Fiat Ulysse: Mein erstes Auto

Von Jürgen Pander

Wenn es nach den Wünschen von Fiat liefe, würden die Babys der nächsten Jahre später mal erzählen: "Das erste Auto, in dem ich mitgefahren bin, war ein Ulysse." Die Italiener vermarkten ihren neuen Van als das Familienfahrzeug schlechthin.

Fiat Ulysse: Familienkutsche auf Italienisch
Zur Großansicht

Fiat Ulysse: Familienkutsche auf Italienisch

Zur Einführung des Ulysse auf dem deutschen Markt ließ Fiat einen Frankfurter Grundschüler zu den Buntstiften greifen. Heraus kam ein hübsches Kritzelbild mit der Krakel-Überschrift "Mama, Papa, Auto und ich". Wahrscheinlich werden viele Kinder den Ulysse wirklich mögen - allein schon, weil man ihn so einfach zeichnen kann.

Denn genau betrachtet sind Großraumlimousinen stets etwas füllige, schlicht geformte, kastenartige Fahrzeuge. Da machen auch die so genannten Euro-Vans keine Ausnahme. In dem Joint-Venture zwischen dem Fiat- und dem PSA-Konzern entstehen vier Fahrzeuge auf gleicher Basis: der Fiat Ulysse, der Lancia Phedra, der Peugeot 807 und der Citroën C8.

Unterscheidbar sind die Autos vor allem durch die unterschiedliche Gestaltung der Frontpartie und eine leicht differenzierte Positionierung im Markt der Multimobile. Fiat etwa verpasste dem Ulysse das bereits vom Stilo bekannte, neue "Markengesicht" mit der kantigen Kühlernase, den Klarglasscheinwerfern im Techno-Look und einer insgesamt sportlich-flotten Anmutung.

Fiat Ulysse: CD-Spieler und Klimaanlage in Basisausstattung
Zur Großansicht

Fiat Ulysse: CD-Spieler und Klimaanlage in Basisausstattung

Im Innern herrscht die von Vans dieser Art bekannte Variabilität. Vom Zwei- bis zum Achtsitzer können alle möglichen Konfigurationen durchgespielt werden. Die Sitze wiegen 18 Kilo, können also ohne schweißtreibende Kraftübungen ein- und ausgebaut werden. Darüber hinaus sind sie in Schienen verankert und können um insgesamt 15 Zentimeter vor- oder zurückgeschoben werden, was zusätzliche Beinfreiheit oder Ladekapazität schafft, ohne dass gleich der ganze Sitzplatz herausgerupft werden müsste.

"Unsere Zielgruppe sind vor allem junge, moderne Familien mit Kindern", sagt Fiat-Brandmanager Basilio Scelza. Und um diese Klientel zu überzeugen, dass es aus dem Euro-Van-Quartett ausgerechnet der Ulysse sein sollte, wurde an der Preisschraube gedreht. Die Folge: Der Fiat ist das günstigste Modell des Vierer-Kleeblatts. Bei 24.680 Euro beginnt die Preisliste der Italiener - das sind 570 Euro unter dem Nächstbilligen, nämlich dem Einstiegsmodell des Peugeot 807. Scelza glaubt, dass die Vermarktung über den Geldbeutel funktioniert. "Der Fiat-Kunde ist sehr preissensitiv", sagt er.

Fiat Ulysse: Zwei Diesel- und zwei Benzinmotoren im Angebot
Zur Großansicht

Fiat Ulysse: Zwei Diesel- und zwei Benzinmotoren im Angebot

Nicht gespart, das muss man den Italienern zugute halten, wurde an der Grundausstattung. Serienmäßig sind zum Beispiel ABS, ESP, Bremsassistent, Antischlupfregelung, sechs Airbags, fünf Einzelsitze, zwei seitliche Schiebetüren, Klimaanlage, CD-Musikanlage, Servolenkung, Nebenscheinwerfer und elektrische Fensterheber an den vorderen Türen an Bord. Insgesamt bietet Fiat für den Ulysse vier Ausstattungsvarianten an, wobei die speziell für Geschäftskunden ausgelegte Edelversion "Admiral" mit sechs Einzelsitzen, Tempomat, Parksensor und 16-Zoll-Rädern erst ab Januar 2003 verfügbar ist.

Zunächst sollen also ausschließlich Familien motorisiert werden. Vier Motoren, die allesamt von PSA stammen, sind dazu im Angebot. Zwei Benziner mit 136 und 204 PS (100 und 150 kW) sowie zwei Diesel mit 109 und 128 PS (80 und 94 kW). Bei ersten Testfahrten machte vor allem der 2,2-Liter-Commonrail-Turbodiesel mit FAP-Rußpartikelfilter eine prima Figur. Der Motor läuft angenehm unauffällig und bietet reichlich Drehmoment, um auch aus niedrigen Geschwindigkeiten zügig zu beschleunigen. Wer häufig mit voll besetztem Fahrzeug unterwegs ist, wird diese Durchzugskraft bald zu schätzen wissen.

Weil die Technik weitgehend vom Kooperationspartner PSA stammt, bemüht sich Fiat um Eigenständigkeit durch besondere Details. Etwa das Assistenz- und Telematik-System "Connect". Wird dieses Extra bestellt, werden 2150 Euro zusätzlich fällig. Man erhält dann ein Navigationssystem, einen CD-Wechsler, eine Freisprech-Telefonanlage und Zugang zu einem Call-Center. Durch Druck auf eine grüne Taste wird eine SMS in das Center in Arese bei Mailand abgesandt, wo 800 Leute arbeiten. Kurz darauf meldet sich eine Mitarbeiterin in der jeweiligen Landessprache (bei in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen also auf Deutsch). Und nun ist praktisch alles möglich: Ob Verkehrsinformationen, Hotel- oder Gastro-Tipps, Ausweichempfehlungen oder Fußball-Ergebnisse - aus dem Call-Center erhält man nach wenigen Minuten die gewünschten Informationen.

Um die Akzeptanz dieser Servicedienstleistung zu erhöhen, bietet Fiat Connect-Käufern zwei Jahre lang einen kostenlosen Call-Center-Zugang an. Danach kostet die Jahresgebühr 240 Euro. Vielleicht lässt sich dann auch abfragen, wie sich der Ulysse in Deutschland verkauft. Fiat möchte im kommenden Jahr 3500 Modelle hier zu Lande verkaufen. Das entspräche einem satten Wachstum, denn zuletzt fand der alte Ulysse nur noch rund tausend Käufer.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
alles aus der Rubrik Tests

© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


  • Datum: Freitag 20.09.2002 | 09:22 Uhr
  • Artikel drucken
  • Artikel versenden
  • Feedback

Fahrzeugschein

Hersteller: Fiat
Typ: Ulysse 2.2 JTD
Karosserie: Van/Kleinbus
Motor: Vierzylinder-
Commonrail-
Turbodiesel
Hubraum: 2.179 ccm
Leistung: 128 PS (94 kW)
Drehmoment: 314 Nm
Von 0 auf 100: 12,6 s
Höchstgeschw.: 182 km/h
Verbrauch (ECE): 7,4 Liter
CO2-Ausstoß: 196 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 324 Liter
umgebaut: 2.948 Liter
Versicherung: 19 (HP) / 33 (TK) / 23 (VK)
Preis: 29.900 EUR

Mehr auf SPIEGEL ONLINE

TOP



TOP