Wo fahren Spaß macht: Durch die Heimat des Highlanders

Von Tom Grünweg

"Es kann nur einen geben" - mit diesem Spruch ist der Kinoheld Highlander in Erinnerung geblieben. Noch einprägsamer als das Säbelrasseln des Protagonisten Connor MacLeod war jedoch die schottische Landschaft. Ab Glasgow gibt es eine phänomenale Rundstrecke durch diese Kulisse.

Die Wolken hängen tief, der Regen schnürt vom Himmel und das sonst satt strahlende Grün Schottlands wirkt fahl in dieser nassgrauen Welt. Leider machte sich bei unserer Tour durch die Highlands die Sonne rar. In der Toskana oder in der Provence würden Autowanderer angesichts dieser Witterung mit dem Schicksal hadern. Aber hier, knapp zwei Flugstunden nördlich von London, gehört das schlechte Wetter zum guten Ton. Schon Connor MacLeod, der diesen Landstrich als "Highlander" im gleichnamigen Fantasyfilm in die Köpfe der Generation Golf brachte, focht seine Kämpfe nicht bei Sonnenschein, sondern oft genug im strömenden Regen. Dann wirkt die Landschaft noch rauer als sie ohnehin schon ist.

Am besten erschließt man sich die Region mit einer Autowanderung, die von Glasgow in einem großen Bogen nach Norden führt und rund 300 Kilometer lang ist. Man schafft diese Runde locker an einem Tag. Doch wer gelegentlich einen Stopp einlegt, ein wenig an den Ufern der zahlreichen Lochs verweilt oder gar eine Bootstour machen möchte, ist mit ein, zwei Übernachtungen während der Tour besser beraten. Nur dann kann man auch einer weiteren Versuchung nachgeben, die allerorten am Wegesrand lauert: dem schottischen Whisky.

Die Tour beginnt beispielsweise - für Neuankömmlinge ideal - am Flughafen von Glasgow und führt von dort aus auf der A 82 geradewegs nach Norden. Vom Straßenkürzel darf man sich nicht täuschen lassen: Eine Autobahn nutzt man auf der gesamten Strecke nirgends. Stattdessen geht es auf einer gut ausgebauten Landstraße erst einmal am Loch Lomond entlang. Mit einer Länge von 24 Meilen und einer Breite von bis zu fünf Meilen ist er der größte See in Schottland. An seinen Ufern und auf den knapp 40 Inseln sind mehr als 200 Arten von Wildvögeln beheimatet - für ornithologisch Interessierte ist allein das schon eine Reise wert.

Ein Panorama wie in den Alpen - und doch ganz anders

Doch uns ruft die Heimat des Highlanders. Deshalb geht es weiter nach Norden, wo sich die Straße am Ende des Sees in weiten Serpentinen nach oben schwingt, so dass man sich beinahe in den Alpen wähnt. Ganz so hoch geht es hier zwar nicht hinauf, doch öffnet sich nach dem Aufstieg das Panorama von Glencoe. Und dieses Hochtal kann es mit dem schroffen Reiz einer Alpenlandschaft locker aufnehmen.

An den Rändern thronen hohe Berge, die selbst im Mai noch eine Schneekappe tragen, die Hänge sind erst steil, dann sanft, und mitten hindurch zieht sich eine breite Ebene von karger Schönheit, auf der vor dem geistigen Auge Schwerter schwingende Männer im Kilt zum Kampf gegen den Feind aufmarschieren oder Elfen dahinschwirren. Das kommt nicht von ungefähr, schließlich wurden hier fast alle Hollywoodfilme mit schottischem Einschlag gedreht. Tatsächlich allerdings erkennt man zwischen Hochmooren und Seen allenfalls ein paar verspätete Skifahrer, viele Wanderer und vor allem Schafe.

Lange Geraden und Serpentinen in hübschem Wechsel

Je weiter man auf der A 82 erst nach Norden, dann nach Westen und am Ende wieder nach Norden rollt, desto enger wird das Tal von Glencoe, bis es sich durch eine enge Schlucht hinunter zum Loch Leven stürzt. Nach langen Geraden und sanft geschwungenen Kurven folgen nun wieder Haarnadelkurven, die Auto und Insassen in feinem Rhythmus wieder zurück auf Meereshöhe bringen.

Unten verlässt man die A 82 Richtung Süden und folgt auf dem Weg nach Oban den Ufern des Loch Linnhe, in dem bereits Meerwasser schwappt. Ein paar Meilen später liegt rechterhand, zwischen Straße und See, ein kleiner Pavillon mit Museum, Souvenirladen und vor allem einem gemütlichen Café, von dem aus man einen wundervollen Ausblick auf die Burgruine im Wasser hat.

Für Whisky-Kenner ein Begriff: der Ort Oban

Nach der Pause geht es noch eine gute halbe Stunde weiter Richtung Oban, bevor man kurz vor der Küsten-Metropole auf die A 85 trifft und wieder ins Landesinnere abbiegt. Durch ein ähnlich schönes Tal wie das von Glencoe geht es wieder in die Highlands hinauf. Die eben noch breite und gut ausgebaute Straße wird erneut eng und schmal, und die Radien der Kurven werden kleiner und kleiner. Dabei schlägt die Route einen Haken um Loch Awe, wo man die A 85 verlässt und abbiegt zum Örtchen Inveraray am Loch Fyne. Zu Fuße des Schlosses der Herzöge von Argyll hat sich dieses Dorf fein herausgeputzt und lädt mit einem kleinen Hafen und vielen Cafés zu einem weiteren Zwischenstopp. Vielleicht kann man sogar draußen sitzen - falls das Wetter zwischendurch mal mitspielt.

Von Inveraray ist es dann nur noch ein Katzensprung zurück zum Loch Lomond und zurück nach Glasgow. Und wenn man dort nach knapp 300 Kilometern vielleicht zum ersten Mal den Scheibenwischer abschaltet, weiß man auch, warum Schottland so grün ist: Weil es so viel regnet.

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