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VW in den USA: Das Land der ungenutzten Möglichkeiten

Aus Detroit berichtet

VW in den USA: Diese Modelle sollen Amerika erobern Fotos
Tom Grünweg

VW will unbedingt der größte Autohersteller der Welt werden. Doch es gibt da ein Problem: Auf dem wichtigen US-Markt sind die Verkaufszahlen eingebrochen. Jetzt sollen ein Wechsel in der Chefetage und Milliardeninvestitionen für den Aufschwung sorgen.

Detroit - Wenn deutsche Autobosse in diesen Tagen auf der Autoshow in Detroit übers USA-Geschäft reden, bekommen sie leuchtende Augen. Alle? Nicht ganz. Ausgerechnet der sonst so erfolgsverwöhnte VW-Chef Martin Winterkorn muss in Übersee einen herben Rückschlag verkraften. Als einziger großer Hersteller blieb VW mit insgesamt 407.704 verkauften Exemplaren um knapp sieben Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Allein im Dezember brach die Nachfrage um 23 Prozent ein. Mercedes, BMW, Audi und Porsche legten dagegen zwischen 8 und 20 Prozent zu.

Das schmerzt. "Amerika ist ein zentraler Meilenstein auf unserem Weg zum größten Automobilhersteller der Welt", betonen die Wolfsburger immer wieder. Folgerichtig bleibt das Ziel wohl unerreichbar, sollte VW weiterhin kein Erfolgsrezept für die USA finden.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Nachdem VW endlich begriffen hatte, dass man in Philadelphia andere Autos anbieten muss als in Paderborn, baute der Hersteller ab 2011 für die US-Kunden im neuen Werk in Chattanooga einen speziellen US-Passat. Prompt verzehnfachte sich der Absatz der Limousine im ersten Verkaufsmonat. Überhaupt konnte VW die Gesamtzulassungen in den USA binnen drei Jahren verdoppeln.

Ein neuer Chef mit "persönlichem Traumjob"

Das Problem: Nach dem Höhenflug stürzte die ebenso große wie preiswerte Limousine, die umgerechnet etwa 10.000 Euro weniger kostet als der Passat in Deutschland, sogleich wieder ab. Der Misserfolg des vergangenen Jahres kostete Jonathan Browning, der seit Oktober 2010 Präsident von Volkswagen of America war, nun den Job.

Seit dem 1. Januar ist Michael Horn, 51, sein Nachfolger. Der macht bei seinem ersten Auftritt in Detroit gute Miene zu bösen Zahlen. Nach mehr als 20 Jahren im VW-Konzern habe er jetzt "seinen ganz persönlichen Traumjob", sagt er tapfer.

Während der neue USA-Verantwortliche mit Blick auf die Hundert-Tage-Karenzzeit noch nicht viel zu seiner Strategie erläutern möchte, sind die Vorstände aus Wolfsburg ziemlich beredt - und natürlich berufsmäßig optimistisch. Winterkorn räumt ein, dass es "kein Spaziergang" werde, hält aber an den Vorgaben fest: "Das Ziel steht. Bis 2018 will die Volkswagen Group of America in den USA eine Million Volkswagen und Audi pro Jahr verkaufen." Um Taten folgen zu lassen, will der VW-Konzern in den nächsten fünf Jahren mehr als sieben Milliarden Dollar in Nordamerika investieren.

Öfter mal was Neues

Ein Großteil des Geldes darf Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer ausgeben, der den Grund für die aktuelle Misere so beschreibt: "Amerikanische Kunden haben ein anderes Verhältnis zum Zyklus einzelner Modelle als Europäer." Während es in Europa reiche, ein Auto nach drei, vier Jahren einmal gründlich zu überarbeiten und dann nach insgesamt sieben Jahren komplett zu erneuern, müsse man solche Impulse in den USA häufiger setzen. "Das müssen nicht immer tiefgreifende Änderungen sein. Aber neue Ausstattungsvarianten und neue Farben können eine Baureihe interessant halten", sagt Neußer.

Dies werde VW künftig intensiver nutzen, erklärt der Entwicklungsvorstand und zeigt auf der Messe gleich zwei ganz unterschiedliche Belege dafür. Zum einen die Blue-Motion-Version des US-Passat mit 1,4-Liter-Motor und Zylinderabschaltung, die auf einen Verbrauch von 42 Miles per Gallon (5,6 Liter/100 km) kommt. Neußer ist überzeugt, dass die Amerikaner auch bei vergleichsweise niedrigen Spritpreisen auf den Verbrauch achten. Zum anderen die Studie Beetle Dune, die auf den ersten Blick wie ein komplett neues Modell aussieht. Dabei wurde der Beetle einfach nur um ein paar Zentimeter aufgebockt, mit wuchtigen Anbauteilen versehen und poppiger lackiert. "Wenn dieses Konzept ankommt", sagt Neußer, "können wir es in wenigen Monaten umsetzen."

Noch ein explizit amerikanisches Modell

Die VW-Leute wissen natürlich, dass ein sparsamer Passat und ein Beetle im SUV-Look kaum reichen werden, um das Ruder herumzureißen. Deshalb planen die Niedersachsen ein weiteres Modell, das speziell auf die Wünsche der amerikanischen Kundschaft zugeschnitten ist: das viel beschworene Mid-Size-SUV - ein Geländewagen, der größer wird als ein Touareg, aber deutlich weniger kosten soll.

Als Vorlage für den mehr als fünf Meter langen Siebensitzer dient die Studie Cross-Blue. "Wir haben die Serienentwicklung gestartet", sagt Neußer. Doch wie so oft dauert es bei VW ein bisschen länger, denn die Pläne für das Auto reichen schon mindestens zwei Jahre zurück und auf den Markt kommt es nicht vor 2016.

Mehr Modelle, kürzere Zyklen, ein Mid-Size-SUV - reicht das für VW, um die hochgesteckten Ziele in den USA zu erreichen? Neußer deutet an, dass eventuell nachgelegt werden müsse. "Wenn der Geländewagen auf dem Markt ist, werden wir uns sicher nicht entspannt zurücklehnen. Bis zum Stichtag ist auch dann ja noch ein bisschen Zeit."

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insgesamt 53 Beiträge
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1. Aerodynamik?
Leo Tolstoi 16.01.2014
---Zitat--- Ski auf dem Heckträger, im Sommer dann wohl eher ein Surfbrett - so stellen sich die VW-Strategen den Einsatz des Beetle Dune beispielhaft vor. ---Zitatende--- Gibt es schon Schätzungen über den Verbrauch für die "Sommerkonfiguration"?
2. Trucks
Sabi 16.01.2014
Trucks und Pickups sind die meistverkauften Fahrzeugein den Staaten. Und nach den Amis sind die Japaner Toyota, Honda, Nissan & co. und jetzt sogar dieKoreaner Hyundai/Kia große Produzenten mit 5-MeterAutos und mit 300 PS zu Preisen unter 30.000 $.Wenn VW mitreden will, müssen sie wie Daimler undBMW mehr große Autos bauen, weil die Amis nach diesen verrückt sind !
3. Laaaangweilig
ctwalt 16.01.2014
und genau das ist das Problem vieler VW! Unidesign, innen und aussen. Regler, Displays, Griffe, Hebel, IMMER das Gleiche. Problematisch natürlich bei sämtlichen Herstellern aber eben ganz besonders bei VW. Das DSG Problem ist natürlich eine ganz andere Geschichte aber in den USA eben niht so leicht unter den Teppich zu kehren!
4.
heiniha 16.01.2014
Wenn VW mehr Autos verkaufen will, sollten sie sich zuerst um die Qualität und Zuverlässigkeit der Fahrzeuge kümmern. Wers nicht glaubt: einfach mal "reliability VW" googeln.
5. Totaler Unsinn
slartibartfass2 16.01.2014
VW sollte um die USA schlicht einen Bogen machen. Um tatsächlich (noch) mehr autos zu verkaufen, sollten sie sich (noch mehr) um China kümmern. Die Amis kaufen lieber ihre (ja großen aber) klapprigen Chevrolets, als vernünftige autos. Wenn aber die absehbare Fracking-Blase in den USA geplatzt ist, und damit die Benzinpreise wieder anziehen, werden sich diese sich auch wieder kleinere Autos kaufen (müssen). VW ist in den USA in den letzten Jahrzehnten schön häufiger eine blutige Nase geholt, da sie den Geschmack der Amis nicht getroffen haben...
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