Wegen Abgastests Französische Behörden bestellen Mercedes-Manager ein

Nach der Auswertung von Abgastests machen französische Behörden Druck auf die Autohersteller. Nach VW und Renault geraten nun zwei weitere Marken in Erklärungszwang.

Mercedes droht in Frankreich eine unbequeme Fragestunde
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Mercedes droht in Frankreich eine unbequeme Fragestunde


Französische Behörden haben nach der Auswertung von Abgastests Manager von Mercedes zu sich einbestellt. "Wir wurden über die (...) Messergebnisse informiert und zu einem Termin mit den Behörden eingeladen", teilte ein Daimler-Sprecher am Montag auf Anfrage mit. "Dabei werden wir detaillierte Informationen zur Testprozedur erhalten und besprechen." Zu den Ergebnissen der Untersuchung äußerte sich der Sprecher zunächst nicht. Der Termin ist laut der französischen Zeitung "Journal du Dimanche" für Donnerstag angesetzt.

Dem Bericht zufolge hat auch Opel eine solche Einladung erhalten. Ein Sprecher der GM-Tochter äußerte sich am Montag zunächst nicht dazu. Nach einem früheren Bericht der französischen Zeitung "Les Echos" sollen die Behörden bei Opel zu hohe Abgaswerte festgestellt haben.

Frankreich hatte nach dem Bekanntwerden des VW-Abgasskandals die Untersuchung von 100 Fahrzeugen verschiedener Marken angeordnet. Die Prüfungen dauern derzeit noch an. Der französische Hersteller Renault hat bereits den Rückruf von knapp 16.000 Autos wegen zu hoher Abgaswerte angekündigt. Mercedes und Renault sind über eine Überkreuzbeteiligung miteinander verbunden, entwickeln gemeinsam Fahrzeuge und nutzen zum Teil die gleichen Motoren. Diese kommen auch in Autos von Nissan und dessen Ableger Infiniti zum Einsatz.

Schlichtungsstelle für Neuwagenkäufer im Gespräch

Die Tests der französischen Behörden sind eine Reaktion auf den VW-Abgasskandal. Europas größter Autobauer hatte Mitte September eingestanden, im großen Stil Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. Weltweit sind davon elf Millionen Autos betroffen.

"Während uns die USA oder aktuell Frankreich zeigen, dass die Bevölkerung und die betroffenen Autohalter einen umfänglichen Anspruch auf lückenlose Aufklärung haben, schweigt Verkehrsminister Dobrindt auch vier Monate nach Bekanntwerden des Skandals", beklagt der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Jürgen Resch. Die DUH teilte nun mit, gegen das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), das dem Verkehrsministerium unterstellt ist, eine Klage wegen Untätigkeit eingereicht zu haben. Die Umweltschützer beziehen sich auf das Umweltinformationsgesetz und fordern die Behörde auf, Einsicht in alle wichtigen Unterlagen zum VW-Rückruf zu erhalten.

Indes prüft Bundesverbraucherminister Heiko Maas (SPD) einem Zeitungsbericht zufolge, die Rechte der Verbraucher nach dem VW-Skandal zu stärken. So soll eine Schlichtungsstelle eingerichtet werden, um Beschwerden von Kunden bei Neuwagenkäufen außergerichtlich beizulegen, wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf einen Bericht der Bundesregierung an den Bundestags-Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz meldete. Bisher existiere eine solche Schlichtungsstelle im Automobilbereich nur für Gebrauchtwagenkäufe.

mhu/dpa

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Seite 1
f_eu 25.01.2016
1.
Ich tippe, dass am Ende heraus kommen wird, das alle tricksen und die Werte das Papier nicht wert sind. Das Ziel der Aktion ist dann aber erreicht. VW als Masserhersteller hat dann richtig geblutet. Man kann nur hoffen. dass dann bei VW Auslandsarbeitsplätze keine deutschen verloren gehen.
herm16 25.01.2016
2. das alles
ist sehr merkwürdig. Alle Behörden schreien jetzt nach Differenzen bei den Abgaswerte. Dabei haben Sie jahrelang das Maul gehalten. Mir als Laie ist schon 10 Jahre klar das die Werte und der tatsächliche Verbrauch also auch die Werte. abweichen
culinarius 25.01.2016
3.
Das Gute daran ist, dass ich jetzt, wo ja wohl, über den Daumen, alle Neufahrzeuge gewisse Dreckschleudern sind, wieder ohne schlechtes Gewissen meine beiden Oldis aus den frühen 70ern, beide Benziner, fahren kann. Die haben nämlich, wenn sie alle vier Monate bei meinem Schrauber waren, gar nicht so schlechte Werte. Und Werverlust haben sie nun garantiert nicht . . .
rathat 25.01.2016
4. @f_eu
Ach, und weil 'alle tricksen' darf VW das auch? Es hat sowohl VW, als auch ggf andere Hersteller, niemand gezwungen Gesetze bewusst zu brechen um im Markt bestehen zu können. Die Hersteller kennen die Konkurrenzprodukte ebenso gut, wie die Eigenen, und wenn man bei VW (immerhin der Branchenprimus), das Gefühl gehabt hätte, Konkurrenten würden betrügen, hätte man so schnell wie möglich sowohl in den USA, wie auch in Europa Klage einreichen können und müssen. Eine Straftat relativiert sich nicht dadurch, dass es andere gibt, die sie auch begehen.
hummerus 25.01.2016
5.
wenn eine Firma in der Autoindustrie eine Innovation entwickelt welche für höhere Verkaufszahlen steht, hat die nnächste Firma das eine Woche spätestens 2 Monate später ebenso. es war klar das nicht nur Volkswagen betroffen ist und ich finde es eine Frechheit das nur VOB Volkswagen in den Medien berichtet wird, da kann so'n popeliger Text hier auch nichts ändern.
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