VW Race Touareg: Wüstenrenner im Schnee

Von Tom Grünweg

Das Revier des VW Race Touareg ist die Wüste. Doch bevor der Allrad-Renner am 1. Januar in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires zur Rallye Dakar startet, musste er sich noch einmal bei Tests im sachsen-anhaltischen Schneegestöber bewähren. SPIEGEL ONLINE war dabei.

VW Race Touareg: Schneewalzer mit 310 PS Fotos

Zu sehen sind nur ein paar schmutzig-weiße Hügel, durch die Luft aber dröhnt ein gewaltiges Brüllen. Dann spritzen Schneewolken auf und aus dem weißen Schleier schießt sich die blaue Silhouette eines Autos, das normalerweise nicht in der Magdeburger Börde anzutreffen ist. Hier testet die Motorsportabteilung von VW zum letzten Mal den neuen Race Touareg. Er startet bei der legendären Rallye Dakar (1. bis 16. Januar) und soll dort einmal mehr triumphieren. Die Niedersachsen haben seit der Verlegung der Rallye nach Südamerika bereits in den beiden Vorjahren gewonnen.

Das Auto hat mit dem Serienmodell nicht mehr viel gemein. Für jeweils rund 1,5 Millionen Euro in Hannover in Handarbeit gebaut, nutzten die insgesamt vier Race Touareg fast durchweg Spezialtechnik, die für das Rennen angefertigt wurde: von der nur 50 Kilogramm schweren Kohlefaser-Karosse und dem Kompressor zum Verändern des Reifendrucks über den für jeden Piloten individuell gefertigten Rennsitz und das Rallye-Fahrwerk mit 25 Zentimeter langen Federwegen bis hin zu den Hydraulikstempeln, mit denen sich der Wagen auf Knopfdruck selbst aufbockt.

Fotostrecke

9  Bilder
VW Touareg Hybrid: Sparen auf Sparflamme
So werde der Reifenwechsel zum Kinderspiel, sagt Mechaniker Martin Hassenpflug und zeigt die beiden Ersatzräder, die direkt hinter den Sitzen verzurrt sind. Ein paar wenige Bauteile aus der Großserie gibt es doch. Hassenpflug: "Das VW-Emblem am Kühlergrill und die Schalter für Blinker und Scheibenwischer."

Die beiden vertrauten Hebel reichen aber längst nicht aus, um das befremdliche Gefühl zu vertreiben, das einen nach dem Einsteigen beschleicht. Selbst mit dem kleinen Podest, das die Mechaniker unter die Tür gestellt haben, ist schon das Einstiegen eine Kletterpartie. Drinnen dann empfängt einen ein mannshohes Cockpit und kaum mehr als eine Schießscharte von Frontscheibe; über dem Kopf befindet sich der stählerne Schutzkäfig und direkt hinter den Sitzen die Rückwand - viel Platz haben Fahrer und Co-Pilot auf den 9000 Kilometern Rennabenteuer nicht.

Dafür haben sie eine leistungsfähige Klimaanlage und imposante Armaturen. Dutzende von Anzeigen für Temperatur und Druck müssen überwacht werden, fast alle Parameter können mit einem Schalter eingestellt werden - von der Höchstgeschwindigkeit in Zonen mit Tempolimits bis hin zu den Kraftstoffpumpen oder dem Reifendruck. Das gute alte Rallye-Roadbook hat übrigens ausgedient. Die Streckenhinweise sieht der Co-Pilot auf einem Bildschirm.

Ein Reihenfünfzylinder-Dieselmotor mit mehr als 600 Nm

Hat man den Starterknopf endlich gefunden, wird es richtig laut. Der 2,5-Liter-Reihenfünfzylinder kommt auf 310 PS und "mehr als" 600 Nm. Genauer wollen es die VW-Leute nicht beziffern. Auch der Verbrauch bleibt geheim. Sicher ist: Mit 7,4 Litern wie das Serienmodell wird der Race Touareg nicht zufrieden sein - schließlich ist ein 300-Liter-Tank an Bord.

Das Reglement erlaubt maximal 1788 Kilo Gewicht, der Motor hat also leichtes Spiel. Während man am langen Hebel der sequentiellen Schaltung die Gänge förmlich ins Getriebe prügelt, wühlt sich der Wüstenrenner durch die Winter-Wunderwelt. Obwohl die Räder trotz Allradantrieb und Stollenprofil kaum Halt finden, stürmt der Touareg davon wie der Yeti auf der Flucht vor Reinold Messner. "Auf festem Untergrund beschleunigt das Auto in 5,9 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht bei Vollgas bis zu 190 km/h", sagt US-Rennfahrer Mark Miller, der bei der SPIEGEL-ONLINE-Fahrt als Instruktor mit dabei ist.

Heute jedoch geht es nicht um Vollgas. Beim ersten Mal fährt man als Novize recht unbeholfen, so wild und ungestüm reagiert der Race Touareg auf Gasbefehle. Und schon kleine Bewegungen am Lenkrad können auf dieser eisigen Buckelpiste über Wohl und Wehe entscheiden. Es wäre nicht nur gefährlich und teuer, sondern vor allem peinlich, würde man den Rennwagen jetzt demolieren.

Als Rennfahrer Miller loslegt, wird das Potenzial des Autos deutlich

Was wirklich in dem Auto steckt, lässt sich erst erahnen, sobald Miller hinterm Steuer sitzt. Schon auf dem Parkplatz dreht er ein halbes und bricht dann mit Vollgas durch die winterliche Kiesgrube. Mannshohe Bodenwellen nimmt er, ohne mit der Wimper zu zucken. Kurven fährt er am liebsten quer, und nach jedem Hügel ist der Wagen so lange in der Luft, dass Miller eigentlich auch einen Pilotenschein bräuchte.

Der behelmte Kopf kracht immer wieder gegen den Sicherheitskäfig, und mit jedem Satz rutscht man tiefer in die engen Schalensitze. Ließen sich die Hosenträgergurte beim Start kaum schließen, schleckern sie nach einer Runde mit Miller am Körper und müssen straffer gezogen werden. Ob sich der Race-Touareg anders fährt als das Serienmodell? "Eigentlich nicht", sagt PS-Profi Miller, "schließlich haben beide Allradantrieb." Detaillierter weiß er es allerdings nicht, denn er wechselt das Auto kaum. Warum auch? Der Race Touareg hat schließlich eine Straßenzulassung.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Das ist noch echter Männersport aus den 70ern
README.TXT 14.12.2010
Ralleys im Gelände oder auf richtigen Strassen. Wenn ich heute solche Artikel lese, komme ich mir sofort vor wie in einer Zeitmaschine. Damals in den 70ern, da haben wir die Autos als Modelle von Rewell, ,... nachgebaut, Michel Vaillant gelesen, später mit dem Mofa sind wir durchs Geläde gebrettert und noch später hatten wir ne Motocrosskarre (Yamaha), nen Jeep oder was man dafür hielt (Suzuki - LOL). Heute hocken die Kids vor der Spielkonsole und machen 'schwule' Trendsportarten, ausgeheckt von Marketing- und Trendscoutdeppen, dabei wird ihnen noch eingeredet, dass das alle böse böse ist und sie glauben das auch noch und laufen mit eingeklemmten Schwanz davon. Die sind doch dauerhaft geschädigt vor lauter political correctness.
2. Blub
Hans Blafoo 14.12.2010
Das find ich mal echt beeindruckend! Was da in so einem Race Touareg an cleveren und für die Rallye sicherlich nützlichen Funktionen steckt, ist echt bemerkenswert. Vor allem eine Karroserie die nur 50 kg wiegt ist einfach unglaublich. Natürlich wird aber so ein Stahlkäfig auch sein Gewicht beitragen, sodass die Karrosserie am Ende wirklich nur Verkleidung denn tragende Konstruktion ist. ;) Trotzdem glaube ich, dass es echt ein Knochenjob ist und ein absolutes Höchstmaß an Konzentration erfordert, so eine Rallye trotz aller technischen Finessen zu bestreiten. Auf jeden Fall fand ich den Artikel klasse. Das ist mal etwas anderes als jede Woche irgendein anderes Auto zu testen. :)
3. immer das gleiche, gähn
ky3 14.12.2010
Immer dasselbe die Autofirmen bauen Geländegängige Panzer für muskelarme Büro-Heinis die dann damit von der Garage zum Bäcker fahren. Aber wehe die Bordsteine sind zu hoch oder ein kleiner Kratzer kommt an die Tür gleich wird zum Anwalt gegriffen. Was sollen die langweiligen Affenställe auf Rädern, sind sie nur zum Sprit-Verbrennen und Klima schädigen da? Mich nervt diese innovationsarme Autoindustrie.
4. nerv
diekutte 14.12.2010
Zitat von ky3Immer dasselbe die Autofirmen bauen Geländegängige Panzer für muskelarme Büro-Heinis die dann damit von der Garage zum Bäcker fahren. Aber wehe die Bordsteine sind zu hoch oder ein kleiner Kratzer kommt an die Tür gleich wird zum Anwalt gegriffen. Was sollen die langweiligen Affenställe auf Rädern, sind sie nur zum Sprit-Verbrennen und Klima schädigen da? Mich nervt diese innovationsarme Autoindustrie.
Seltsam, mich nerven Menschen wie Sie, die völlig sinnfreie und am Thema vorbeigehende Postings mit reiner Phrasendrescherei abgeben.... Klimaschädigung, innovationsarm, muskelarme Büroheinis, BLA BLA BLA! Wenn sich so Ömmes wenigstens mal was neues einfallen lassen würden, aber dazu reicht der Horizont wohl nicht.... Ansonsten: schöner Artikel, faszinierende Fahrzeuge. Freu mich wie Bolle auf die Dakar (wie jedes Jahr...). Mach et, Wolfsburg, auf ein neues und holt das Triple!!!
5. Nunja
rainer_d 14.12.2010
der Preis (1.5 Mio) wird uns davor bewahren, mit allzuvielen dieser "Geräte" im öffentlichen Strassenverkehr Bekanntschaft zu machen. Wer damit vor den Cafe seine Runden dreht, dem ist Aufmerksamkeit jedenfalls gewiss. Wahrscheinlich würde mich schon die Vollkasko von dem Teil umbringen...natürlich falls sich überhaupt jemand findet, der es versichert.
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Fahrzeugschein

VW Race Touraeg RT3

Hersteller: VW

Karosserie: Geländewagen

Motor: Reihenfünfzylinder-Diesel.

Hubraum: 2500 ccm

Leistung: 310 PS/ 228 kW

Drehmoment: >610 Nm

Getriebe: sequentielles Fünfgang-Getriebe

Antrieb: Allrad

Von 0 auf 100: 5,9 Sek.

Vmax: 190 km/h

Preis: zirka 1,5 Mio. Euro



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