Aus Los Angeles berichtet Tom Grünweg
Den konventionellen Antrieb übernimmt ein 0,8 Liter großer TDI-Motor, der eng mit dem Aggregat des auf der IAA im September vorgestellten Ein-Liter-Autos verwandt ist. Der Zweizylinder kommt auf 51 PS und wird unterstützt von einem 14 PS starken Elektromotor, der in der Startereinheit untergebracht ist und den Up Lite auch ein paar hundert Meter weit allein bewegen kann. Dazu gibt es aus dem VW-Effizienzbaukasten das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe, eine Start-Stopp-Automatik und ein Rekuperationssystem, das Bremsenergie zurück gewinnen kann.
Damit allein wäre der Rekordverbrauch allerdings nicht zu schaffen gewesen. Deshalb haben die Entwickler den Wagen radikal abgespeckt und das Gewicht mit Hilfe einer Alu-Karosse und Karbonteilen - zum Beispiel einem kaum mehr als drei Kilo schweren Kohlefaser-Dach - auf 695 Kilo gedrückt. Selbst ein Smart wiegt deutlich mehr. Außerdem wurde am Luftwiderstand gefeilt: Vorn hat der Up Lite ein bewegliches Schild, das den Kühlergrill immer dann hermetisch abdeckt, wenn der Motor keine Kühlluft braucht. An der Seite wurden die Außenspiegel durch Kameras ersetzt und die Felgen weitgehend verkleidet. Und das Heck wurde zu Gunsten der Aerodynamik so weit in die Länge gezogen, dass die Studie von hinten fast in an den Scirocco erinnert.
Ein Zwei-Liter-Auto, das rundum alltagstauglich ist
War das Ein-Liter-Auto noch ein kompromissloser Zweisitzer mit limitierter Alltagstauglichkeit, soll das Zwei-Liter-Auto ein ausgewachsener Viersitzer für jeden Tag sein: Mit einer Länge von 3,84 Metern ist der Wagen lediglich 15 Zentimeter kürzer als der Polo; die dünnen Sitze bieten vorn wie hinten genügend Platz für Erwachsene, und der Kofferraum von 217 Litern reicht zumindest für das Nötigste im Alltagsbetrieb. Wer mehr einladen will, kann mit zwei Griffen die Rückbank umlegen, dann fasst der Laderaum fast einen Kubikmeter. Auch die Fahrleistungen sind ansprechend: Den Sprint auf Tempo 100 schafft die voll funktionsfähige Studie in 12,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 Sachen.
Zwar riecht der Up Lite bei der Messepremiere so frisch lackiert und verklebt, als hätten die Entwickler noch auf dem Überführungsflug an der Studie gearbeitet. Doch die ersten Überlegungen zum Auto seien bereits zwei Jahre alt, sagt Ralf-Gerhard Willner, der das Projekt Up leitet. "Mit den vielen Studien wollen wir einerseits aufzeigen, was auf dieser Plattform und mit dieser Technik alles möglich ist. Auf der anderen Seite geht es auch darum, den Markt auszuloten und die Akzeptanz für verschiedene Spielarten zu testen."
Einfache Lösungen, auf die man erst einmal kommen muss
Dabei sind es nicht nur die Spar- und Effizienttechnologien, an denen die VW-Entwickler tüfteln. "Dieses Auto öffnet uns immer wieder die Augen und bringt uns dazu, neue, einfache Lösungen zu finden", sagt Willner. Als Bespiel nennt er die pfiffige Sitzverstellung: Weil die Befestigungsschienen schräg nach oben verlaufen, sitzen kleine Fahrer nun automatisch höher, wenn sie das Gestühl Richtung Lenkrad verstellen. Die Entwickler können deshalb die zusätzliche Sitzhöhenverstellung einsparen. "Eine simple Idee, auf die man aber erst einmal kommen muss", räumt der Vater der Up-Familie ein. Und auch das Entriegeln der Rückbank durch Anheben der Kopfstützen ist eine ebenso clevere wie material- und kostensparende Lösung.
Die Einführung des Up ist längst beschlossen, doch wie genau der Wagen einmal aussehen wird, und welche Variante zuerst gebaut wird, das hat VW noch nicht verraten. Auch in Los Angeles zünden die Verantwortlichen bei dieser Frage nur Nebelkerzen. Was immerhin inzwischen festgelegt ist: Verkaufsstart soll Ende 2011 sein. Geht es nach Ralf-Gerhard Willner, bleibt das Projekt abwechslungsreich. "So schnell gehen uns bei diesem Auto nicht die Ideen aus", sagt er mit Blick auf mehr als ein Dutzend Antriebs- und Karosserievarianten, mit denen sein Team jongliere. "Die Studie von Los Angeles wird wohl noch nicht die Letzte gewesen sein."
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