Wohnkabinen für Pick-ups Leben auf der Ladefläche

Wohnwagen oder Wohnmobil - vor dieser schwierigen Entscheidung stehen viele Camper. Das Beste aus beiden Möglichkeiten bieten Pick-ups mit Wohnkabinen. Kein Wunder, dass das Angebot an solchen Huckepack-Häuschen wächst.

BIMOBIL

Von Matthias Kriegel


Mit dem Wohnmobil nach Korsika fahren, Bett, Küche und Bad auf dem Campingplatz abstellen und trotzdem noch ein Auto zur Verfügung zu haben, mit dem man die engen Bergstraßen erklimmen kann - das geht. Pick-ups mit Wohnkabinen auf der Ladefläche verbinden die Vorteile von Wohnmobilen und Wohnwagen und eliminieren ihre Nachteile: Sie bieten Kompaktheit und Komfort eines Wohnmobils und zugleich die Flexibilität eines Wohnwagengespanns. Ein Vorteil den immer mehr Camper für sich entdecken. Die Folge: Die Pick-up-Reisemobile werden immer beliebter.

40.500 neue Reisemobile wurden im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft - ein Rekordwert. Pick-ups mit Wohnkabinen auf der Ladefläche sind in diesem Markt noch ein Nischensegment, doch auch die Beliebtheit von Wohnaufsätzen wächst. "Die Nachfrage ist historisch gut", sagt Peter Tischer, Inhaber des 1973 gegründeten Herstellers Tischer Freizeitfahrzeuge aus dem bayerischen Kreuzwertheim.

Die Vorteile liegen auf der Hand - oder besser gesagt: auf der Pritsche. Denn viele der Huckepack-Wohnungen sind nicht fest am Fahrzeug fixiert. Am Zielort angekommen lassen sich diese Varianten dann auf Stelzen absetzen. Auf ihren Beinen werden sie dann so lange in die Höhe gefahren, bis der Pick-up darunter herausfahren kann. Er steht dann am Urlaubsort als Auto zur Verfügung.

Einfach mal abladen

Allerdings müssen je nach Größe und Gewicht der Kabine Anpassungen am Fahrwerk vorgenommen werden, etwa durch den Einbau einer Luftfederung. Dann kann man den Pick-up selbst mit Penthouse auf der Pritsche noch als solchen benutzen und durch unwägbares Gelände wie Schotterpisten oder Flussläufe fahren.

Üblicherweise sind die Huckepack-Wohnkabinen durch einen separaten Eingang (seitlich oder am Heck) zugänglich. Dahinter findet sich dann alles, was fürs Roadtrip-Leben gebraucht wird: Eine Küchenzeile mit Gasherd, Kühlschrank und Staufächern für Lebensmittel; ein Mini-Bad mit integrierter Dusche, Warm- und Abwasser-Tank; eine Sitzgruppe für vier Personen, die mit wenigen Handgriffen zur Liegefläche umgebaut werden kann; und im Alkoven - der kleinen Koje über dem Fahrerhaus des Pick-ups - ein Doppelbett. Einige Modelle verfügen sogar über einen kleinen Durchgang zur Fahrerkabine oder über ein ausklappbares Dach, das für eine bequeme Stehhöhe im Wohnabteil sorgt. Fahrräderträger lassen sich anbauen, Surfbretter oder Kajaks können auf dem Dach transportiert werden. Auch eine Markise oder Dachbox kann angebaut werden.

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Wohnkabinen für Pick-ups: Die Huckepack-Häuser

Früher bestimmten wenige Hersteller wie Tischer oder Bimobil (gegründet 1977 in Oberpframmern, Bayern) den hiesigen Wohnaufsatz-Markt. Inzwischen ist das Angebot allerdings deutlich größer. Nicht zuletzt die Entscheidungen von VW und Mercedes, mit dem Amarok (seit 2010) und der X-Klasse (seit 2017) eigene Pick-up-Modelle anzubieten, eröffnete eine neue Käuferklasse. "Die Pick-ups haben sich vom Lkw zum Lifestyle-Fahrzeug entwickelt", sagt Arno Klenkhart, Geschäftsführer von Wohnkabinen-Hersteller Geocar aus Traiskirchen in Österreich. "Das kommt uns natürlich sehr zugute." Die Zahlen belegen das. Wurden vor rund zehn Jahren noch weit weniger als 10.000 Pick-up-Neuzulassungen pro Jahr in Deutschland verzeichnet, dürfte sich diese Zahl bis 2020 nahezu verdoppeln.

Ähnliche Optik, unterschiedliche Konstruktion

Auch Geocar gehört zu den etablierten Kräften in der Branche, die etwa ein knappes Dutzend Wohnkabinen-Hersteller im deutschsprachigen Raum umfasst. "Ich sehe uns nicht als Konkurrenten", sagt Klenkhart, "wir haben einfach alle die gleiche Leidenschaft." Harter Wettbewerb kann bei der aktuell hohen Nachfrage ohnehin kaum entstehen. Bei den meisten Herstellern müssen die Kunden derzeit mit Lieferzeiten zwischen vier und zwölf Monaten rechnen - je nach Extrawünschen. Lediglich das Wohnkabinencenter in Gevelsberg, ein Mehrmarken-Wohnkabinen-Vertrieb und Anbieter von Marken wie Nordstar und Fourwheelcampers, hat die Huckepack-Häuschen auf Lager.

Äußerlich ähneln sich die Produkte der Hersteller, allein schon wegen der Ähnlichkeiten der Fahrzeuge, für die sie konzipiert sind. In der Produktion aber werden verschiedene Wege eingeschlagen. So wird bei Bimobil die komplette Ladefläche demontiert und die Kabine auf einen extra angefertigten Zwischenrahmen aufgesetzt. "Dadurch bieten unsere Wohnkabinen mehr Stauraum, mehr Komfort und ein besseres Fahrverhalten durch den niedrigeren Schwerpunkt ", preist Geschäftsführer Stefan Christner seine Produkte. Wird die Wohnkabine am Urlaubsort abgesetzt (der Ab- oder Aufbau dauert bei den meisten Modellen rund 20 Minuten), kann die an den neuen Zwischenrahmen angepasste Ladefläche wieder als Pritsche genutzt werden.

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Campingbusse: Alternativen zum VW-Bulli

Fast alle anderen Hersteller setzen die Kabine auf die vorhandene Ladefläche auf. Und wie bei Bimobil kann auch bei fast allen Herstellern zwischen absetzbarer und fest fixierter Kabine gewählt werden. Zwar ist man mit letzterer nicht so flexibel wie mit den abnehmbaren Varianten, doch auch sie bieten Vorteile, wie Ulrich Gehrke-Hoog vom 2013 gegründeten Hersteller Gehocab aus dem niedersächsischen Evessen berichtet. "Die Fahreigenschaften sind bei fixierten Kabinen im Gelände deutlich besser", sagt er.

Einfach unverwüstlich

Tatsächlich findet sich die Kombination aus Huckepack-Kabine und 4x4 Pick-up relativ häufig - viele diese Kunden fahren wohl auch gern abseits befestigter Pisten. Die Firma des Ex-VW-Managers Gehrke-Hoog bietet beispielsweise ausschließlich Aufbauten für den VW Amarok an.

Schnäppchen sind viele der angebotenen Kabinen aber nicht. Durch den Einsatz von Karbon spart beispielsweise Gehrke-Hoog nach eigenen Angaben rund 300 Kilogramm Gewicht ein. Damit bewegt sich Gehocab aber auch an der oberen Preisgrenze, mindestens 134.000 Euro kostet so ein Wohnaufsatz.

Gebrauchte Wohnaufbauten hingegen sind ab circa 5000 Euro erhältlich. Die Neupreise schwanken - je nach Bauart, Modell und Ausstattung - zwischen 16.000 und 80.000 Euro - ohne Fahrzeug. Wer maximale Flexibilität wünscht, lässt sich das was kosten. "Außerdem sind die Kabinen sehr langlebig", ergänzt Jens Heidrich vom Wohnkabinencenter. "Die Kabine kann von Pick-up zu Pick-up mit umziehen. Ich kenne Kunden, die ihre vor 15 Jahren gekaufte Wohnkabine noch immer nutzen - inzwischen auf dem dritten Pick-up."



insgesamt 61 Beiträge
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thequickeningishappening 05.01.2019
1. Noe
Großes Zelt, aufblasbare Matratze, Minifridge und Aircon. Passt alles ins Auto. Geschirr braucht's auch nicht viel bzw. man geht ins Restaurant. Das Zelt ist in 20 Minuten auf bzw. abgebaut. So Ein Pick-up ist teuer , unhandlich und frisst Sprit. Die Caravan Parks haben außerdem geräumige Cabins. Kommt Alles billiger.
browserhead 05.01.2019
2. Outdoor-Erlebnis?
Dass ich nicht lache, wer outdoor will, der schmeißt sein Zelt in den Bully und los gehts. Mich wundern diese fahrbaren Wohnzimmer in Schleiflack-Optik - möglichst noch mit Duschkabine. Im Gegensatz zu den wunderbaren "outdoor"-Motiven der Werbephotos, sieht die Realität - mittlerweile fast überall in Europa ganz anders aus: einfach campen verboten. Also auf den Campingplatz, das hat mit outdoor so viel zu tun wie Autofahren im Dauerstau - aber richtig solche realitätsnahen Bilder verkaufen ja keinen Traum von Freiheit. Und dann soll die Kiste mal locker 50, 80 oder 120 k-Euro kosten, außerdem müssen wir sie den Rest des Jahres noch unterstellen und einen Pickup kaufen: der ist super umweltfreundlich, familienpraktisch und damit kann man toll die Natur offroad umpflügen. Camping machen solche Naturisolationszellen kaputt, aber es liegt voll im Trend mit solchen Zweitwagen-Trumms Freiheit in Massenhaltung zu erleben. Wenn so eine Kiste mit fahrbarem Untersatz also rund 150 k Euro kostet hat der outdoor Abenteurer die Welt schon dreimal umrundet, wenn das Ding noch nicht mal vom Hof ist.
hzj 05.01.2019
3. Bekennender Wohnkabinenfahrer mit kleiner Leichtbaukabine
Ich fahre mit Pickup und Wohnaufbau seit 2002. Mit dem Landcruiser HZJ79 plus fest montierter Innovation-Campers Kabine ab Mitte 2003 ein Jahr in Australien, selten auf Straßen, meist auf Tracks im Outback. Und seitdem auch in Europa, natürlich auf legalen befahrbaren Wegen, aber gerne an Stellen, wo weder SUV mit Caravan noch VW Synchro hin fahren können und wo es wenig oder keine Infrastruktur gibt, so dass ich auch niemanden störe. Unterwegs ergeben sich immer wieder nette Kontakte mit freundlichen Menschen, die mit einem herkömmlichen Reisemobil auf üblichen Urlaubsstrecken nie entstanden wären. Seit 2011 fahre ich eine leichte, flache Popup Kabine von Four Wheel Campers, zunächst auf einem Ranger, dann auf einem Navara. 8 Wochen in die Sahara ist gerade in Planung und 3 Monate Schottland kommen in 2020. Sobald Toyota oder Mitsubishi einen Hybrid Pickup rausbringen, steige ich darauf um. as ist zunächst mal umweltfreundlicher und wir können auch weiter nach Asien, als es mit einem Euro 5/ 6 Diesel möglich ist. Denn Benzin bekommt man weltweit, Euro Diesel und Adblue aber nicht. Erschreckend finde ich übrigens die maßlose und rational völlig unbegründbare Verdammung von Urlaubsformen, wie sie in den ersten 2 Beiträgen gleich geäußert wird. Mit einer großen Tischer oder Bimobil Kabine riskiere ich allerdings auf Feldwegen einen Rahmenbruch und bei 3m Höhe und knapp 2,50m Breite ist der PU dann kaum mobiler, aber viel enger als ein vergleichbar langes, breites und hohes Wohnmobil.
klartext2 05.01.2019
4. Wer es glaubt zu
brauchen .... Es gibt echte „Outdoorer“, denen reicht für eine Weltumrundung ein Fahrrad. Das ist anzuerkennen. Alles andere nur Show und Dekadenz.
28zwei27 05.01.2019
5. Ein sehr guter Artikel
Ein sehr guter Artikel. Sachlich, informativ und auch die Photostrecke ist stimmig. Danke, Herr Kriegel - eine erfreuliche Ausnahme bei SpOn. PS: Den Kritikern und Erbsenzählern die den Urlaub im Zelt empfehlen, sei gesagt, dass die Lektüre des Artikel nicht verpflichtend ist - und sie das Thema verfehlt haben.
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