Wiehltalbrücke Prozess um Deutschlands teuersten Verkehrsunfall beginnt

Ein Toter und mehr als 30 Millionen Euro Schaden - der Unfall auf der Autobahnbrücke Wiehltal beschäftigt das Amtsgericht Gummersbach. Die Anwohner unterhalb der Brücke waren damals nur knapp einer Katastrophe entkommen.


Wiehltalbrücke nach dem Unfall: Sanierung soll mehr als 30 Millionen Euro kosten
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Wiehltalbrücke nach dem Unfall: Sanierung soll mehr als 30 Millionen Euro kosten

Gummersbach - Ein Jahr nach dem wohl teuersten Autounfall Deutschlands hat am Mittwoch der Prozess gegen den mutmaßlichen Verursacher begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 26-jährigen Mustapha A. vor, am 26. August vergangenen Jahres ohne Führerschein und unter Drogeneinfluss mit seinem Pkw auf der Autobahnbrücke Wiehltal einen Tanklaster von der Fahrbahn gedrängt zu haben.

Der mit 32.000 Litern Benzin und Diesel beladenen Lkw war von der Brücke in die Tiefe gestürzt und in Flammen aufgegangen. Der 34-jährige Fahrer kam dabei ums Leben. Die viel befahrene Autobahnbrücke wurde durch das Flammeninferno stark beschädigt. Die Reparaturkosten werden auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt. Die Staatsanwaltschaft legt dem 26-jährigen Angeklagten unter anderem fahrlässige Tötung und Fahren ohne Führerschein zur Last.

Angeklagter Mustapha A.: Der 26-Jährige zu Prozessbeginn in Gummersbach
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Angeklagter Mustapha A.: Der 26-Jährige zu Prozessbeginn in Gummersbach

Mustapha A. gestand am ersten Prozesstag über seine Verteidigerin Ulrike Tasic lediglich, dass er der Fahrer des BMW gewesen sei. Zum Unfallhergang wollte er sich aber nicht genauer äußern. Zunächst hatte der 29 Jahre alte Bruder des Angeklagten die Schuld auf sich genommen und fast zwei Monate in Untersuchungshaft gesessen. Erst im Dezember hatte dann der Angeklagte, der selbst keinen Führerschein besitzt, ein Geständnis abgelegt.

Polizeibeamte schilderten während des ersten Verhandlungstages das Schreckensszenario, das sich ihnen am Unfallort auf der Autobahn A4 Köln-Olpe geboten hatte. Vor lauter Rauch sei an diesem Vormittag kaum etwas von der Brücke zu erkennen gewesen. "Es war pechschwarze Nacht. Die Flammen schlugen rechts und links vom Brückenbauwerk senkrecht in die Höhe", sagte einer der Beamten. Man habe die Autobahn gesperrt und den Stau umgeleitet, der sich auf der Brücke gebildet habe. "Man sah den Leuten die Panik im Gesicht stehen", sagte ein Zeuge.

Das unter der Brücke liegende Dorf Weiershagen entging nur knapp einer Katastrophe, da sich der Unfall am Anfang des Bauwerks ereignete und der Lkw auf der Böschung statt zwischen den Wohnhäusern landete. Der Angeklagte wurde kurz nach dem Unfall in der Nähe von Polizisten aufgegriffen. Er habe sofort die Schuld von sich gewiesen mit den Worten: "Ich bin doch gar nicht gefahren, mein Bruder ist gefahren", sagte ein Polizist im Zeugenstand. Der 26-Jährige habe die meiste Zeit über ausgesprochen ruhig gewirkt, während sich sein älterer Bruder ständig erkundigte, ob es einen Toten gegeben habe.

Angeklagter soll unter Drogen gestanden haben

Die Reifen des BMW seien teilweise stark abgefahren gewesen, berichteten die Polizisten. Zudem stand der Angeklagte den Ermittlungen zufolge unter Cannabis-Einfluss. Außerdem soll er zu schnell gefahren sein. Der genaue Unfallhergang ist nach Angaben eines Gerichtssprechers bisher aber nicht vollständig geklärt. Ein erstes Gutachten habe die Schuld des Angeklagten belegt. Ein von dessen Versicherung in Auftrag gegebenes Gegengutachten besagt hingegen, dass auch der Lkw Verursacher des Unfalls gewesen sein könnte.

In der kommenden Woche wird für einen Ortstermin des Gerichts die Autobahn an der Unfallstelle gesperrt. Das Urteil wird für den 14. September erwartet. Im Fall einer Verurteilung drohen dem Angeklagten bis zu vier Jahre Haft.



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