Von Frank Wald
"Global Player" heißt das Ziel der Koreaner: "Bis 2010 wollen wir zu den Top-Five der Welt gehören", verkündet Kias Vizepräsident, Mark Juhn, selbstbewusst. Dazu soll in den nächsten Jahren die Modellpalette auf den neuesten Stand gebracht und weiter ausgebaut werden.
Der "Imageträger, der Kia in eine neue Dimension führen soll", ist der ab Ende Juli erhältliche Geländewagen Sorento. Für Kia-Deutschland-Geschäftsführer Matthias Heinz steht "das beste Pferd im Stall im Segment der Luxus-SUV im Wettbewerb". Die Konkurrenten heißen Mercedes M-Klasse, BMW X5 und Lexus RX 300.
Doch "entscheidend ist auf dem Platz". Und da möchte man nach den ersten Fahreindrücken den Koreanern raten, den Ball vielleicht doch etwas flacher zu halten. Immerhin, der erste Eindruck ist erfreulich "un-koreanisch": das Karosseriestyling glänzt mit dynamischen Linien und kompakten Formen. Die Frontansicht wird von einer hohen, V-förmig zulaufenden Motorhaube und trapezförmigen Kühlergrill mit Chromquerspange geprägt.
Die Seitenpartie mit der schwungvollen Fenster-Grafik, eingerahmt durch die schräge C- und einer schmalen D-Säule erinnert an Mercedes M-Klasse und Lexus RX 300. Von hinten fallen die ausgeschnittene Ladekante sowie die separat zu öffnende Heckscheibe ins Auge, was sowohl die Beladung größerer Gegenstände wie auch das Verstauen der Einkaufstüten erleichtert.
Auch der Innenraum vermittelt durchaus wohnliche Atmosphäre. Das in dezentem Grau-Schwarz gehaltene Cockpit ist übersichtlich gestaltet, die Skalen auf dem Kombiinstrument gut ablesbar. Auf der optinonal von zwei vertikalen Holzapplikationen eingefassten Mittelkonsole finden sich Drehregler und Drucktasten für Radio, serienmäßige Klimaanlage, Defroster für Front- und Heckscheibe, ein automatisch ausfahrendes Ablagefach, darunter ein Aschenbecher samt Zigarettenanzünder und ein Getränkehalter. Daneben ein zweigeteiltes, abschließbares Handschuhfach.
Nach koreanischen Maßstäben sicher alles ganz ordentlich, für den Premium-Anspruch wirkt das Plastik allerdings zu billig, die Alu- und Holzapplikationen zu dürftig und die Ablage- und Handschuhfach deckel zu klapperig.
Auch die Sitzplatzgestaltung wurde offenbar nach koreanischen Relationen vorgenommen. Zwar bietet der Sorento mit einen Innenraumlänge von 1,87 Meter vorne wie hinten reichlich Platz und Schulterfreiheit. Die Sitze selbst jedoch haben weder genügend Seitenhalt noch finden durch die hohe Anordnung, besonders auf den hinteren Plätzen, die Beine genügend Schenkelauflage.
Immerhin lässt sich durch Umlegen der asymmetrisch klappbaren Rückbank das Ladevolumen von 441 auf stattliche 1751 Liter vergrößern. Für kleinere Gegenstände gibt es dazu ein Unterflurabteil und ein großflächiges Kombinetz, das sich direkt über den Boden spannen lässt. Außerdem finden sich im gesamten Innenraum bis zu 33 Ablagen und Staufächer sowie drei 12-Volt-Anschlüsse zum Anschluss von Elektronik-Equipment.
Hinter dem Premium-Anspruch zurück bleibt der Sorento aber vor allem bei Fahrwerk und Antrieb. Zwar vermittelt der Wagen dank Einzelradaufhängung an der Vorderachse zunächst ein Pkw-artiges Handling. Doch insbesondere auf holperigen Streckenabschnitten und Autobahn-Querrillen verleidet die hintere Starrachse den Fahrkomfort.
Vom "Feintuning" der Spezialisten aus dem Porsche Entwicklungszentrum in Weissach ist jedenfalls nur wenig zu spüren. Auch der neu entwickelte Common-Rail-Diesel mit 2,5 Liter Hubraum, 103 kW/140 PS und 314 Newtonmeter Drehmoment hat mit dem rund zwei Tonnen schweren Wagen seine Mühe. Oberklasse ist dagegen das geringe Geräuschniveau. Dass dort ein Selbstzünder unter der Haube nagelt, ist kaum zu hören. Ab Herbst ergänzt Kia die Motorenpalette um einen 2,4-Benziner mit 102 kW/139 PS sowie einem 3,5-Liter-Sechszylinder mit 143 kW/195 PS Leistung.
Tatsächlich ganz nach vorn spielen kann schließlich auch dieser Kia sich nur in seiner Parade-Disziplin: beim Preis-Leistungs-Verhältnis. Bei 24.720 Euro für die LX-Grundausstattung können sich Konkurrenten und Interessenten nur die Augen reiben. Dafür erhält der Käufer unter anderem Fahrer- und Beifahrerairbags, Kopfairbags vorn und hinten, ABS, zuschaltbaren Allradantrieb mit Geländereduktion, 16-Zoll-Aluräder, Klimaanlage, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber vorn und hinten oder ein höhenverstellbares Lenkrad.
Die EX-Version für 26.970 Euro hat darüber hinaus permanenten Allradantrieb mit elektronischer Steuerung, Multimeter mit Kompass, Luftdruckanzeige, Höhenmesser und Außentemperaturanzeige in der Dachkonsole, Klimaautomatik sowie diverse Holz- und Alu-Verzierungen im Innenraum.
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