicht verkürzt werden müsse, um mit der technischen Entwicklung und dem Geschmack der Kunden besser Schritt zu halten.

Der vernachlässigte Verkaufsschlager

Horns Agenda klingt zunächst erfolgversprechend. Aber schlussendlich kommt es nicht nur darauf an, wo und wie rasch ein Modell entwickelt wird. Sondern vor allem, welche Autos gebaut werden. Gerade in dieser Hinsicht hakt es immer noch bei VW in den USA. Beispiel Pick-up-Truck: Obwohl rund 2,5 Millionen Pritschenwagen pro Jahr in Amerika zugelassen werden und solche Modelle seit Jahrzehnten die Top 3 der amerikanischen Verkaufsstatistik belegen, hat VW in dieser Hinsicht nichts in Planung. "Für uns haben Pick-ups nicht die erste Priorität", sagt Horn. "Wir konzentrieren uns erst einmal auf unsere Kernkompetenzen: Limousinen und SUV."

Stattdessen soll wohl also noch ein dritter, kleinerer SUV das US-Angebot ergänzen und gegen die Importmodelle aus Korea antreten. Elegante Coupé-Ableger wie der CC oder das in China als Studie gezeigte New Midsize Coupé würden Horn ebenso gut ins Konzept passen wie Kombi- oder Cross-over-Typen im Stil des Passat Alltrack.

Der Manager weiß jedenfalls, dass man in Wolfsburg ganz genau auf die Entwicklung von VW in den USA achtet: "Im Guten wie im Schlechten genieße ich gerade volle Aufmerksamkeit", sagt er.



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ein-dummer-junge 20.09.2014
1. VW eine langweilige Kiste
Horn sagte : "größer und trotzdem billiger sein muss als der aktuelle Tiguan" auch das ist falsch: preiswerter auf jeden Fall aber nicht unbedingt groesser Kürzeren Modellzyklen macht den Kohl auch nicht fett, was ist das fuer ein Bloedsinn das ich im Juli 2014 schon das Model 2015 kaufen kann? Es wird nicht lange dauern da kann ich im Feb. das Model vom uebernaechsten Jahr kaufen ? VW sollte es mal mit HIRN versuchen, versucht doch einfach mal die Menschen zu befragen aber nicht mit langweiligen Fragebogen oder sie am telefon zu belaestigen.
crimesceneunit 20.09.2014
2. tja, miese Qualität eben...
bei meinem Passat CC, Neupreis 53.000,00 Euronen, ging auch ständig was hinüber. Nach 3 1/2 Jahren war die Standheizung defekt, musste ausgetauscht werden. danach das Kurvenfahrlicht und eine Blende über dem Kofferraumdeckel. vor 14 Tagen sprang die Karre dann plötzlich nicht mehr an und ich konnte über's Wochenende mit meinem Moped fahren. mir kommt nix mehr aus dem VW-Konzern ins Haus!...
wo_st 20.09.2014
3. VW ist manchmal absolut unbeweglich
Gibt man von einem neuen Modell seine technischen negativen Kommentare, werden maximal 30% verbessert. Der Rest wird einfach vergessen. Wenn man nach einiger Zeit ein gleiches neues Fahrzeug kauft, geht es auch hier so.
sitcomedy 20.09.2014
4. Ich wüsste auch nicht,
weshalb ich zum VW greifen sollte, von Arbeitsmarkt-Patriotismus einmal abgesehen. VIelleicht sollte der Konzern es nal mit Design versuchen... oder gleich SEAT in die Staaten liefern. Besser, als auch mit zu kurzen Zyklen in die Rückruf-Falle zu tappen.
udo88 20.09.2014
5. Das Problem von VW in den USA
ist das schlechte Image. Da können noch so viele neue Modelle präsentiert werden. In den Staaten beträgt die durchschnittliche Fahrleistung etwa 30 Tkm. Doppelt soviel wie in Deutschland. Und die Autos haben einfach keinen guten Ruf was Qualität und Zuverlässigkeit angeht. Ein amerikanischer Journalist stellt die Frage, auf die auch die VW-Manager gerne eine Antwort wüssten: "Warum werden Sie in Europa heute als Qualitäts-Ikone wahrgenommen; in den USA dagegen aber als - entschuldigen Sie meine Direktheit - Trash?" Quelle: Artikel in der SZ: http://www.sueddeutsche.de/auto/vw-in-den-usa-eine-lange-und-kurvige-strecke-1.1044400-2. Das Geschäftsmodell VW, Autos von mittelmässiger Qualität herzustellen die maximal einige Jahre halten, ideal also für Mietwagenfirmen und Leasingnehmer geht in den Staaten nicht auf. Autos die regelmässig von der Fachpresse als "Möhren des Jahres" gekürt werden wie VW Touran und vor kurzem VW Scirocco haben in den Staaten ganz einfach schlechte Karten.
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