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14. Februar 2013, 09:13 Uhr

Soundsystem-Bulli auf Schneeraupen

Hier fährt die Musik!

Was passiert, wenn man einen alten VW T1, eine Pistenraupe aus den Sechzigern und fettes DJ-Equipment zusammenschraubt? Zwei Österreicher haben es ausprobiert - herausgekommen ist ein Bulli mit "richtig Bumms".

"Wir wollen ein Fahrzeug für Winter-Events, das auffällt." Das war der Auftrag zweier Firmen aus der Mobilfunkbranche an Bernd Berger und seine Firma BB-Promotion im österreichischen Rust. "Wir haben dann überlegt, in Anlehnung an den Pistenbully der Firma Kässbohrer einen Pistenbulli mit 'i' am Ende zu bauen", sagt Berger. Und so geschah es: Ein VW T1 Bus, also der legendäre Bulli, wurde komplett entkernt und auf den Unterbau eines Bombardier B01 Spurgeräts aus den sechziger Jahren gepflanzt.

Weil die ursprünglichen Auftraggeber bald die Lust an dem Projekt verloren, werkelten Berger und seine Mitarbeiter auf eigene Faust weiter an dem exklusiven Fahrzeug. "Immer wenn wieder etwas Geld und Zeit übrig war, wurde es in den Pistenbulli gesteckt", sagt Berger. Nach vier Jahren Arbeit und Auslagen von rund 60.000 Euro war das "super stylische Pistengerät" fertig.

Vom T1 blieb praktisch nur die Hülle übrig. Zugunsten der Stabilität wurden die Vordertüren zugeschweißt, einziger Zugang zum Fahrzeug sind die Flügeltüren an der rechten Seite. Der Antrieb der Ketten erfolgt über einen Ford V4-Motor mit 70 PS, gelenkt wird über Scheibenbremsen an den Kettenrädern. Das Dach wurde auf der gesamten Länge ausgeschnitten und durch ein Hubdach aus Kunststoff ersetzt. Darunter spielt die Musik: An Bord ist eine Musikanlage mit 1000-Watt-Basslautsprechern, 300-Watt-Hochtönern, Fünfkanal-Mischpult, zwei Plattenspielern und allem anderen, was man sonst als DJ so braucht. Die Stromversorgung der Anlage wird über einen Honda-Generator sichergestellt.

Seit einiger Zeit nun tourt der Pistenbulli umher. Im Schnee beispielsweise auf Werbeveranstaltungen der Firma Bacardi oder bei etlichen Skirennen, um dort für Stimmung am Rand der Piste zu sorgen. Und im Sommer beschallte das DJ-Kettenmobil im Auftrag des österreichischen Automobilclubs ÖAMTC Badegäste an der türkischen Riviera ebenso wie in heimischen Freibädern.

Berger vermietet das coole Gerät zum Tagessatz von 500 Euro. Allerdings kommen da noch die Personal- und Transportkosten dazu, so dass man pro Tag "schon mit rund 2000 Euro rechnen muss", wie er sagt. Denn es ist gar nicht so einfach, das zwei Tonnen schwere Fahrzeug, das auf eigener Achse maximal 15 km/h schnell ist, an die Veranstaltungsorte zu bringen. Die letzten Meter kraxelt der Pistenbulli dann selbst bergauf oder strandab. Und dann: Musik!

jüp

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