Weltpremiere BMW 5er: Das 120-Prozent-Modell

Von Jürgen Pander

Das Auto muss einfach passen. Der BMW 5er ist die traditionsreichste Baureihe der Marke, er wird gefahren von den treuesten Kunden und er liefert einen erklecklichen Anteil am Unternehmensgewinn. Jetzt wurde in München die sechste Generation des Modells vorgestellt.

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BMW 5er: Gewachsen, geschliffen, gereift
Lichtdurchflutet ist das großzügig verglaste Projekthaus des Forschungs- und Innovations-Zentrums (FIZ) von BMW in Münchens Norden. In den zentral gelegenen, kreisrunden Saal im fünften Stock jedoch dringt kein Sonnenstrahl; der hohe Raum ist komplett abgeschirmt. Hier entscheidet der Vorstand über das Aussehen künftiger Autos. Am 15. Dezember 2006 fand an diesem Ort die Designauswahl für den neuen BMW 5er statt. Jetzt, knapp drei Jahre später, ist der Wagen fertig. Ab 20. März wird der neue 5er bei den Händlern stehen; er solle "neue Akzente setzen in der oberen Mittelklasse", sagt Entwicklungs-Vorstand Klaus Draeger.

Es ist kein Zufall, dass BMW die sonst kaum zugängliche Design-Halle zur Weltpremiere der neuen Limousine öffnet, denn mit dem Auto lässt der Münchner Hersteller eine Phase bisweilen grotesker Design-Experimente unter der Leitung des ehemaligen Kreativchef Chris Bangle endgültig hinter sich: Der neue 5er ist ein stilsicheres, modernes, unverkrampftes Auto geworden. Mit auffallend konturierter Motorhaube, einer schlanken Silhouette (4.90 Meter Länge, 1,46 Meter Höhe) mit weit gespreiztem Radstand (2,97 Meter) und einem Heck, das zwar etwas pummelig wirkt, aber die Karosserie schlüssig und gefällig abrundet. "Der 5er", sagt der neue Chef-Designer Adrian van Hooydonk, "muss zu 120 Prozent ein BMW sein." Das Auto sei das Kernmodell der Produktpalette.

Optisch strahlt der Wagen nun wieder jene lässig-sportliche Selbstsicherheit aus, die die Stammkundschaft des weiß-blauen Autobauers schätzt. Auffallend: Die flache BMW-Niere, typisches Erkennungszeichen am Bug, hängt diesmal ein bisschen über. "Haifischnase", sagt van Hooydonk dazu. Die Scheinwerfer sind weniger aggressiv geformt als beim Vorgängermodell, die Seitenansicht demonstriert formale Zurückhaltung. "Das Auto sieht sauber und aufgeräumt auf", beschreibt van Hooydonk das Gesamtbild - und er trifft damit den ersten Eindruck des Beobachters ziemlich genau.

Josef Wüst, der Projektleiter des neuen Modells, kann erklären, dass der Begriff Kernmodell auch für die Technik gilt. "Rund 70 Prozent der Komponenten des neuen 5er kommen in anderen Baureihen zum Einsatz", erläutert er. In den anderen großen Typen wie dem BMW 7er oder dem 5er GT zum Beispiel. Wüst: "Die Entwicklung ging stets von diesem Auto aus - auch wenn die anderen Modelle früher auf die Straße gekommen sind."

Viele teure Assistenzsysteme in der seitenlangen Aufpreisliste

Dieses interne Timing führt nun zu einem kleinen Problem. Weil das Innovations-Pulver bei den Premieren der vorausgegangenen Fahrzeuge verschossen wurde, blieb für den 5er keine überraschende Neuheit mehr übrig. Für Kenner teilt BMW mit, dass der Wagen erstmals eine Doppelquerlenker-Vorderachse erhält. Und es gibt diverse Assistenzsysteme, mit denen der 5er aufgerüstet und der Preis in die Höhe getrieben werden kann: Parksensoren inklusive Einparkautomatik (1360 Euro) zum Beispiel, eine so genannte Surround-View-Perspektive die beim Rangieren helfen soll (1930 Euro), einen Tempomat mit Auffahrwarnung und Anbremsfunktion (1550 Euro) oder das Innovationspaket mit Head-Up-Display, Kurvenlicht und Verkehrszeichenerkennung für 2950 Euro. Ähnliche Systeme bieten auch Hersteller wie Mercedes und VW, in einem BMW wurden sie jedoch noch nicht verbaut.

In der Herzkammer des neuen Modells hingegen treten bekannte Darsteller an: Zum Marktstart werden drei Benziner, zwei Sechs- und ein Achtzylinder, mit einer Leistung von 204 bis 407 PS verfügbar sein; außerdem zwei Sechszylinder-Diesel mit 204 und 245 PS. Der Vierzylinder-Dieselmotor mit 184 PS folgt im Sommer 2010 und übernimmt dann die Rolle der Einstiegs- und Sparmotorisierung. Der Durchschnittsverbrauch soll bei 5 Liter liegen, der CO2-Ausstoß bei 132 Gramm je Kilometer - und der Preis des 520d bei 39.950 Euro. Dieses Modell mit Schaltgetriebe ist zugleich der einzige Wagen der neue Baureihe, der serienmäßig mit Start-Stopp-Automatik antritt.

Eine Hybridvariante des neuen 5er soll erst 2011 antreten

Ansonsten stehen erst einmal Dynamik und Sportlichkeit - vulgo: satte Motorleistung - im Vordergrund. Das Topmodell BMW 550i (Preis: 70.500 Euro) geht mit einem 4,4-Liter-Achtzylinder-Doppelturbo-Direkteinspritzer an den Start, der 407 PS leistet und 600 Nm maximales Drehmoment bereit stellt. In 5 Sekunden beschleunigt der rund 1,9 Tonnen schwere Wagen auf Tempo 100. Eine Achtgang-Automatik verwaltet die Kraft, als Durchschnittsverbrauch gibt BMW 10,4 Liter an. Auf der linken Spur, das ist die unterschwellige Botschaft aus München, soll der neue 5er die Pace machen.

Bei der Publikumspremiere Anfang März auf dem Genfer Autosalon wird der neue 5er jedoch ökologisch korrekt auftreten, denn dann soll, so hört man, auch eine Hybridvariante der Limousine gezeigt werden. Käuflich sein wird das Auto mit Lithium-Ionen-Akku allerdings erst ein Jahr später, im Frühling 2011. Auf den neuen 5er Touring, das Kombi-Modell der Baureihe, müssen Interessenten nicht so lange warten. Das Auto mit dem Extra-Laderaum im Fond wird im Sommer 2010 bei den Händlern stehen.

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