Wankelmotoren-Sammlung Im Wendekreis des Kolbens

Revolution oder Rohrkrepierer? Für Walter Frey ist das keine Frage: Nur wegen des Wankelmotors wurde er überhaupt Mazda-Händler. Heute besitzt der Bayer die vielleicht größte Sammlung rund um den etwas anderen Antrieb.

Aus Gersthofen berichtet


Von außen sieht das Gebäude aus wie eine gewöhnliche Scheune. Doch sobald Walter Frey das Rolltor öffnet, stockt einem der Atem. Denn hier in Gersthofen, nördlich von Augsburg, hat der passionierte Mazda-Fahrer eine der weltweit größten Sammlungen rund um den Wankelmotor zusammengetragen.

Hinter dem Scheunentor wartet eine Armada von RX-7, sowie diverse RX-4, RX-3 und RX-2 - dazu Exemplare jedes anderen Wankel-Autos, das Mazda je gebaut hat. Schmuckstück der Sammlung ist ein Cosmo Spider von 1968, den es offiziell nie in Europa gegeben hat. Die Rarität hat Frey mit seinen beiden Söhnen vor mehr als 20 Jahren als Urlaubssouvenir aus den USA mitgebracht.

Im Wankel-Wehmut hat Frey allerdings nicht nur Mazda-Typen gesammelt. Sondern in den Hallen und Garagen stehen auch einige Ro 80, ein ebenfalls mit Kreiskolben-Motor bestückter und noch bis vor kurzem gebauter Lada 2017 der russischen Polizei, ein alter Glas, der Citroën Birotor von 1973 und sogar ein Mercedes SL mit Wankelmotor, der eigens umgerüstet wurde, als die Schwaben die Idee der kreisenden Kolben prüften und für ihren Rekordwagen C111 übernahmen. Dazwischen parken weitere Wankelfahrzeuge: Motorräder, Roller, Schneemobile; ein Flugzeug mit der Kennung D-FREY hängt von der Decke. Außerdem gehören Kettensägen, Boots- und Stationärmotoren mit kreisenden Kolben zu Freys Sammlung.

Andererseits aber gibt es auch ein paar Nicht-Wankel-Autos in der Kollektion - nämlich exotische Typen aus der Mazda-Geschichte. "Nur ungefähr 100 unserer 160 Autos haben einen Wankelmotor", räumt Junior Joachim Frey ein. Doch auch unter den normalen Autos befindet sich manche Rarität, die manchmal nicht einmal die Mazda-Zentrale mehr kannte, erzählen die Freys stolz. Etwa den grellgrünen Geländewagen Pathfinder, der aussieht, als wäre er erst gestern vom Band gelaufen. "Das Auto ist in den achtziger Jahren bei Mazda in Burma vom Band gelaufen ist", berichtet Frey über den kantigen Neunsitzer.

Auch wenn er nicht mit allem zufrieden ist, hält Frey der Marke die Treue. ""Lieber eine zweite Frau als eine zweite Marke", sagt der Bayer, der das Geschäft allmählich seinen Söhnen überlässt und mittlerweile zu den dienstältesten Mazda-Händlern der Republik zählt. Immerhin ist er schon runde 30 Jahre dabei. "Und das alles, weil ich von Anfang an für den Wankelmotor geschwärmt habe. Sonst wäre ich wohl nie Mazda-Händler geworden."

Auf der Suche nach einem öffentlichen Museum

Unter der Woche fährt Frey - wie könnte es anders sein - einen wankelgetriebenen RX-8. Doch viel lieber ist er mit einem seiner Oldtimer unterwegs, die fast alle fahrbereit sind. "Ein Auto muss fahren", sagt Frey, bevor er sich wieder in den Motorraum eines frisch importierten Mazda 360 beugt, "sonst ist es einfach unbrauchbar". Das Mazda-Dreirad ist so etwas wie die japanische Entsprechung zum Piaggio Ape.

Es läuft mit einem Wankelmotor. Derzeit jedoch ist der Wagen eine rostige Ruine, an der Frey jede freie Minute schraubt. Nebenan wird gerade ein besonders rarer, 1969 von Bertone entworfener Mazda Luce saniert, und draußen auf dem Hof tuckert sein Sohn mit einem frisch eingeflogenen Mazda Carol aus der Garage. Der Viersitzer von 1962 ist kleiner als ein Smart, und ein weiteres Auto, das es wohl sonst nirgends in Europa gibt.

Mit seiner Sammlung hat es Frey im Kreis der Mazda-Fans zu hohen Ehren gebracht. Als einziger Europäer ist er Mitglied im elitären Cosmo-Owners-Club. Und weil er mehr der Klassiker aus Hiroshima besitzt als der Hersteller selbst, kennt ihn auch die Führungsriege in Japan. Allerdings würde Frey jetzt, wo er sich immer mehr aus dem Tagesgeschäft zurückzieht, die Raritäten am liebsten in einem öffentlichen Museum zeigen. "Die Chancen stehen nicht schlecht", sagt Frey. Mehr verrät der Wankel-Fan jedoch nicht. Er sagt nur: "Schließlich ist die Geschichte doch die beste Werbung."



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