World-Solar-Challenge Das Rennen der Null-Liter-Autos

Es ist eines der härtesten Rennen der Welt und gleichzeitig fast vollkommen lautlos: Im australischen Darwin starteten mehr als 40 Solarmobile zu einer wagemutigen Fahrt quer durch den Kontinent - eine Belastungsprobe für Menschen und Material.

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Die Strecke wäre schon mit einem normalen PKW eine Tortur: 3000 Kilometer quer durch das australische Outback, von Darwin im Norden bis nach Adelaide im Süden führt das Rennen. Doch die Teilnehmer müssen die Route unter erschwerten Bedingungen zurücklegen: Ausschließlich mit Sonnenkraft dürfen ihren Fahrzeuge betrieben werden.

Eben dieser Umstand ist es, der den Rennfahrern einiges an Kondition abfordert. Da logischerweise nur am Tage gefahren werden kann, heizen sich die Cockpits der Leichtbau-Vehikel enorm auf. Mit Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius müssen die modernen Wagenlenker klarkommen. Auf einen kühlenden Luftstrom können sie dabei nicht hoffen, die Fenster sind in der Regeln nicht zu öffnen, der besseren Aerodynamik wegen. Das energiefressende Klimaanlagen kein Thema sind, versteht sich von selbst.

Aerodynamik und Effizienz gehen vor Komfort

Denn bei der Konstruktion ihrer Solarmobile legen die Entwickler nur auf drei Dinge wert: geringes Gewicht, geringen Luftwiderstand und möglichst viel Fläche für Solarzellen. Der Komfort des Piloten hat sich diesen Regeln gnadenlos unterzuordnen.

Ohnehin werden die Piloten unterwegs auf Komfort verzichten müssen. Gefahren wird so lange, bis die Sonne nicht mehr genug Kraft hat, das Gefährt anzutreiben. Wo auch immer den Solar-Flitzern der Saft ausgeht, müssen sie und ihre Teams anhalten und bis zum nächsten Tag campieren.

Und auch unterwegs werden die Fahrer mit etlichen Gefahren und Unwägbarkeiten konfrontiert. Schließlich sind sie nicht auf einer gesperrten Rennstrecke, sondern auf dem Stuart Highway unterwegs. Den müssen sie sich mit normalen Pkw und den gewaltigen "Road-Trains", Lastwagen im XXL-Format, teilen. Zudem müssen die kleinen leichten Fahrzeuge während ihrer Tour durch Australiens "rotes Zentrum" mit plötzlichen Wüstenwinden und Kängurus auf der Fahrbahn fertig werden.

Teilnehmer aus aller Welt

"Die Fahrer werden dabei so oft wie möglich zwischen 90 und 100 Kilometer pro Stunde fahren, obwohl die meisten Wagen auch schneller könnten", sagt Rennkoordinator Chris Selwood. Doch bei diesem Rennen gehe es eben nicht in erster Linie um Geschwindigkeit. Selwood: "Es geht vielmehr um Energieeffizienz und -management."

Dementsprechend viel Arbeit stecken die aus aller Welt anreisenden Teams in Entwicklung und Verfeinerung ihrer abgasfreien Rennbolidchen. Kein Wunder also, dass viele der teilnehmende Teams von Universitäten rund um den Globus ausgeschickt werden. Auch ein Team aus dem Senegal ist in diesem Jahr dabei.

Als Favoriten gelten jedoch die Niederländer. Deren Nuon Solar Team konnte das Rennen schon dreimal in Folge für sich entscheiden. Ihre Bestzeit und gleichzeitig der Streckenrekord: 29 Stunden und elf Minuten.

Immer hart am Tempolimit

Ob das Rennen in diesem Jahr allerdings wieder so gut für die Niederländer läuft, ist fraglich. Denn auch das Wetter kann den Hightech-Sportfahrern einen Strich durch die Rechnung machen. "Der Tag fing sonnig und schwül an, aber dann begannen sich Wolken zu bilden", berichtet Chris Selwood. Doch in solchen Wetterkapriolen sieht er kein ernsthaftes Problem: "So weit es mich angeht, ist das nur ein weiteres Teil im Spiel."

Doch auch ohne störende Wettereinflüsse gab es schon kurz nach Rennbeginn die ersten Probleme. So stieß bereits wenige Kilometer hinter der Startlinie das Rennmobil der University of Michigan mit seinem Versorgungsfahrzeug zusammen. Verletzte habe es dabei freilich nicht gegeben und das Team ist hoffnungsfroh, bald wieder in das Rennen eintreten zu können, berichtet Reuters.

Große Chance, nach einer solchen Zwangspause noch auf einen der vorderen Plätze fahren zu können, haben die Amerikaner freilich nicht. Wie alle Teilnehmer müssen sie sich streng an die australischen Tempolimits halten. Und die legen glasklar fest: Im Norden des Landes ist bei Tempo 130 Schluss, im Süden gar schon bei 110 km/h. Deshalb wird die Veranstaltung wohl auch nicht offiziell als Rennen bezeichnet. Schließlich geht es bei der World Solar Challenge nicht ums Rasen, sondern ums Ankommen, und das ganz ohne CO2- oder andere die Umwelt schädigende Emissionen.



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