Wankel-Jubiläum Warten aufs Wunder

Vor fast 50 Jahren, am 1. Februar 1957, lief zum ersten Mal ein von Felix Wankel entwickelter Drehkolbenmotor bei NSU in Neckarsulm für längere Zeit auf dem Prüfstand. Die Technik galt als revolutionär - doch auf ihren Durchbruch wartet sie bis heute.

Von Jürgen Pander


Wegen Problemen in Mathematik und Physik verließ Felix Wankel die Schule und begann 1921 eine Lehre als Verlagskaufmann - zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand wissen, dass er einmal einen "Wundermotor" konstruieren würde, der bis heute als besonders elegante technische Lösung gilt. Vor 50 Jahren schien Wankel, der aufgrund seiner extremen Kurzsichtigkeit nie einen Führerschein machte, dem Ziel seines erfinderischen Schaffens ganz nahe: Bei NSU in Neckarsulm lief im Frühjahr 1957 erstmals sein Drehkolbenmotor auf dem Prüfstand.

Auf die Idee zu einem neuen Motorenprinzip kam Wankel bereits in den zwanziger Jahren, als er gemeinsam mit Freunden in einem Heidelberger Hinterhof ein dreirädriges, stromlinienförmiges Fahrzeug namens "Teufelskäfer" konstruierte, das allerdings enorm zitterte und wackelte, sobald die Benzinmaschine lief. Wankel wollte ein sehr viel ruhigeres Triebwerk, begann zu tüfteln, zu zeichnen und kam auf den Einfall mit der Drehschiebersteuerung, die einen Motor ohne Pleuel, Ventile und Nockenwelle ermöglichen sollte. Er baute einen Drehkolbenmotor, der als Kompressor eingesetzt wurde, unterschrieb einen Vertrag bei BMW und erhielt 1936 eine eigene Wankel-Versuchswerkstatt in Lindau, wo er im Auftrag der Luftwaffe neue Flugzeugmotoren mit Drehschiebersteuerung entwickeln sollte.

In einem Tagebucheintrag vom 13. April 1954 vermerkte Wankel, worüber er seit Jahren gegrübelt hatte: Den optimalen Bewegungsablauf des Drehkolbenmotors. Die Firma NSU in Neckarsulm zeigte sich interessiert und setzte 1956 einen Kompressor, der nach dem Wankelprinzip arbeitete, bei Weltrekordfahrten mit Auto-Prototypen ein. Im Jahr darauf lief der Drehkolbenmotor erstmals auf dem Prüfstand. Doch Wankel konnte sich nur vorübergehend darüber freuen, denn NSU stellte vom Drehkolben- auf das Kreiskolbenprinzip um (das Gehäuse stand fest, und es bewegte sich nur noch der Kolben). Wankel soll getobt haben: "Sie haben aus meinem Rennpferd einen Ackergaul gemacht."

Der "Wundermotor" steckte ab 1967 im NSU Ro 80

Dennoch schien die Wankel-Erfindung auf Drehzahlen zu kommen. Der Flugzeugmotorenhersteller Curtiss-Wright, ein Lizenznehmer von NSU, stellte bereits 1959 unerwartet einen Wankelmotor vor, so dass auch NSU die für einen späteren Zeitpunkt geplante Vorstellung einer Maschine vorzog. Am 16. Januar 1960 fand im Deutschen Museum in München das Debüt statt. In der Fachwelt galt die im Vergleich zu einem herkömmlichen Hubkolbenmotor mit vergleichbarer Leistung sehr viel kleinere und leichtere Maschine als Sensation, als "Wundermotor".

Zunächst kam die Maschine in einem zum Versuchsauto umgerüsteten NSU Prinz zum Einsatz, ab 1964 dann wurde das zweisitzige Cabriolet Wankel Spider als erstes Serienauto der Welt mit Wankelmotor verkauft. Ihren großen Auftritt aber erhielt die außergewöhnliche Maschine erst 1967 - also vor 40 Jahren - im von Claus Luthe designten, legendären NSU Ro 80. Als erstes deutsches Fabrikat erhielt der Wagen 1968 die fünf Jahre zuvor eingeführte Auszeichnung zum "Auto des Jahres". Bis 1977 wurden knapp 40.000 Exemplare dieses extrem modernen, aber auch technisch anfälligen Wagens gebaut. Laut Kraftfahrtbundesamt in Flensburg sind noch heute etwa 900 NSU Ro 80 in Deutschland unterwegs.

Nur Mazda hält bis heute an Felix Wankels Idee fest

Unter anderem bauten auch Lada, Datsun, Citroen, Audi und Chevrolet Fahrzeuge mit Wankelmotor. Inzwischen aber hat unter den Automobilherstellern nur noch Mazda ein Modell mit Wankelmotor im Angebot, den RX-8, einen viertürigen Sportwagen mit ganz eigenem Charakter, einem hochdrehenden Kreiskolbenmotor mit zwei Rotoren, einer Leistung von 231 PS und einem beachtlichen Durchschnittsverbrauch von 11,2 Liter Benzin je 100 Kilometer.

Aus Anlass der Wankel-Jubiläen, die sich in diesem Jahr häufen, hat die Deutsche Post nun eine Briefmarke im Wert von 1,45 Euro herausgegeben, die "50 Jahre Wankelmotor" feiert. Zu sehen sind der Querschnitt eines Kreiskolbenmotors und die Frontansicht eines NSU Ro 80. Den Erfinder Felix Wankel, der 1988 in Heidelberg verstarb, hätte diese Postwertzeichen vielleicht etwas darüber hinweggetröstet, dass das Wunder seines "Wundermotors" sich niemals einstellen wollte.



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