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Zehnganggetriebe von VW: Jetzt wird's zweistellig

Von Jürgen Pander

Zehngang-Getriebe von VW: Die Getriebenen Fotos
VW

Seit Jahren überbieten sich die Autohersteller in der Getriebetechnik: Jeder will noch einen Gang zulegen. Die Führung hat jetzt VW übernommen - mit einer Zehngangautomatik, die bald in Serie gehen soll.

In der Autoindustrie findet ein Wettrüsten statt: Die Hersteller überbieten sich gegenseitig darin, wer das gangreichste Getriebe baut. 2003 brachte VW erstmals ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) auf den Markt; im gleichen Jahr noch wurde es von Mercedes mit einer Siebengangautomatik übertrumpft; 2009 erhöhte BMW mit einer Achtgangautomatik den Einsatz; 2013 setzten dann Land Rover und Mercedes mit jeweils neun Gängen eine neue Marke.

Jetzt legt VW erneut einen Gang zu: mit dem weltweit ersten Zehngang-DSG.

DQ511 lautet das Kürzel der Neuentwicklung, das nach VW-Angaben Drehmomente bis 550 Newtonmeter verkraftet und in allen Fahrzeugtypen eingesetzt werden kann, die auf dem modularen Querbaukasten (MQB) des Volkswagen-Konzerns basieren - also in den Massenmodellen VW Golf und VW Passat, aber auch in einem Sportwagen wie dem Audi TT.

Das klingt zunächst mal nach einer technischen Meisterleistung. Aber macht es nun wirklich einen Unterschied, ob ein Auto sieben oder zehn Gänge hat - oder ist das große Gängemenü eher eine Marketingnummer? Und wird es als nächstes Elf-, Zwölf- oder 13-Ganggetriebe für Pkw geben?

VW bekämpft mit dem zehnten Gang ein teures Problem

"Getriebe mit mehr Gängen sind im Prinzip technisch sinnvoll", sagt Peter Tenberge, Professor für Industrie- und Fahrzeugantriebstechnik an der Ruhr-Universität Bochum. Tenberge weiß, wovon er spricht, er promovierte mit einer Arbeit über die "Wirkungsweise von stufenlosen Getrieben" und hat mehr als 140 Patente in diesem Bereich angemeldet.

Je mehr Gänge vorhanden sind, erklärt Tenberge, desto größer könne die Übersetzung des ersten Gangs gewählt werden. Und je größer die Übersetzung des ersten Gangs, desto weniger Energie werde im sogenannten Anfahrelement vernichtet. Anders gesagt: Die Kupplung wird weniger heiß. "Überhitzte Kupplungen können vor allem für Autos, die in warmen Ländern lange unterwegs sind, wie in vielen asiatischen Metropolen, zum Problem werden", sagt der Professor.

Bei VW kennt man dieses Problem nur zu gut: Die Wolfsburger mussten im vergangenen Jahr rund eine halbe Million Autos in China, Japan und Australien wegen überhitzter und damit schadhafter Doppelkupplungsgetriebe zurückrufen. Mit dem neuen Zehngang-DSG könnten solche Pannen vermieden werden.

Vorteile beim Verbrauch und für Hybridmotoren

Eine möglichst große Übersetzung des ersten Gangs entlastet laut Tenberge aber nicht nur die Kupplung. Bei Hybridantrieben könne beispielsweise auch ein kleinerer Elektromotor eingesetzt werden, weil dank der Übersetzung trotzdem genug Drehmoment an den Rädern ankomme. Umgekehrt gilt für den höchsten Gang: Je kleiner die Übersetzung, desto effizienter fährt das Auto bei schneller Geschwindigkeit. "In den späten Achtzigerjahren rotierte die Kurbelwelle bei Tempo 100 auf der Autobahn mit etwa 3000 Umdrehungen pro Minute. Heute braucht sie nur noch die Hälfte oder noch weniger", sagt Tenberge. Das spart Sprit und senkt den CO2-Ausstoß.

Die Zehngang-Schaltbox von VW benötigt nach Angaben des Herstellers nicht mehr Platz als das bisherige Siebengang-DSG und ist nur fünf Kilo schwerer, wiegt also jetzt insgesamt rund 95 Kilogramm. Der Grund: Das neue Getriebe kommt ohne zusätzliche Zahnradpaare aus, es gibt lediglich zwei neue Schaltelemente und ein Rücklaufrad. Ein VW-Ingenieur spricht von "intelligenter Umlenkung" innerhalb des bestehenden Räderwerks.

Nachteil einer solchen komplexeren Zahnradkombination sind normalerweise höhere Reibungsverluste. Dieses Problem wollen die Wolfsburger jedoch mit einer neuen Oberflächenbeschichtung der Zahnräder, reibungsreduzierten Lagern und der Verwendung eines verbesserten Leichtlauföls in den Griff bekommen haben.

Es hat sich fast ausgespreizt

Durch eine weitere sogenannte Spreizung des Getriebes - also einem größeren Verhältnis der höchsten zur niedrigsten Übersetzung - sollen jetzt die von Tenberge genannten Vorteile zur Geltung kommen: Mehr Kraft beim Anfahren in den ersten beiden Gängen und weniger Spritverbrauch im zehnten Gang.

Das Wettrüsten könnte trotzdem bald ein Ende haben. Denn irgendwann stehen die Nachteile immer schwererer und komplizierterer Getriebe nicht mehr im Verhältnis zu den Vorteilen, die dadurch erzielt werden.

Tenberge hält die Getriebetechnik in Sachen Verbrauchsersparnis deshalb für nahezu ausgereizt - und spricht sich stattdessen für eine Hybridisierung aus: "Ich persönlich würde ein Achtganggetriebe favorisieren und in den dadurch gewonnenen Platz eine E-Maschine packen. Das bringt insgesamt mehr Fahrspaß und Effizienz."

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insgesamt 141 Beiträge
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1. Richtig : Eine weite Spreizung der Übersetzung ....
kenterziege 25.11.2014
....hat Vorteile. Es geht um die Reduzierung der Drehzahlen bei hohen Geschwindigkeiten und natürlich, wie hier beschrieben um einen ganz kurzen ersten Gang, damit die "Anfahrkupplung" geschont wird. Aber wieso 10 Gänge. Würden es nicht 7 Gänge mit einem hydraulischen Drehmomentwandler auch tun? Könnte man doch im Prinzip auch mit einem Direktschaltgetriebe verbinden. Subaru hat das bei einem CVT-Getriebe realisiert - und zwar besser, als Audi mit der Multitronik. Nichts ist besser für "weiches" Rangieren am Berg oder in einer engen Garage, als ein hydraulischer Wandler. So ein Teil habe ich in meinem 40 Jahre alten Opel: Weicher geht es nicht!
2. Lebenslange Garantie!
ironassi 25.11.2014
Ein DSG Getriebe kommt mir ohne lebenslange Garantie nicht ins Auto. Vielleicht schaut man sich zum Vergleich mal ein Prius Getriebe an, das kommt mit geschätzten 1-2% der Teile aus: http://www.priuswiki.de/index.php?title=PSD
3. Kalter Kaffee.
RSchubi 25.11.2014
Das ist alles kalter Kaffee. Der niederländische Hersteller DAF baute in den 60er Jahren in seine Autos Transmissionsgetriebe ein, die stufenlos arbeiteten. Das führte dazu, daß diese Autos rückwärts genauso schnell fahren konnten wie vorwärts. Es gab auch keine Abstufungen wie bei normalen Getrieben, es ging stufenlos. Gut, es war ein Transmissionsgetriebe und damit kein "echtes" Schaltgetriebe, aber der Gedanke der stufenlosen Übersetzung ist schon gut.
4. besser ein franz. Patent aus 1988
paula_f 25.11.2014
Direktschaltgetriebe sind aufwendig und gehen kaputt wie auch manchmal Wandlergetriebe oder stufenlose Getriebe wie die Schubgliederkettengetriebe. Einfacher, besser und völlig robust sind Planetengetriebe bei denen zwei Motoren (Verbrenner und Elektromotor) gleichzeitig im Eingriff sind. Und Variation der Drehzahlen der Elektromotors wird eine stufenlose Übersetzung mit weiter Entfaltung erreicht. Der Erfinder geht leer aus, Toyota und Lexus bauen diese Getriebe in ihre Hybridautos ein. Sauerei! 1. Getriebe zur automatischen Variation des Transmissionsverhältnisses, insbesondere für Fahrzeuge, mit einem Zahnradgetriebe (7, 8, 11; 7a, 7b, 8a, 8b, 11a; 7c, 7d; 34, 36) zwischen einer Eingangswelle (1) und einer Abtriebswelle (14), das wenigstens ein Zahnrad (7; 7a, 7b, 7c, 7d), das zur Kraftverteilung zwischen der Abtriebswelle (14) und einem Gleichgewichts-Teilsystem (16), das mit einem im Allgemeinen von der Drehgeschwindigkeit der Abtriebswelle (14) verschiedenen Geschwindigkeit rotiert, angeordnet ist, und außer dem Zahnrad (7; 7a, 7b) eine weitere Einrichtung (18; 27, 28, 29; 44) zur Abnahme von Nutzenergie von dem Gleichgewichts-Teilsystem (16) aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass die durch das Gleichgewichts-Teilsystem gebildete Belastung in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit und der Beschleunigung ständig im Verhältnis zur in Abhängigkeit von Geschwindigkeit und Beschleunigung durch die Abtriebswelle ausgeübten Belastung gehalten wird.
5. Niemand braucht dass-besser Automatik!
capitain_future 25.11.2014
Was soll dass für eine Service Qualität sein noch seine Füße für Gänge schalten zu benutzen im Zeitalter des Computers?? Wird Autofahren zu Sport Programm ala Fahrrad Fahren? wer braucht ein 7,10,oder 66 Gangschaltungs Getriebe wenn es Automatik gibt! Ich finde es als Belästigung im Auto noch Gänge einlegen zu müssen,wenn per Automatik einfach GAS gebe und dass wars!! Beim Fahrrad Fahren verstehe ich es noch,das Gänge eingelegt werden müssen,da kein Platz ist für Keilriehmen ala Motorrad. Nur bei einen Auto das 10 oder 20.000 Euro kostet habe ich echt keinen Bock,noch über Fussarbeit nachzudenken.
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