VW-Skandal Dobrindt will Prüfung der Abgaswerte neu ordnen

Das Verkehrsministerium hat Konsequenzen aus dem VW-Skandal gezogen. Künftig sollen strengere Vorschriften in Bezug auf die Prüfdienste herrschen und staatliche Kontrollen durchgeführt werden. An der Rolle des KBA wird nicht gerüttelt.

Pkw-Prüfstand: Dobrindt will nachmessen lassen
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Pkw-Prüfstand: Dobrindt will nachmessen lassen


Das Bundesverkehrsministerium nimmt als Konsequenz aus dem VW-Skandal mehrere Neuregelungen bei Abgasmessungen in den Blick. Wie ein Sprecher in Berlin mitteilte, sollen Technische Prüfdienste wie Dekra oder TÜV, die für die Hersteller tätig sind, sich künftig in einer Rotation abwechseln. Die VW-Untersuchungskommission des Ministeriums schlage zudem vor, staatliche Prüfstände für Emissionsnachmessungen aufzubauen. Derzeit verfügen die Behörden nicht über dazu benötigte Anlagen.

Hersteller sollen dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) außerdem künftig die Motorsoftware offenlegen. Eine entsprechende Direktive der EU liegt Deutschland zwar seit Jahren vor, doch bislang konnte die Lobby der Hersteller diese Transparenz verhindern.

Nicht geplant sei dagegen, bei der Zulassung neuer Fahrzeugtypen - die beim KBA liegt - Kompetenzen an das Umweltbundesamt (UBA) abzugeben. Über diese Nachricht dürften sich die Hersteller freuen - denn anders als das KBA, dem im Zuge des VW-Abgasskandals ein zu lasche Haltung gegenüber der Industrie vorgeworfen wurde, hätte sie beim UBA wohl strengere Kontrollen erwartet. UBA-Chefin Maria Krautzberger lehrte die Hersteller das Fürchten, als sie sich für ein Verbot von alten Dieselautos in Städten starkmachte.

Die Entscheidung der VW-Untersuchungskommission, die Kompetenzen des KBA nicht anzutasten, ist allerdings nicht überraschend: Schließlich sitzen in dem Gremium vier Vertreter des KBA. Drei weitere kommen aus dem Verkehrsministerium, einziges unabhängiges Mitglied ist ein Professor von der Technischen Universität München. Dieser hat in der Vergangenheit aber für die Fahrzeugindustrie gearbeitet.

VW-Rückrufpläne sind noch nicht abgesegnet

Was den Umgang mit VW angeht, hat das KBA nach eigener Auskunft noch keine endgültige Zustimmung zum Rückrufplan des Wolfsburger Herstellers gegeben. "Wir erwarten noch den Eingang der Freigabe des KBA zum Start der Aktion für den Amarok", teilte ein VW-Sprecher am Montag auf Anfrage mit. Erst dann könne die Aktion anlaufen. Vonseiten des KBA hieß es, die von VW vorgestellten Pläne seien positiv aufgenommen worden, würden derzeit aber noch im Detail geprüft werden.

Volkswagen will ab Ende der kommenden Woche zuerst die Pick-up-Trucks vom Typ Amarok mit dem 2,0-Liter-Dieselmotor in Abgasnorm Euro-5 in der Werkstatt umrüsten. Dafür müsste das Unternehmen allerdings in den kommenden Tagen die Freigabe vom KBA bekommen.

Volkswagen hat im Dieselmotor EA189 in Euro-5-Norm eine illegale Software eingebaut, die die Stickoxidwerte bei Tests auf dem Prüfstand drückt. Weltwelt sind rund elf Millionen Diesel aus dem Konzern betroffen, auch bei Audi, Seat, Skoda und den leichten VW-Nutzfahrzeugen. In Deutschland geht es um 2,4 Millionen Wagen.

cst/dpa

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