Foto-Projekt zu Wildunfällen Was hat der auf der Haube?

Ein Künstler setzt ausgestopfte Tierköpfe auf Motorhauben und fotografiert sie. Damit will er sein Publikum sensibilisieren - für die selten beachteten Opfer von Wildunfällen.

Max Siedentopf

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Die meisten Autofahrer, die in ländlichen Gegenden unterwegs sind, haben auch im Wachzustand einen ziemlich konkreten Alptraum: Dass eines Tages auf der Landstraße zwischen den Bäumen ein Reh heraus auf die Fahrbahn springt, direkt vor den Wagen. Für den Fahrer kann das fatale Folgen haben. 15 Menschen sind in Deutschland im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamts durch Unfälle mit Tieren auf der Fahrbahn ums Leben gekommen. 735 Personen wurden schwer verletzt, 2256 leicht.

Die Statistik beleuchtet allerdings nur die menschlichen Unfallopfer, Max Siedentopf will auf die tierischen hinweisen. Er ist ein Künstler, geboren in Windhoek, Namibia, aktuell lebt er in Amsterdam. Dort ist Siedentopf für seine neue Serie "Roadkill Trophies" an einem sonnigen Nachmittag durch die Straßen gezogen und hat Autos mit ausgestopften Tieren präpariert.

"Niemand scheint sich viele Gedanken über überfahrene Tiere zu machen", sagt Siedentopf. "Ich fand das schade." Also erwarb Siedentopf Jäger-Trophäen im Internet. Er sammelte die ausgestopften Köpfe zweier Hirsche, eines Fuchses, eines Frettchens und eines Fasans sowie ein Eichhörnchen. Dann setzte Siedentopf die Tiere auf die Motorhauben von sechs Autos und fotografierte sie. "Die Serie gedenkt der Tiere genau auf dem Objekt, das ihr Leben genommen hat", sagt er.

Totes Reh am Straßenrand
DPA

Totes Reh am Straßenrand

Die Anzahl der Wildunfälle ist in Deutschland zuletzt deutlich gestiegen. Neben den Zusammenstößen mit Personenschaden gibt es extrem viele Fälle, die glimpflicher ausgehen - zumindest für den Menschen. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtshaft (GDV) kam es 2015 insgesamt zu etwa 263.000 Unfällen mit Rehen, Wildschweinen und anderem Wild. Alle zwei Minuten gab es demnach im Jahr 2015 einen entsprechenden Vorfall auf deutschen Straßen. Einen so hohen Wert hatte es zuvor noch nie gegeben. Aktuellere Zahlen sind noch nicht verfügbar.

Das heißt, dass auch viele Tiere zu Schaden gekommen sind. Siedentopf will sie ins Bewusstsein rücken. Die nicht ganz ernstgemeinte Herangehensweise ist typisch für den Künstler. Vor zwei Jahren montierte er Tuningteile aus Pappe an Autos, diesmal wählte er bewusst einen etwas morbiden Ansatz: "Ich glaube, dass Humor - auch wenn er ein wenig schwarz ist - Themen in ein neues Licht setzen und sie damit für ein größeres Publikum zugänglich machen kann", sagt er. Die Reaktionen waren allerdings nicht nur positiv, auch im persönlichen Umfeld des Künstlers: "Meine Freundin ist Veganerin. Sie war nicht gerade begeistert."

Siedentopf hat selbst bereits mehrere Unfälle mit Tieren persönlich erlebt. Wirklich aufmerksam wurde er auf die Problematik aber eher durch das Zusammenspiel von Erfahrungen aus Afrika und Europa. Als Siedentopf in Namibia aufwuchs, stieß er immer wieder auf ausgestopfte Tiere. Dabei handelte es sich meist um "Trophäen von Antilopen und Leoparden, die zur Beute europäischer Jäger wurden". Als er dann nach Europa kam, sah Siedentopf tote Tiere nur noch in Gräben oder am Rinnstein entlang von Landstraßen. Die beiden Erfahrungen haben ihn dazu inspiriert, seine Eindrücke auf eine neue Art zu kombinieren.

Wirkungslose Schutzmaßnahmen, Autofahrer in der Pflicht

Um Wildunfälle zu verhindern, wurden bereits zahlreiche Maßnahmen ausprobiert. Dazu zählen zum Beispiel Duftbarrieren, optische und akustische Reflektoren oder Warnschilder. Die Sicht der Fahrer sollte außerdem verbessert werden, indem Pflanzenbewuchs am Waldrand zurückgeschnitten wurde. Nach einer Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer hat allerdings keine dieser Vorkehrungen wirklich geholfen.

Deshalb sind vor allem die Fahrer in der Pflicht, das sieht auch Siedentopf so: "Es liegt an uns, die Augen offen zu halten und vorauszuschauen", sagt er: "Egal, wie viele Mauern und Zäune gebaut werden - Tiere werden immer einen Weg finden, Landstraßen zu überqueren, weil sie Tiere sind."

Einige Tipps können Autofahrern im Notfall helfen: In Waldgebieten und auf Strecken mit Warnschildern sind sie angehalten, besonders aufmerksam zu sein und gegebenenfalls die Geschwindigkeit anzupassen. Läuft ein Tier dann tatsächlich auf die Fahrbahn, gilt: Fernlicht ausschalten und hupen, um das Tier nicht zu blenden und zu verscheuchen. Droht eine unmittelbare Kollision, sollte der Fahrer allerdings gefährliche Ausweichmanöver vermeiden, das Lenkrad gut festhalten und bremsen. Nach einem Zusammenstoß sind Fahrer verpflichtet, die Polizei zu rufen. Sollte keine Meldung erfolgen, ist das ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
felisconcolor 10.05.2017
1. Glaubt
der Künstler das es so toll ist einen Wildunfall zu haben? Mir ist einmal eine Ricke vors Auto gesprungen, konnte gerade noch bremsen und sie huschte vorbei. Dummerweise kam noch das Kitz hinterher. Es war einer der besch... Momente in meinem Autofahrerleben.
zalog70 10.05.2017
2. Meisterwerk!
Was für ein tolles Kunstprojekt!
j1958 10.05.2017
3. Gleiches Recht für alle
Hat schon mal jemand der vielen Mücken, Käfer, Fliegen und Spinnen gedacht, die jedes Jahr gedankenlos zerquetscht werden? Wie muss sich eine Spinne fühlen, deren einziges Verbrechen darin bestand, im Kinderzimmer an der Decke aufzutauchen? Vielleicht könnte man ihre misshandelten Körper sammeln und dann in große Acrylblöcke giessen um ihr Andenken zu wahren.
waldschrat_17 10.05.2017
4.
Die Ursachen für die hohe Zahl der Wildunfälle lassen Künstler und Autor leider unbeleuchtet. Neben der vielfach 'unangepassten Geschwindigkeit' - also der Raserei - auf Landstraßen ist der Neu- und Ausbau von Landstraßen Ursache für die hohe Zahl von Kollisionen mit Wildtieren. Der Einsatz von blauen Reflektoren ist durchaus sinnvoll. Deren Wirksamkeit wurden in Versuchen bestätigt. Insbesondere wenn die Reflektoren zusammen mit Duftstoffen zur Vergrämung eingesetzt werden Am den Versuchsstrecken sanken die Unfallzahlen um bis zu 80 %. Ein Lob an die Jäger: Vielfach setzen diese Reflektoren auf eigene Kosten an den Straßenrand. Übrigens ist das Tier mit dem kleinen Geweih kein Hirsch sondern ein Rehbock, die kleinste europäische Hirschart.
Wicked 10.05.2017
5. Die
Selten so eine uninspirierte Umsetzung einer vermeintlich künstlerischen Idee gesehen. Einfach nur schlecht gemacht.
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