Web-Community Radalert Sixt startet mobiles Blitzer-Warnsystem

Sixt eckt gerne an - auch das neueste Projekt des Pullacher Pkw-Vermieters dürfte für Wirbel sorgen: Per iPhone oder Blackberry sollen Autofahrer künftig Informationen über Polizeikontrollen sammeln können. Per SMS werden Mitglieder der Community Radalert.de dann vor mobilen Blitzern gewarnt.

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Hamburg - Festinstallierte Blitzer - im Volksmund Starenkästen genannt - haben für technologisch versierte Autofahrer längst jeden Schrecken verloren: Im Internet lassen sich Datenpakete für alle gängigen Navigationsgeräte herunterladen. Per Warnton erfährt der Fahrzeugpilot dann, ob in seiner Nähe eine Radarkontrolle droht. Gegen Beamte mit Radarpistolen half hingegen bislang nur die strikte Beachtung der Straßenverkehrsordnung. Blitzer-Communitys könnten demnächst auch vor mobilen Polizeikontrollen warnen. Die Sixt AG, Deutschlands größter Autovermieter, testet derzeit einen Dienst namens Radalert, bei dem Nutzer mobile Blitzer melden können. Die gesammelten Daten werden für einige Stunden auf einer Web-Karte angezeigt und danach automatisch wieder gelöscht. "Zurzeit sind wir in der Betatest-Phase, sagte Alexander Beyer von Sixt E-Ventures SPIEGEL ONLINE.

Blitzer können die Nutzer entweder im Internet melden - oder über ihr Handy. Für Apples iPhone lässt sich bereits eine Anwendung herunterladen. Per Knopfdruck kann der Nutzer damit eine Radarfalle melden - die Position wird dann automatisch per GPS bestimmt und an Sixt übermittelt. Nach Beyers Angaben wird es demnächst zudem eine Version für Blackberrys geben.

Nutzer des Dienstes können sich per SMS warnen lassen, wenn zum Beispiel in der Nähe ihres Wohnorts ein mobiler Blitzer gemeldet wird. Die iPhone-Anwendung zeigt zudem die Radarfallen in der näheren Umgebung an. Das Modell ähnelt dem des US-Blitzerdienstes Trapster.

Empörung ist einkalkuliert

Das besondere bei Radalert dürfte jedoch die Verbindung mit dem Autovermieter Sixt sein. Dort denkt man darüber nach, den Dienst über Flyer in den Mietfahrzeugen des Unternehmens zu bewerben und will die Sixt-Vertriebswege nutzen. "Wer kein Smartphone hat, kann demnächst auch über unser Callcenter Blitzer durchgeben", sagt Beyer.

Dass die Community für Kontrollvermeider vielen ein Dorn im Auge sein dürfte, ficht Sixt nicht an. Im Gegenteil: Der Autovermieter aus dem bayerischen Pullach setzt seit Jahren auf krawalliges Marketing. Einst photoshoppte das Unternehmen die damalige Umweltministerin Angela Merkel in ein Cabrio - freilich ohne die CDU-Politikerin um Erlaubnis zu fragen. Die Überschrift dazu lautete: "Lust auf eine neue Frisur?"

Rechtliche Situation ist unklar

Einige Juristen bezweifeln, ob derartige Dienste rechtlich einwandfrei sind. Es gibt bisher allerdings keine eindeutige Rechtsprechung. Laut der Straßenverkehrsordnung (§23 Abs 1.) ist es dem "Führer eines Kraftfahrzeuges … untersagt, ein technisches Gerät zu betreiben ..., das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören".

Konkret erwähnt werden im Gesetzestext allerdings nur Radarwarn- oder Laserstörgeräte. Ob auch ein iPhone unter den Paragrafen fällt? Es gehe bei Radalert ja nicht darum, Raserei zu unterstützen, verteidigt Beyer seine Dienst. "Auf Radarwarner hinzuweisen, hat ja eine erzieherische Wirkung", sagt der Sixt-Mann. Schließlich meldeten ja auch lokale Radiostationen mobile Polizeikontrollen - und niemand sei bisher auf die Idee gekommen, deswegen Autoradios zu verbieten.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
hansmaus 28.01.2009
1. neu?
und? was ist daran wirklich neu und so provokativ das man "aneckt"? Mein Navigon 6 warnt mich auch vor "Gefahrenstellen" ......also festen Blitzen ;)
H.T. 28.01.2009
2. Streß
Nach 3x Führerscheinentzug auf Zeit (jeweils 1 Monat) hab ich mich an eine "neue" Art des Autofahrens gewöhnt: Ich halte mich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, fahre auch nicht "eben noch" bei fast Rot über die Ampel und stelle für mich fest, daß das Autofahren wesentlich streßfreier geworden ist^^
whartmuth, 28.01.2009
3. Äußerst bedenklich
Die ganze Aktion finde ich äußerst bedenklich. Verkehrsbeschränkungen haben durchaus ihren Sinn (von ganz wenigen Ausnahmen mal abgesehen) und sollen die Verkehrsteilnemer vor gefährlichen Situation schützen. Z.B. A8 Augburg - München: Die Straße ist wegen 6-streifigem Ausbau fast durchgehend auf 80km/h beschränkt. In den Baustellen sind die Fahrspuren stark verengt. Es besteht also eine besondere Gefahr, trotzdem donnern die meisten mit teilweise mehr als 120 völlig verantwortungslos und vor allem hirnlos durch die Baustellen. Ich werde diesen Dienst sowie auch die diversen 0800 Radiohotlines sicher nicht nutzen. Ich halte mich einfach nur an die Regeln. Es fährt sich dabei, wie in einem anderen Beitrag im Forum, wesentlich stressfreier und angenehmer.
Hajojunge 28.01.2009
4. Die stereotype Antwort lautet, wer sich an die StVO hält, hat nichts zu befürchten
Ich finde es auch sinnvoll, vor Schulen, Kindergärten und anderen Gefahrenstellen Tempokontrollen durchzuführen. Auch an Baustellen sollte es keinen Pardon geben (in Kanada z.B. wird im Baustellenbereich das Doppelte des ohnehin saftigen Bußgeldes fällig). Doch leider können die Kontrollen hierzulande allzu oft nur als Fallenstellerei bezeichnet werden, an Orten, wo es völlig egal ist, ob man 65 fährt oder in Hamburg eine Currywurst platzt. In Berlin wird sogar auf den Stadtautobahnzufahrten geblitzt, 100 m vor dem Tempo-80-Schild. Da stehen sie nachts in Industriegebieten oder auf Ausfallstraßen, mit null Fußgängerverkehr. Oder in Tempo-30-Bereichen mit dem Zusatzschild "Kinder", die (bewußt?) nicht mit zeitlichen Begrenzungen versehen sind. So werden unsere Kleinen auch nachts um 4 Uhr geschützt. Das alles nur, weil die Einnahmen im Stadtsäckel fest verplant sind und damit ein Soll vorgegeben ist.
olden-burger, 28.01.2009
5. GPS als allround Talent
da geben GPS(iPhone)-Nutzer freiwillig ihre aktuelle Position an. Es wäre lustig, wenn wir, der Staat, das Signal einsammeln würden und basierend auf diesen Daten die Geschwindigkeit des Fahrzeuges ermitteln...lange wird es nicht mehr dauern...
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