Zurück in die Elektroauto-Zukunft Blackout auf Rügen

Mit großer Geste kündigen VW, Mercedes und BMW jetzt Feldtests mit Elektroautos an - ein Déjà-vu: Schon vor 15 Jahren testeten die deutschen Hersteller in einem Großversuch auf Rügen diverse Stromer. Und versenkten die Ergebnisse dann in der Schublade.

Von Jürgen Pander


Deutschlands Automanager wirken in diesen Tagen geradezu wie - nun ja, elektrisiert.

"Die Zukunft gehört dem Elektroauto", sagt VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Das Elektroauto sei "ein ganz wichtiger Baustein künftiger Mobilität", sekundiert Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche.

Es ist wie in einer Zeitschleife. Ähnliche Statements verbreitete die deutsche Autoindustrie schon Anfang der neunziger Jahre.

Damals schlossen sich BMW, Mercedes, VW, Opel und einige andere Unternehmen für den weltweit größten Feldversuch in Sachen Elektromobilität zusammen. 60 Fahrzeuge mit Elektroantrieb, vom 3er BMW über Mercedes 190, vom VW Caravelle bis zum Neoplan-Bus absolvierten auf der Insel Rügen von 1992 bis 1995 rund 1,3 Millionen Testkilometer.

"Wir haben alles unter die Lupe genommen", sagt Christian Voy, der das Projekt damals leitete und heute als Berater und Honorarprofessor für Fahrzeugtechnik an der Uni Hannover arbeitet. Das Thema Elektroauto war damals ebenso en vogue wie heute. Umweltministerin Angela Merkel und Forschungsminister Heinz Riesenhuber knüpften hohe Erwartungen an das Projekt. Manfred Kanther (alle CDU), Innenminister von 1993 bis 1998, gab das Ziel aus, mindestens zehn Prozent aller neu zugelassenen Kraftfahrzeuge sollten im Jahre 2000 Elektroautos sein. Von den rund 60 Millionen Mark Gesamtkosten des Rügen-Versuchs kamen etwa 22 Millionen aus der Staatskasse.

Gute Reichweiten, durchwachsene Ökobilanz

"Der Großversuch sollte dem Elektroauto einen Schub verleihen", sagt Voy. Nach seiner Darstellung waren die Ergebnisse vielversprechend. "Es wurden unterschiedlichste Batterietypen getestet, es gab Schnellladesysteme, bei denen nach einer halben Stunde die Batterien wieder voll waren - und die Autos kamen auf tägliche Reichweiten von 80 bis 150 Kilometern, manche sogar auf mehr als 300 Kilometer."

Pressevertreter und Autohersteller waren nicht ganz so begeistert. "Von acht Testfahrzeugen war bei meinem unangemeldeten Besuch auf Rügen gerade mal ein einziges verkehrstüchtig", erinnert sich der Journalist Franz Rother.

Ein weiterer Grund für die mangelnde Begeisterung: Der Strom für die Elektroautos kam damals zu einem erheblichen Teil aus Kohlekraftwerken. In die Ökobilanz der Fahrzeuge wurde der Schadstoffausstoß der Stromproduktion eingerechnet. "Die Kritiker nahmen den damaligen Strommix in Deutschland und errechneten daraus Nachteile für das Elektroauto gegenüber Pkw mit Benzin- oder Dieselantrieb", sagt Projektleiter Voy.

Entsprechend landeten die meisten Ergebnisse nach dem Ende des Großversuchs in der Schublade - rückblickend möglicherweise ein Fehler.



Forum - Gehört die Zukunft dem Elektroauto?
insgesamt 4471 Beiträge
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Parzival v. d. Dräuen 26.07.2008
1.
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Soweit ich das beurteilen kann, schon. Hauptkritik am Individualverkehr war ja immer, dass da eine riesige Blechdose, tonnenschwer, durch die Stadt bewegt wird, damit mehrheitlich nur eine Person von A nach B gelangt. Und der relativ günstige Spritpreis hat es eben möglich gemacht. Jetzt, wo die Preise vielen ein gehöriges Loch in den Beutel reißen, beginnen die Leute nach Alternativen zu suchen. Schon heute wäre es möglich, in Leichtbauweise und breiter ästhetischer Palette Fahrzeuge herzustellen, die mit Elektromotor einen Aktionsradius von um die 120 KM haben. Ein Verbundsystem von Aufladestationen, ein Akku-Management, z. Bsp. auf Pfandbasis, würden auch die stete Verfügbarkeit von Energie gewährleisten. Durch neue Materialien sind die Elektromotoren leistungsfähiger und bei gleicher Leistung um die Hälfte kleiner geworden. Die Akku-Technik, sowie die marktdeckende Produktion wären in kurzer Zeit zu realisieren. Bei den E-Motoren selbst ist natürlich auch der Drehmoment unschlagbar. Daneben noch Hybrid-Systeme, die Energie speichern. Zusätzlich werden die Elektro-Autos schon in der Produktion weniger kapital-, energie- und fertigungsintensiv. Ein Viersitzer dürfte im Wesentlichen aus Kunststoffen gefertigt werden und um die 500-600 Kilogramm wiegen. Und auch bei der eingebaute passiven Sicherheit, die in den letzten Jahrzehnten eher einem Aufrüsten glich, kann reduziert werden. In den Städten entstehen durch viele kleinere Autos wahrscheinlich Parkraumüberschüsse, die Lärmbelästigung verringerte sich immens und die Luftqualität auch.
Andreko, 26.07.2008
2.
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Schwierig zu sagen. Ich denke das der hohe Ölpreis dazu führt, dass das Angebot an Öl ausgeweitet wird z.B. durch Kohleverflüssigung oder gänzlich neue Technologien wie diese http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,561833,00.html Dann könnte uns der Verbrennungsmotor noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Sehr langfristig gesehen (30 Jahre oder mehr) könnte das E-Auto wirklich eine Alternative werden, aus heutiger Sicht sind die Elektroautos aber noch weitgehend praxisuntauglich und deshalb werden sie sich so schnell nicht durchsetzen.
Norbert Rost 26.07.2008
3. Verkehrskonzepte
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Sicherlich wird Elektro künftig eine größere Rolle spielen als Öl, Peak Oil ( http://www.peak-oil.com/ ) wird dafür sorgen. Zweifel sind aber angebracht: Wie schnell geht die Entwicklung neuer Motoren, Versorgungsnetze und vor allem Speichern? Wahrscheinlicher ist doch, daß wir unsere Art Verkehr zu betreiben grundlegend überdenken. Es ist hochgradig ineffizient, wenn fast jeder Bürger ein Auto besitzt, da es überwiegend rumsteht und Platz wegnimmt. Das Teilen von Ressourcen könnte künftig ebenso wichtig werden wie eine Einstellungsänderung zu Mobilität und vor allem Reise-Geschwindkeit. Da gabs in der Zeit mal ein sehr schönes Interview mit Prof. Knoflacher (Wien): http://www.zeit.de/2007/38/Interv_-Knoflacher?page=all Dem öffentlichen Verkehr dürfte eine Renaissance bevorstehen. Und das Nachdenken über neue Versorgungsstrukturen wird hoffentlich ebenfalls bald beginnen. -- Zukunftsfähig Wirtschaften? http://www.regionales-wirtschaften.de
alpas 26.07.2008
4. Eine GROSSE Chance allemal – wegen :
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Grundenergieform-Unabhängig : Die Energiezwischenform Elektrizität wird (bereits) durch alle möglich (und unmöglichen) Grundenergieformen (CO2-behafete, und –unbehaftete) generiert und verteilt – auch wenn der Verteilungswirkungsgrad noch zu wünschen lässt, was jedoch durch vermehrte Supraleitertechnologie noch erhebliches Verbesserungspotential hat (ev. damit sogar noch Speicher-/ Batterietechnologie verbessert wird). Verzögerungskraft gleich wieder zurück in die Batterie (nicht in Umwelterwärmung verpufft) . Die ganze Antriebstechnologie noch mit seinem (kleinen) Bruder Elektronik hervorragend zu optimisieren und automatisieren. Stecker rein – und los geht’s, in einem ungefährlichen Vehikel ! Oder, was denkt der Fachmann….. ?
Benjowi 26.07.2008
5. Der Wert eines Liters Flüssigkraftstoff......
Im Grunde erfährt man jetzt hautnah, wie wertvoll ein Liter Flüssigkraftstoff eigentlich ist, denn die Alternativen wie Elektroantrieb mit Akku oder auch mit Brennstoffzelle sind auch bei den hohen Preisen bei weitem noch nicht konkurrenzfähig. Und das, obwohl der eigentliche Elektroantrieb einem Verbrenner haushoch überlegen ist. Letztlich scheitert es -wie schon von Anfang an- an der Energiespeicherung: Selbst die zur Zeit besten und hochgelobten Li-Ionen Akkus haben noch um den Faktor 50 schlechtere Energieinhalte und auch die höheren Wirkungsgrade des E-Antriebs lassen diesen Nachteil noch bei etwa 1:10 bestehen. Darüberhinaus sind diese Akkus extrem teuer, es ist nicht bewiesen, wie lange sie wirklich standfest sind und darüber hinaus fehlt es auf der Erde schlicht an genügend Lithium, um nennenswerte Stückzahlen von Kfz damit auszustatten. Der Einsatz der Brennstoffzelle scheitert nach wie vor an -wenn auch kleiner werdenden- technischen Problemen, vor allem aber an den Kosten und der fehlenden Infrastruktur für Wasserstoff. Letztere ist extrem teuer und kaum kurzfristig erstellbar. Außerdem gibt es keine klimafreundliche und einsatzfähige Erzeugungsmöglichkeit für Wasserstoff. Somit wird es vermutlich zu Lösungen kommen, bei denen ein kleiner Verbrenner die mittlere benötigte Leistung erzeugt und über einen relativ kleinen Zwischenspeicher einem E-Antrieb zur Verfügung stellt. Dadurch kann man erhebliche Verbrauchsreduzierungen erzielen, die eigentliche Energiespeicherung erfolgt aber im Flüssigtreibstoff. Letzterer würde möglicherweise auch durch Kohleverflüssigung bereitgestellt werden. Aber auch diese Lösung steht und fällt mit einem kostengünstigen und standfesten Zwischenspeicher! Ansonsten aber wird der grösste Teil der Menschheit weiter uneingeschränkt mit Verbrennern fahren und Staaten wie Indien oder China werden sich durch die deutschen Verrenkungen zur Klimarettung garantiert nicht sonderlich beeinflussen lassen - es sei denn das Wasser steht ihnen buchstäblich bis zum Halse!
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