Wohnmobil-Miete Zuhause auf Zeit

Im Bulli nach Frankreich, Italien oder gleich um die ganze Welt - viele träumen von einer Campingreise auf vier Rädern. Doch die Anschaffung eines Wohnmobils ist kostspielig. Die Lösung: ein Fahrzeug auf Zeit.

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Schiebetür auf, Gepäck rein, Abfahrt. Losfahren, sich treiben lassen, irgendwo da, wo es schön ist, den Wagen abstellen. Diesen Traum von Freiheit, vom Kurzurlaub vom Alltag und sei es nur für ein Wochenende verbinden viele Menschen mit einem Wohnmobil oder einem VW-Bus.

Ein ziemlich teurer Traum: Wer sich 2017 in Deutschland ein Wohnmobil kaufte, blätterte im Schnitt 71.000 Euro hin. Selbst die Einstiegsmodelle sind mit Preisen ab rund 40.000 Euro alles andere als billig. Gebrauchte Wohnmobile sind natürlich günstiger zu haben. Doch am günstigsten, und das nicht nur finanziell, ist ein anderes Modell: die Miete eines Wohnmobils.

Denn Freude bereitet der Camper ja vor allem im Urlaub. An allen anderen Tagen belastet er: Da sind die Unterhaltskosten, außerdem braucht man einen Stellplatz, idealerweise einen trockenen. Und Service und Wartungsarbeiten strapazieren die Nerven. Hier ist das Mietfahrzeug ganz klar im Vorteil: Nach dem Urlaub kann man ihn einfach wieder abgeben und ist alle Sorgen los. Ein weiteres Plus des Mietmodells: Wohnmobil-Neulinge können erst einmal Erfahrungen sammeln, ob ihnen diese Reiseform überhaupt zusagt, ohne sich gleich ein fahrbares Haus ans Bein zu binden.

Natürlich fällt auch für Miete eines Wohnmobils, beispielsweise bei einem zweiwöchigen Urlaub, schnell eine vierstellige Summe an. Aber: "Wenn man ein Wohnmobil weniger als sechs Wochen pro Jahr nutzt, dann wäre aus rein wirtschaftlicher Betrachtung eher eine Miete empfehlenswert", definiert Maxi Hartung vom ADAC die Vernunftgrenze für die Anschaffung eines eigenen Wohnmobils.

Miet-Camper bieten viele Vorteile

Kein Wunder also, dass sich immer mehr Menschen für die Anmietung eines Reisemobils entscheiden. Rund jedes vierte neu zugelassene Campingmobil geht inzwischen ins Vermietgeschäft. Die Anzahl an Reisemobil-Vermietern wächst.

Bei "Ahoi Bullis" aus Hamburg lässt sich der Boom gut nachvollziehen. 2015 startete die Firma mit sechs Fahrzeugen. Heute sind es 50 plus zwei Ersatzfahrzeuge. "Wir könnten unsere Flotte noch vergrößern, haben uns aber bewusst dagegen entschieden, da wir dann den persönlichen Kundenkontakt nicht mehr halten könnten", sagt Geschäftsführer Johannes Vieten.

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Bei den Hamburgern beginnt das Vermietgeschäft nämlich in der Regel mit etlichen Fragen. "Ist das ihre erste Reise mit einem Wohnmobil?" ist nur der Startpunkt für eine intensive Beratung, die die zehn Mitarbeiter des Unternehmens - allesamt selbst reiseerfahrene Camper - ihren Kunden bieten. "Wir verbringen 80 Prozent unserer Zeit mit der Tourenplanung für unsere Mieter ", sagt Vieten. So können auch Camper ohne Vorerfahrung klassische Anfängerfehler vermeiden. Die Tagespreise bei Ahoi-Bulli richten sich nach Modell, Mietdauer und Jahreszeit und liegen zwischen 85 und 140 Euro pro Tag.

Wer schon ein Wohnmobil besitzt, kann trotzdem vom Boom des Mietmodells profitieren. Mit "Paul Camper" gibt es eine Sharing-Plattform für Wohnmobile. Auf ihr können Privatpersonen ihr Reisemobil zu einem selbst gewählten Preis an Interessierte vermieten. Für die Vermieter hat das den Vorteil, dass sich Geld verdienen lässt, während der Camper sonst in der Garage stehen würde. Die Mieter wiederum haben eine Auswahl an verschiedenen Fahrzeugen und können sich genau das aussuchen, was zu ihnen passt. Während die meisten Mietmobile nämlich Einrichtungen von der Stange bieten, werden über die Sharing-Plattform Fahrzeuge mit teils sehr liebevoll gestalteten Individual-Ausbauten angeboten.

Hersteller werden zu Vermietern

Versichert sind die Fahrzeuge dabei über "Paul Camper" oder über den Vermieter. Die Preise pro Tag starten hier schon bei rund 40 Euro. Wettbewerber wie "Campanda", "ShareACamper" oder der französische Sharing-Anbieter "Yescapa" bieten ähnliche Vermiet-Konzepte an.

Wo ein Markt boomt, sind auch die traditionellen Hersteller nicht weit, auch die Pkw- und Caravan-Hersteller haben längst das Vermietgeschäft für sich entdeckt. So bietet beispielsweise VW eigene Campingbusse auf Basis des T6 zur Miete an. Wer sich in die Anfangszeiten des Campings zurücksehnt, als die Deutschen Ende der Fünfzigerjahre mit Kocher, Kind und Kegel im Bulli über den Brenner zuckelten, kann sich bei VW sogar den Ur-Bulli T1 mieten. Auch Mobile der Baureihen T2 und T3 sind buchbar.

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Der Caravanhersteller Hymer wiederum vermietet Reisemobile über das Tochterunternehmen McRent an 28 Stationen in Deutschland und 63 weiteren Niederlassungen im Ausland. Auch die Caravanfirma Knaus Tabbert betreibt mit Rent-and-Travel einen eigenen Vermiet-Fuhrpark.

Sparer mieten, Liebhaber kaufen

Von der wachsenden Beliebtheit der Mietmobile profitieren interessanterweise auch Menschen, die nicht mieten wollen, sondern kaufen. Weil viele Vermietfirmen ihre Reisemobile nach einer Saison wieder abstoßen, gibt es einen stetigen Zufluss zum Gebrauchtmarkt.

Tatsächlich haben wohl auch viele Mieter schon geheime Kaufabsichten: "Etwas mehr als die Hälfte aller Kunden kommt zu uns, weil sie ein ernsthaftes Kaufinteresse haben und das Fahrzeug vorher testen wollen", sagt Vieten von Ahoi Bulli. Nach einer Saison seien die Fahrzeuge durchschnittlich 30.000 Kilometer gefahren und deutlich günstiger als in einer Neuanschaffung.

Wer erste Erfahrungen sammeln und Geld sparen will, dem bietet ein Bulli auf Zeit somit viele Vorteile. Doch eines bekommt man bei keinem der Verleiher: das Gefühl des eigenen Bullis, der Geschichten von vielen schönen Urlaubsmomenten erzählt. Und in den man jederzeit seine Reisetasche werfen und so lange unterwegs sein kann, wie man will.

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Judex non calculat 07.02.2019
1. Teuerer Spaß
So ist es, die hohen Preise für einen VW-California, ob neu oder gebraucht, sind das Problem. Glücklich, wer in in sich (schon) leisten kann, während die Kinder (noch) nicht aus dem Haus sind.
Sibylle1969 07.02.2019
2.
Ich kann den Reiz einer Reise mit dem Wohnmobil nachvollziehen, aber selbst Mieten ist ein teurer Spaß. Für den Preis kann man in der Regel auch in ein gutes bis sehr gutes Hotel gehen. Und wenn man sich anschaut, was 20 Jahre alte gebrauchte WoMos kosten und was diese an Sprit verbrauchen, dann ist selbst die Variante Gebrauchtwohnmobil noch ziemlich teuer.
abocado 07.02.2019
3. Übergewicht ist doof
Vor allem Neuanfänger übersehen dieses Problem. Ein 4-Personen Alkovenmodell wiegt leer oft schon 3100-3200 kg. Es ist fast immer nur für 3500 kg zugelassen, damit die vielen B-Führerscheininhaber auch mieten können. Die 4 Personen bringen 300 kg im Schnitt auf die Waage. Sie wollen Gepäck mitnehmen. Da reichen nicht 20kg je Person, weil man im Flieger keine Campingstühle, keine Fahrräder und keinen vollen Kühlschrank mitnimmt. Auch 100 Liter Wasser erkennt der PKW-Reisende oder der Fluggast nicht als Problem. Er hat es nicht dabei. Die Norm verlangt als Mindestgepäck lächerliche 100-120 kg für 4 Personen. Das ist ein Witz für Camper! Wollen wir mal rechnen? Problem erkannt, wird aber leider unter der Decke gehalten. Die Strafen, vor allem im Ausland, sind drakonisch!
p2063 07.02.2019
4. nicht wirklich 40€
also möglich vielleicht, aber was bekommt man da für eine abgewohnte Ranzbude bei der man Angst haben muss, dass sie auf den ersten 300km auseinander fällt weil alles nur noch von Rost zusammen gehalten wird und es fragwürdig ist wie das Teil überhaupt durch die HU gelangen konnte. Ein einigermaßen ordentliches gewartetes und gepflegtes Wohnmobil kostet auch bei den Privatvermittlungen deutlich über 100€/Tag. Ich hab selbst für den kommenden Sommerurlaub eins gesucht und bin zum Schluss gekommen, dass man mit einer professionellen Wohnmobilvermietung sogar günstiger fährt!
cabeza_cuadrada 07.02.2019
5. Vergleich
Zitat von Sibylle1969Ich kann den Reiz einer Reise mit dem Wohnmobil nachvollziehen, aber selbst Mieten ist ein teurer Spaß. Für den Preis kann man in der Regel auch in ein gutes bis sehr gutes Hotel gehen. Und wenn man sich anschaut, was 20 Jahre alte gebrauchte WoMos kosten und was diese an Sprit verbrauchen, dann ist selbst die Variante Gebrauchtwohnmobil noch ziemlich teuer.
Wer Urlaub mit einem Wohnmobil finanziell mit einem Hotelurlaub vergleicht hat es scheinbar nicht begriffen warum Leute Campingurlaub machen. Scheint bei manchen immer noch als "arme Leute Urlaub" zu gelten. Genauso könnte man die Kosten für einen schönen Kamin mit den Kosten die Heizung auf 5 zu drehen vergleichen. Es gibt auch Leute die kaufen sich ein Fahrrad das mehr kostet als ein Motorroller. Ist doch irre, oder?
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