Nissan Juke, Ford Eco-Sport, Skoda Yeti, Mini Countryman, Opel Mokka - kleine Geländewagen sind groß im Kommen. Nun hat auch VW diesen Trend erkannt und reagiert mit einem ganz ähnlichen Fahrzeugmodell. Auf der gegenwärtig stattfindenden Automesse im brasilianischen São Paulo enthüllten die Niedersachsen einen Schrumpf-SUV namens Taigun. Das Auto mit den auffälligen ausgestellten Radkästen, die Geländegängigkeit signalisieren sollen, ist allerdings noch eine Studie. Dass aus dem Showcar ein Serienmodell wird, erscheint jedoch nahezu zwangsläufig. Denn kleine SUV-Modelle gelten weltweit als Typen, die sich immer besser verkaufen lassen.
Wie der Kleinwagen Up gehört auch die Studie Taigun zur sogenannten New Small Family von VW, basiert also auf der gleichen Technik und bietet ebenso lediglich vier Sitzplätze. Das Design wiederum ist völlig eigenständig und orientiert sich eher an den größeren VW-SUV Tiguan und Touareg. Allerdings ist der Taigun deutlich kürzer. Die Platzverhältnisse im Innenraum sollen laut VW dennoch ordentlich sein, der Radstand misst 2,47 Meter (VW Tiguan: 2,76 Meter), der Kofferraum fasst 280 Liter. Außerdem kann die Rücksitzlehne umgeklappt werden, so dass das Stauvolumen auf 980 Liter steigt. Die Heckklappe ist übrigens horizontal zweigeteilt.
Unter der Haube des etwas klobig gestylten Autos, dessen vorherrschendes Designelement das Rechteck ist, sitzt ein weiterentwickelter Dreizylindermotor aus dem Up. Die Ein-Liter-Maschine mit Turbolader entwickelt eine Leistung von 110 PS und ein maximales Drehmoment von 175 Nm. Bei der knapp 1000 Kilogramm schweren SUV-Studie soll das für ein Spitzentempo von 186 km/h reichen. Als Durchschnittsverbrauch für den Taigun nennt VW einen Wert von 4,7 Liter je 100 Kilometer.
Allradantrieb ist für den Taigun nicht vorgesehen
Optisch macht der Taigun auf Naturbursche. Die Bodenfreiheit ist erhöht, es gibt einen Unterfahrschutz an Front und Heck und eine schwarze Plastikbeplankung ringsum. Aber für einen waschechten Geländewagen fehlt ein wichtiges Merkmal: der Allradantrieb. Der Kleine tut also nur so, als sei er ein Offroader. Das ist jedoch nicht weiter schlimm - denn im Autoalltag werden Mini-SUV dieser Art so gut wie nie abseits einer befestigten Straße bewegt.
Offiziell ist der Taigun nur ein Designmodell. Aber VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg macht keinen Hehl daraus, dass die Marke noch mindestens zwei neue SUV-Modelle braucht: eines oberhalb des Tiguan, etwa auf Basis des amerikanischen Passat-Modells - und eines darunter. "Und wir wären gut beraten, diese Zulassungen nicht der Konkurrenz zu überlassen", sagt Hackenberg.
Das hat bei VW allerdings Tradition. Zum Beispiel beim Touareg: Das große SUV-Modell erschien 2002 und damit fünf Jahre nach der Mercedes M-Klasse. Und der Tiguan kam 2007 auf den Markt, vier Jahre nach dem ähnlich konzipierten BMW X3.
Allerdings hat VW mit dem verzögerten Markteintritt auch durchaus gute Erfahrungen gemacht. Der Tiguan etwa ist heute mit weitem Abstand der meistverkaufte SUV in Deutschland. Ob auch der etwa einen halben Meter kürzere Taigun gebaut wird, sei jedoch noch nicht endgültig entschieden, räumt Vorstandsmitglied Hackenberg ein. Sollte es tatsächlich grünes Licht für eine Serienfertigung geben, werde es noch mindestens zwei Jahre dauern, bis dieser SUV auf die Straßen kommt.
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