Weltneuheit Jetcar Vorbild Segelflieger

Auf einem nur wenige Quadratmeter großen Messestand in Halle 6 der IAA steht ein außergewöhnliches Fahrzeug. Jetcar 2.5 heißt der in silber lackierte Zweisitzer, der von der Jetcar Zukunftsfahrzeug GmbH in Nietwerder bei Neuruppin gebaut wird.


Inspiriert durch ein Segelflugzeug, unterstützt offenbar von Smart: Jetcar 2.5
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Inspiriert durch ein Segelflugzeug, unterstützt offenbar von Smart: Jetcar 2.5

Wer das Vehikel zum ersten Mal sieht, fühlt sich an den Messerschmidt Kabinenroller erinnert - und an das Ein-Liter-Auto von Volkswagen, das vor eineinhalb Jahren kurzfristig für Furore sorgte. Aus dem Projekt Jetcar, so hoffen die Brüder Christian Wenger-Rosenau und Michael Wenger, soll jedoch mittelfristig eine kleine Fahrzeugproduktion entstehen. Die Entwicklung des sportlich gestylten Fahrzeugs begann vor vier Jahren. Inzwischen haben fünf Ingenieure das Auto zur Serienreife gebracht und von 2004 an soll der Wagen in einer zunächst auf 100 Exemplare limitierten Kleinserie gebaut werden.

Die Grundidee der Jetcar-Erfinder war es, ein leichtes, windschnittiges und vor allem kraftstoffsparendes Fahrzeug für zwei Personen mit ansprechenden Fahrleistungen zu entwickeln. Sie haben sie respektabel umgesetzt. Das Auto wiegt lediglich 660 Kilogramm. Gewicht gespart wurde vor allem bei der Konstruktion der Karosserie aus einem leichten Stahlrahmen mit GfK-Elementen. Im Heck des Fahrzeugs, unter dem immerhin 180 Liter großen Kofferraum, sitzt der Motor: Ein Dreizylinder-Diesel mit 799 Kubikzentimeter Hubraum und einer Leistung von 41 PS (30 kW), der mit einem Sechsganggetriebe verbunden ist. Die Kraft reicht aus für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, die sich in dem Eintürer mit den beiden hintereinander angeordneten Sitzplätzen schon ziemlich rasant anfühlen dürften.

Teure Handarbeit: Die Chinesen sollen bereits Interesse an der halben Serie gezeigt haben

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Offiziell gibt es keine Angaben, woher der Motor stammt. Doch niemand widerspricht, wenn der Name Smart fällt. Auf die Verbindung mit der Mercedes Mini-Marke Smart deuten auch einige Details der Ausstattung hin - etwa die Lenkstockhebel oder die Froschaugen-Optik der Instrumente im Cockpit des Autos mit der großen Glaskuppel. Außerdem wird das Jetcar nicht nur als Modell 2.5 mit Dieselmotor angeboten, sondern auch in zwei Sport-Versionen mit 62 oder 82 PS (45 und 60 kW) starken Benzinmotoren, von denen zumindest die schwächere Maschine genau so auch im Smart erhältlich ist.

Das Jetcar 2.5 mit Dieselantrieb "verbraucht im Schnitt 2,86 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer", sagt Ingenieur Jörg Kunow. Der Radstand des Autos misst 2,60 Meter und ist ungefähr ebenso groß wie beim neuen Golf. Das Gefühl in diesem Auto, das zeigt schon eine kurze Sitzprobe, ist jedoch ein völlig anderes. Was das Platzangebot für die Passagiere betrifft, ist der Segelflugzeug-Vergleich nicht ganz abwegig. Obwohl es nicht wirklich eng zugeht, eher sportlich straff.

Das Jetcar wird, nicht nur wegen der geringen Stückzahl, ein höchst exklusives Gefährt. Jedes Fahrzeug wird in Handarbeit gebaut, und wer mag, kann den Wagen auch als Cabriolet bekommen. Vor allem aber ist der Wagen teuer. 48.000 Euro kostet das Dieselmodell, 53.000 und gar 58.000 Euro die beiden Sport-Versionen. Dessen ungeachtet zeigte angeblich bereits am ersten IAA-Messetag der chinesische Ferrari-Importeur Interesse an 50 Fahrzeugen. Sollte der Deal tatsächlich stattfinden, wird es wohl bald noch ambitioniertere Jetcar-Pläne geben.

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