Von Heiko Haupt
Die Hände streichen über makelloses Leder, die Augen ergötzen sich an der umfangreichen Ausstattung - nur die Nase spielt nicht mit. So gut erhalten ein gebrauchtes Auto auch wirkt, aus Polstern und Lüftungsschächten dringen oft Gerüche, manchmal sogar Gestank. Mal wabert aus den Sitzritzen ein Dunst, als ob darin ein nasses Hunderudel wohnen würde, mal zieht eine säuerliche Note durch den Innenraum.
Nach jedem Gebrauch hinterlassen die Insassen im Auto Duftspuren. Der Fahrer umklammert das Lenkrad und reißt am Schaltknüppel, der Beifahrer betatscht Radio, Navi und Klimaanlage, auf der Rückbank klopfen die Kinder auf die Sitze. Jedes Mal hinterlassen die Hände dabei das, was an ihnen heftet: Eine winzige Spur Schmutz, ein Tropfen Schweiß. "Jeder Mensch hat seinen Eigengeruch", erklärt Markus Herrmann, Präsident des Bundesverbandes Fahrzeugaufbereitung (BFA). Und mit jeder Berührung überträgt er ihn auf seine Umgebung.
Das allerdings ist nur die Basis dessen, was die Würze der Fahrzeugluft bestimmt. Im Auto geht man ja noch einigen Nebentätigkeiten nach. Schlürft zum Beispiel Kaffee und schüttet unbemerkt einige Tropfen auf den Teppich. Oder isst einen Apfel und übersieht, wie ein Stück Fruchtfleisch zwischen Sitz und Mitteltunnel fällt. Nach Jahren des ständigen Gebrauchs hat man dann den Mief.
Aber wie wird man ihn wieder los? Hier sind einige Vorschläge:
Der Klassiker: Und ewig baumelt das Wunderbäumchen. An den Innenspiegeln befestigt verströmen sie ihre chemischen Aromen. Wahlweise Bergbrise, Echt-Leder, Vanille, Kokosnuss oder auch Piña Colada. Dabei werden andere Gerüche aber nur durch einen penetranteren Duft übertüncht.
Der Kaffee-Trick: Einfach eine Schale mit Kaffee über Nacht in den Wagen stellen - am nächsten Tag duftet alles wunderbar. Stimmt tatsächlich, bestätigt BFA-Experte Markus Herrmann. Allerdings nur vorübergehend. Denn solche vermeintlichen Geruchsvernichter überdecken entweder nur den Gestank oder vernichten bestenfalls ein paar der Geruchsmoleküle.
Der Filterwechsel: Manchmal ist der Übelriecher ein Teil, das eigentlich für reine Luft sorgen soll: der Pollenfilter. Er gehört heute in vielen Fahrzeugen zum Standard und schützt die Insassen vor Feinstaub und Pilzsporen. Im Laufe der Zeit sind die Filter aber mit Partikeln verstopft und sondern ihrerseits unangenehme Duftnoten ab - besonders dann, wenn sie auch noch feucht werden.
Die Trockenlegung: Schlechte Luft kann unter Umständen aus der Klimaanlage strömen. Schuld ist dann meist der Verdampfer, an dem sich Mikroorganismen bilden und den Mief verursachen. ADAC-Mann Thiemel hat hierfür eine einfache Lösung: Fünf Minuten vor dem Ende der Fahrt die Klimaanlage ausschalten und den Lüfter laufen lassen. Das beugt der Bildung von Feuchtigkeit vor.
Die Ozonkanone: Seit einiger Zeit gilt die Ozonbehandlung als Allheilmittel gegen Gerüche im Auto, sie kann bei vielen Werkstätten und Waschanlagen mittels eines Generators durchgeführt werden. Das Ozon tötet Keime und Bakterien ab und sorgt damit für Frischluft im Wagen. Zwei Dinge gibt es dabei zu beachten: Zum einen muss das Fahrzeug nach der Ozonkur ordentlich gelüftet werden. Zum anderen ist die Behandlung kaum wirksam, wenn das Auto vorher nicht gründlich gereinigt wurde - womit wir beim wichtigsten Geruchskiller wären.
Der Großputz: Soll die Luft tatsächlich wieder sauber werden, dann ist der Feind an der Quelle zu bekämpfen. "Wer unangenehme Gerüche aus einem Auto beseitigen will, muss es regelmäßig reinigen", sagt Sigrid Pook, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Tankstellen und Gewerbliche Autoreinigung (BTG). Fußmatten ausklopfen und mal rasch über das Armaturenbrett wischen reicht aber nicht - sauber werden muss alles, was angetatscht wurde. Die Polster müssen geschrubbt oder wenigstens gesaugt werden.
Wurde im Auto geraucht, dann ist eine Frischekur besonders aufwendig. "Der Qualm dringt überall ein", sagt Arnulf-Volkmar Thiemel vom ADAC. Soll der Nikotingeruch verschwinden, dann ist vom Gaspedal bis zum Dachhimmel der komplette Innenraum zu reinigen.
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