Wasserstoff-Autos: Industrieallianz will Brennstoffzelle zum Durchbruch verhelfen

Von Tom Hillenbrand

Skeptiker hatten die Brennstoffzelle bereits für tot erklärt - doch plötzlich ist sie wieder da: Ein breites Bündnis aus Autokonzernen und Energieversorgern will bis 2015 Hunderttausende Fahrzeuge auf die Straße bringen. Die Mineralölwirtschaft soll parallel dazu ein Tankstellennetz aufbauen.

Chevrolet Equinox mit Brennstoffzelle (in Kalifornien): Die Autoindustrie kündigt den Durchbruch für Wasserstoffautos an - freilich nicht zum ersten Mal Zur Großansicht
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Chevrolet Equinox mit Brennstoffzelle (in Kalifornien): Die Autoindustrie kündigt den Durchbruch für Wasserstoffautos an - freilich nicht zum ersten Mal

Hamburg/Stuttgart - Eine Woche vor dem Start der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am Main kündigte Daimler am Mittwoch an, die Entwicklung der Brennstoffzelle gemeinsam mit anderen Firmen zu forcieren. Daimler, Ford, General Motors, Honda, Hyundai, Kia, Renault, Nissan und Toyota hätten eine entsprechende Erklärung unterzeichnet, teilte der Stuttgarter Konzern mit.

Da diese Unternehmen über beträchtliches Know-how in Sachen Brennstoffzellentechnik verfügten, sei nun die Serienproduktion solcher Fahrzeuge ein gutes Stück näher gerückt. Ab dem Jahr 2015 sollten die Fahrzeuge in größerer Anzahl angeboten werden. "Die Schätzungen gehen insgesamt weltweit von einigen hunderttausend Stück aus", so Daimler.

Brennstoffzellen-Autos sind Elektroautos. Sie besitzen jedoch kein großes Akkupaket, das über eine Steckdose geladen wird, sondern speichern die fürs Fahren benötigte Energie in Form von flüssigem Wasserstoff in Tanks. Der benötigte Strom wird aus der Reaktion von Wasserstoff und Luftsauerstoff in der Brennstoffzelle generiert. Als einziges Abfallprodukt entsteht dabei Wasser, Schadstoffe fallen beim Betrieb nicht an. Den Antrieb der Fahrzeuge übernimmt ein Elektromotor.

Ewiges Heilsprojekt der Autoindustrie

Kritiker wenden gegen die Brennstoffzelle ein, sie sei ein nicht praktikabler Ingenieurstraum. "Die ersten Wasserstofffahrzeuge hatten wir schon in den Siebzigern", frotzelt ein ehemaliger BMW-Manager, "schon damals wurde die Serienreife in acht Jahren vorausgesagt".

Shai Agassi, Chef des Elektro-Tankstellenprojekts Better Place, hält Wasserstofffahrzeuge ebenfalls für unsinnig: "Erst wendet man Energie auf, um aus Wasser Wasserstoff zu erzeugen. Und dann wandelt man den Wasserstoff wieder in Energie um."

Gegenüber E-Autos mit Akkus erreichen Brennstoffzellen-Stromer allerdings erheblich größere Reichweiten. Während die Akkuladung der meisten Stromer nach spätestens hundert Kilometern aufgebraucht ist, kommen Wasserstoffautos mehrere hundert Kilometer weit.

Henne-Ei-Problem

Funktionsfähige Fahrzeuge gibt es bereits. Honda etwa testet zurzeit das Wasserstofffahrzeug FCX Clarity, BMW experimentiert mit einer Brennstoffzellenversion des 7ers. Das eigentliche Probleme ist nach Ansicht vieler Experten das Fehlen von Tankstellen. Bislang haben sich Mineralölkonzerne und Energieversorger gescheut, eine flächendeckende Infrastruktur für die Wasserstoffversorgung aufzubauen. Schließlich seien keine Brennstoffzellen-Autos in Betrieb

Nach Informationen der "Automobilwoche" werden Daimler und Wasserstofferzeuger Linde sowie die Mineralölkonzerne OMV, Total und Shell gemeinsam mit den Versorgern Vattenfall und Energie Baden-Württemberg am Donnerstag eine Absichtserklärung unterschreiben. Dabei dürfte es nach Informationen des Branchendienstes um den Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes in Deutschland gehen.

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Forum - Gehört die Zukunft dem Elektroauto?
insgesamt 4471 Beiträge
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1.
Parzival v. d. Dräuen 26.07.2008
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Soweit ich das beurteilen kann, schon. Hauptkritik am Individualverkehr war ja immer, dass da eine riesige Blechdose, tonnenschwer, durch die Stadt bewegt wird, damit mehrheitlich nur eine Person von A nach B gelangt. Und der relativ günstige Spritpreis hat es eben möglich gemacht. Jetzt, wo die Preise vielen ein gehöriges Loch in den Beutel reißen, beginnen die Leute nach Alternativen zu suchen. Schon heute wäre es möglich, in Leichtbauweise und breiter ästhetischer Palette Fahrzeuge herzustellen, die mit Elektromotor einen Aktionsradius von um die 120 KM haben. Ein Verbundsystem von Aufladestationen, ein Akku-Management, z. Bsp. auf Pfandbasis, würden auch die stete Verfügbarkeit von Energie gewährleisten. Durch neue Materialien sind die Elektromotoren leistungsfähiger und bei gleicher Leistung um die Hälfte kleiner geworden. Die Akku-Technik, sowie die marktdeckende Produktion wären in kurzer Zeit zu realisieren. Bei den E-Motoren selbst ist natürlich auch der Drehmoment unschlagbar. Daneben noch Hybrid-Systeme, die Energie speichern. Zusätzlich werden die Elektro-Autos schon in der Produktion weniger kapital-, energie- und fertigungsintensiv. Ein Viersitzer dürfte im Wesentlichen aus Kunststoffen gefertigt werden und um die 500-600 Kilogramm wiegen. Und auch bei der eingebaute passiven Sicherheit, die in den letzten Jahrzehnten eher einem Aufrüsten glich, kann reduziert werden. In den Städten entstehen durch viele kleinere Autos wahrscheinlich Parkraumüberschüsse, die Lärmbelästigung verringerte sich immens und die Luftqualität auch.
2.
Andreko 26.07.2008
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Schwierig zu sagen. Ich denke das der hohe Ölpreis dazu führt, dass das Angebot an Öl ausgeweitet wird z.B. durch Kohleverflüssigung oder gänzlich neue Technologien wie diese http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,561833,00.html Dann könnte uns der Verbrennungsmotor noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Sehr langfristig gesehen (30 Jahre oder mehr) könnte das E-Auto wirklich eine Alternative werden, aus heutiger Sicht sind die Elektroautos aber noch weitgehend praxisuntauglich und deshalb werden sie sich so schnell nicht durchsetzen.
3. Verkehrskonzepte
Norbert Rost 26.07.2008
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Sicherlich wird Elektro künftig eine größere Rolle spielen als Öl, Peak Oil ( http://www.peak-oil.com/ ) wird dafür sorgen. Zweifel sind aber angebracht: Wie schnell geht die Entwicklung neuer Motoren, Versorgungsnetze und vor allem Speichern? Wahrscheinlicher ist doch, daß wir unsere Art Verkehr zu betreiben grundlegend überdenken. Es ist hochgradig ineffizient, wenn fast jeder Bürger ein Auto besitzt, da es überwiegend rumsteht und Platz wegnimmt. Das Teilen von Ressourcen könnte künftig ebenso wichtig werden wie eine Einstellungsänderung zu Mobilität und vor allem Reise-Geschwindkeit. Da gabs in der Zeit mal ein sehr schönes Interview mit Prof. Knoflacher (Wien): http://www.zeit.de/2007/38/Interv_-Knoflacher?page=all Dem öffentlichen Verkehr dürfte eine Renaissance bevorstehen. Und das Nachdenken über neue Versorgungsstrukturen wird hoffentlich ebenfalls bald beginnen. -- Zukunftsfähig Wirtschaften? http://www.regionales-wirtschaften.de
4. Eine GROSSE Chance allemal – wegen :
alpas 26.07.2008
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Grundenergieform-Unabhängig : Die Energiezwischenform Elektrizität wird (bereits) durch alle möglich (und unmöglichen) Grundenergieformen (CO2-behafete, und –unbehaftete) generiert und verteilt – auch wenn der Verteilungswirkungsgrad noch zu wünschen lässt, was jedoch durch vermehrte Supraleitertechnologie noch erhebliches Verbesserungspotential hat (ev. damit sogar noch Speicher-/ Batterietechnologie verbessert wird). Verzögerungskraft gleich wieder zurück in die Batterie (nicht in Umwelterwärmung verpufft) . Die ganze Antriebstechnologie noch mit seinem (kleinen) Bruder Elektronik hervorragend zu optimisieren und automatisieren. Stecker rein – und los geht’s, in einem ungefährlichen Vehikel ! Oder, was denkt der Fachmann….. ?
5. Der Wert eines Liters Flüssigkraftstoff......
Benjowi 26.07.2008
Im Grunde erfährt man jetzt hautnah, wie wertvoll ein Liter Flüssigkraftstoff eigentlich ist, denn die Alternativen wie Elektroantrieb mit Akku oder auch mit Brennstoffzelle sind auch bei den hohen Preisen bei weitem noch nicht konkurrenzfähig. Und das, obwohl der eigentliche Elektroantrieb einem Verbrenner haushoch überlegen ist. Letztlich scheitert es -wie schon von Anfang an- an der Energiespeicherung: Selbst die zur Zeit besten und hochgelobten Li-Ionen Akkus haben noch um den Faktor 50 schlechtere Energieinhalte und auch die höheren Wirkungsgrade des E-Antriebs lassen diesen Nachteil noch bei etwa 1:10 bestehen. Darüberhinaus sind diese Akkus extrem teuer, es ist nicht bewiesen, wie lange sie wirklich standfest sind und darüber hinaus fehlt es auf der Erde schlicht an genügend Lithium, um nennenswerte Stückzahlen von Kfz damit auszustatten. Der Einsatz der Brennstoffzelle scheitert nach wie vor an -wenn auch kleiner werdenden- technischen Problemen, vor allem aber an den Kosten und der fehlenden Infrastruktur für Wasserstoff. Letztere ist extrem teuer und kaum kurzfristig erstellbar. Außerdem gibt es keine klimafreundliche und einsatzfähige Erzeugungsmöglichkeit für Wasserstoff. Somit wird es vermutlich zu Lösungen kommen, bei denen ein kleiner Verbrenner die mittlere benötigte Leistung erzeugt und über einen relativ kleinen Zwischenspeicher einem E-Antrieb zur Verfügung stellt. Dadurch kann man erhebliche Verbrauchsreduzierungen erzielen, die eigentliche Energiespeicherung erfolgt aber im Flüssigtreibstoff. Letzterer würde möglicherweise auch durch Kohleverflüssigung bereitgestellt werden. Aber auch diese Lösung steht und fällt mit einem kostengünstigen und standfesten Zwischenspeicher! Ansonsten aber wird der grösste Teil der Menschheit weiter uneingeschränkt mit Verbrennern fahren und Staaten wie Indien oder China werden sich durch die deutschen Verrenkungen zur Klimarettung garantiert nicht sonderlich beeinflussen lassen - es sei denn das Wasser steht ihnen buchstäblich bis zum Halse!
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