Dieselmodelle Volkswagen gibt Abgasmanipulation in den USA zu

Es ist ein Desaster für Volkswagen: Der Konzern hat zugegeben, dass in den USA die Abgasmessung bei seinen Dieselautos gefälscht wurde. Unternehmenschef Winterkorn kündigte eine externe Untersuchung an.

VW-Chef Winterkorn:"Wir haben das Vertrauen unserer Kunden enttäuscht"
REUTERS

VW-Chef Winterkorn:"Wir haben das Vertrauen unserer Kunden enttäuscht"


Der VW-Konzern hat massive Abgasmanipulationen an ihren Dieselmodellen in den USA eingeräumt. Die US-Umweltschutzbehörde EPA hatte am Freitag die Vorwürfe erhoben. Ein Firmensprecher sagte: "Wir haben das gegenüber der Behörde eingeräumt. Der Sachverhalt trifft zu. Wir arbeiten aktiv mit der Behörde zusammen."

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kündigte eine umfassende Aufklärung des Abgasskandals an. "Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben", teilte Winterkorn in Wolfsburg mit. "Die Geschehnisse haben für uns im Vorstand und für mich ganz persönlich höchste Priorität."

VW habe eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben. "Klar ist: Volkswagen duldet keine Regel- oder Gesetzesverstöße jedweder Art", sagte Winterkorn. Volkswagen werde alles daran setzen, Vertrauen wiederzugewinnen. "Wir arbeiten mit den zuständigen Behörden offen und umfassend zusammen, um den Sachverhalt schnell und transparent vollumfänglich zu klären", sagte der Konzernchef.

Software erkannte Tests und reagierte darauf

Die Epa verdächtigt VW, bei zahlreichen Dieselfahrzeugen die Abgasvorschriften vorsätzlich umgangen zu haben. Es geht demnach um fast eine halbe Million Autos. Für den Konzern könnte dies nach Angaben der Behörde eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar nach sich ziehen.

"Einfach gesagt, diese Autos hatten ein Programm, das die Abgasbegrenzung beim normalen Fahren ausschaltet und bei Abgastests anschaltet", sagte EPA-Vertreterin Cynthia Giles. Laut Epa erkennt eine "hochentwickelte Software" von Volkswagen, ob Autos behördlichen Tests unterzogen würden oder im Normalbetrieb unterwegs seien. Die Epa nennt sie "Defeat Device", Abschalteinrichtung.

Auch Tests in Europa manipuliert?

Autoexperte Stefan Bratzel ist wie andere Fachleute entsetzt. "Das ist ein Bärendienst für die ganze deutsche Dieseltechnologie", sagt er. Hierdurch würde das Image von Dieselautos - in den USA ohnehin in einer Nische - schwer beschädigt. Auch BMW und Daimler seien dadurch indirekt betroffen. "Man versucht seit Jahren, die Dieseltechnologie zu etablieren in den USA - und jetzt das", sagt der Professor von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

Die Grünen wollen wissen, ob solche Manipulationen auch in Deutschland stattfänden. "Die Aufklärung werden wir mit Nachdruck im Bundestag einfordern und auch schauen, ob deutsche Behörden bei diesen illegalen Aktivitäten durch aktives Wegschauen geholfen haben", sagte die Vorsitzende des Umweltausschusses, Bärbel Höhn. "Bei einer so umfassende Softwaremogelei müsste das eigentlich mit dem Wissen der Führung in Wolfsburg passiert sein. Alles andere würde mich wundern." Es müsse zudem geklärt werden, ob es ähnliche Fälle auch bei anderen Herstellern gebe.

Der Chef des Konkurrenten Daimler, Dieter Zetsche, sagte, er gehe davon aus, dass sein Unternehmen die Gesetze "sowohl dem Buchstaben nach als auch dem Sinne nach" eingehalten habe. Er bedauere natürlich, was Volkswagen in den USA gerade erlebe, sagte der Daimler-Chef. "Ich habe eine grobe Vorstellung, worum es geht und dass das auf uns nicht zutrifft, nicht übertragbar ist." Allerdings sei es viel zu früh, um eine finale Aussage zu machen.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer forderte, nun auch Abgastests in Europa zu untersuchen. "Sicherlich müssen jetzt auch die EU-Kommission und das Bundesverkehrsministerium den Dingen nachgehen und klären, inwieweit diese Software auch in Europa und Deutschland eingesetzt wurde und falsche Abgaswerte vorgaukelt", sagte Dudenhöffer den Zeitungen der "Berliner Morgenpost".

Die wichtigsten Fragen und Antworten finden Sie im Überblick hier.

abl/dpa/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 703 Beiträge
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Seite 1
jujo 20.09.2015
1. ...
Da werden wohl ein paar Planstellen frei. Wenn es dumm läuft ohne Abfindung. Oder Topleute müssen gehen wenn es von oben Vorgaben gab zu betrügen!
wolltsnursagen 20.09.2015
2. Wie dämlich
Das zuzugeben. Nach Jahrzehnten Lobbyarbeit, Klüngelei und Schmiererei müsste doch gelernt sein wie man mit so einer Situation umgeht. Weiterlügen, Schuld auf ein paar Sündenböcke schieben und genauso weitermachen. Klappt doch überall, Rüstungsindustrie, Pharmaindustrie. Seltsame Entscheidung da offen und ehrlich damit umzugehen, kommt mir so vor als ob wie vor 100 Jahren zurückversetzt wären. Da haben mündliche Zusagen und Verträge per Handschlag und Händler Ehre noch gegolten. Aber jetzt? Nee also wenn konsequent dann doch bitte auch so wie es alle machen.
ludna 20.09.2015
3. Nicht wie in D oder der EU
hier kann VW gegen Regwln verstossen, wie es will, die Strafen, wenn es welche gibt, sind laecherlich. In den USA verstehen die Behoerden und Gerichte in solchen Faellen dagegen keinen Spass.
blaustein1 20.09.2015
4.
was ist mit den falschen Verbrauchswerten?
sappelkopp 20.09.2015
5. Lol...
...wie kann man nur so dumm sein? Dass wird das Ende vom VW Konzern sein. Diese Strafe können auch die Wolfsburger nicht schultern!
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