Von Jürgen Pander
Hinter dem neuen Auto stecke der Gedanke des "New Small", sagt Sueo Gouda, Honda-Projektleiter und einer der Väter des Jazz. Damit sei gemeint, erläutert Gouda, dass der Wagen in drei wesentlichen Kategorien neue Lösungen anbiete: Bei der Innenraumkonfiguration, bei der Crashsicherheit und beim Benzinverbrauch. Wer das Auto zum ersten Mal sieht, dem fällt zunächst die beinahe kantenfreie Form auf, die wiederum ein Produkt der "Zenshin"-Karosseriekonzepts ist. Frei übersetzt sei damit so etwas wie die "ganzheitliche Erneuerung" der Kleinwagen-Form gemeint.
Von außen sieht das wenig spektakulär aus. Ein bisschen so, als ob man aus dem größeren, siebensitzigen Honda Stream etwas Luft herausgelassen hätte. Im Innern des Jazz jedoch wird sofort klar, dass den Japanern hier ein außergewöhnliches Fahrzeug geglückt ist: Die Platzverhältnisse sind auf allen fünf Sitzen ausgezeichnet für ein Auto dieser Außenmaße (Länge 3,83 Meter, Breite 1,67 Meter), die große Kopffreiheit (Höhe 1,52 Meter) sorgt für ein gutes Raumgefühl. In Reihe zwei aber legt der Jazz richtig los.
Die Sitzbank ist im Verhältnis 2:1 geteilt und lässt sich so zusammenfalten, dass von der Heckklappe bis zu den Rückenlehnen der Vordersitze ein ebener, durchgehender Laderaum entsteht. Außerdem können auch die hinteren Sitzflächen an die Lehnen geklappt werden, was zum Beispiel den unkomplizierten Transport von bis zu 1,28 Meter hohen Gegenständen ermöglich.
Um so geschickt mit dem Innenraumvolumen umgehen zu können, mussten die technischen Komponenten buchstäblich an den Rand gedrückt werden. Der nur 42 Zentimeter lange und 79 Kilo schwere Vierzylinder-Motor zum Beispiel sitzt vorne quer unter der Haube und baut so dicht, dass der Vorderwagen schon aufhört, noch ehe er richtig begonnen hat.
Die Hinterachse duckt sich flach unter dem Ladeboden weg, obwohl ihr Federweg im Vergleich zum Vorgängermodell Logo größter wurde. Und, ganz wichtig: Der Tank wanderte vom Heck unter die Vordersitze. Dort sitzt er erstens sicher, stört zweitens nicht und ermöglichte drittens die Absenkung des Laderaumbodens um 22 Zentimeter (verglichen mit dem Logo), was dem Gepäckvolumen zugute kommt.
Wer mit dem Jazz fährt, erlebt ein munteres Auto, das beim Beschleunigen recht laut ist, sich sonst aber gesittet und problemlos verhält. Die Rundumsicht ist gut, das Handling bestens, was der Wendekreis von lediglich zehn Metern unterstreichen mag. Die Lenkung hinterließ einen etwas indifferenten Eindruck, das Fünfgang-Schaltgetriebe dagegen trat präzise und passend abgestuft auf.
Alles in allem fügen sich Karosserie und Motor recht gut zusammen - wir haben es sozusagen mit harmonischem Jazz zu tun. Es wäre auch fatal, wenn es anders wäre. Denn Honda wird für den Wagen keinen anderen Motor als den 1,4-Liter-Benziner anbieten. "Dazu besteht keine Notwendigkeit", sagt Unternehmenssprecher Jan Erren selbstbewusst. Denn das neu entwickelte Triebwerk biete ausreichend Leistung, sei ähnlich sparsam wie ein Dieselmotor und mit 134 Gramm Kohlendioxid-Emission je Kilometer auch äußerst abgasarm. Wie ist's möglich?
Honda nennt den Motor i-DSI, wobei das "i" für "intelligent" steht und die anderen drei Buchstaben für "Dual Sequential Ignition". Das bedeutet, dass in jedem Zylinderkopf zwei Zündkerzen stecken, die je nach Drehzahlsituation gemeinsam oder getrennt die Funken fliegen lassen. So lässt sich die Verbrennung des Treibstoffs besser kontrollieren und damit holt man einfach mehr Kraft aus dem Saft, um es salopp zu sagen. Also: Mehr Drehmoment und Pferdestärken bei geringerem Benzinverbrauch und Schadstoffausstoß.
Wie bei den Modellen Civic und Stream möchte Honda auch mit dem Jazz Bestmarken in punkto Crashsicherheit setzen. "Wir werden ziemlich komfortabel vier Sterne beim Euro-NCAP erreichen", prophezeit Honda-Mann Christoph Rust selbstsicher. Bei internen Test jedenfalls seien die entsprechenden Kriterien problemlos erfällt worden. Und auch an die Fußgängersicherheit ist dank nachgiebiger Motorhaube, Haubenscharniere, Scheibenwischerachsen, Kotflügel und Stoßfänger gedacht.
Honda bietet den Jazz ab 19. Januar in drei Ausstattungsversionen (S, LS und ES) an. Die Einstiegsvariante bietet für 12.535 Euro unter anderem elektrische Servolenkung, vier Airbags, elektrisch verstellbare Außenspiegel, höhenverstellbares Lenkrad und Colorverglasung. Beim LS (14.095 Euro) kommen Zentralverriegelung, höhenverstellbarer Fahrersitz, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Radio-CD-Spieler und eine Gepäckraumabdeckung dazu. Das Topmodell ES (15.120 Euro) hat dann auch noch hinten elektrische Fensterheber, 15-Zoll-Leichtmetallfelgen und in Wagenfarbe lackierte Türgriffe.
In Japan brach das Auto alle Rekorde, die bisher von neu eingeführten Wagen aufgestellt wurden. Die Wartezeit auf den kleinen Honda beträgt derzeit sieben Monate, was für dortige Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich ist. In Deutschland hegt Honda ebenfalls hohe Erwartungen, wenn auch auf einem ganz anderen Niveau. Im kommenden Jahr rechnet Honda mit 8000 verkauften Jazz-Exemplaren. In diesem Segment ist jetzt wirklich Musik drin.
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