Von Jürgen Pander
Kia hat Großes vor. Im Verbund mit Hyundai möchten die Koreaner bis zum Jahr 2010 zu den größten fünf Automobilherstellern der Welt gehören. Bis 2005 soll das derzeit noch herrschende technische Dickicht der beiden Unternehmen auf acht gemeinsame Plattformen und zwölf Motoren gestutzt sein. Die ersten Modelle der Kooperation waren vor zwei Jahren die Zwillings-Limousinen Hyundai Sonata und Kia Magentis.
In diesen Tagen rollt bereits der überarbeitete Magentis zu den deutschen Händlern, dessen Name aus den Adjektiven "magnificent" (großartig) und "gentle" (sanft) zusammengesetzt ist. Von Bescheidenheit also keine Spur. Kia sieht sein derzeitiges Topmodell in einer Liga mit Opel Vectra, VW Passat, Mercedes C-Klasse, Ford Mondeo oder Renault Laguna. Die Kundschaft ist da offenbar skeptischer. In diesem Jahr wurden rund 1100 Exemplare in Deutschland verkauft, im nächsten Jahr sollen es 1200 vom neuen Auto werden. Den großen, von Kia prognostizierten Wachstumsschub müssen also andere Baureihen bringen. Dem Magentis fällt eher die Rolle als Imageträger zu.
"Mit dem Auto heben wir das Qualitätsimage von Kia auf die nächste Stufe", sagt Deutschland-Geschäftsführer Matthias Heinz. Tatsächlich ist die Anmutung der Limousine tadellos. Das Außendesign wirkt modern und gefällig. Eigenständig wird es durch eine Spur von amerikanischem Straßenkreuzer-Barock, der an dem auffälligen Chrom-Kühlergrill und dem ebenfalls chromverzierten Heck mit den aufwendig gestalteten Rücklichtern zum Vorschein kommt.
Im Innenraum geht es weit nüchterner zu. Das Cockpit - extrem schlicht. Die Mittelkonsole - sehr dezent. Die Oberflächen - überaus unscheinbar. Ja doch, es gibt Chrom- und Holzapplikationen, doch inmitten der trostlosen Kunststoffflächen wirken die wenigen netten Details verloren. Dafür beweisen die Kia-Entwickler Sinn für das Praktische: Am Lenkstockhebel gibt es zum Beispiel einen Druckknopf, um den Scheibenwischer bei Nieselwetter nur einmal auszulösen. Auf Anhieb kapiert man die Bedienung der serienmäßig installierten Klimaanlage. Und der schmale Schlitz an der Fahrer-Sonnenblende, in dem sich Parkhaus-Zettel aufbewahren lassen, ist ebenfalls eine gute Idee.
Richtig gut wird der Eindruck vom Kia Magentis, wenn das Auto fährt. Wir waren unterwegs mit dem Topmodell, das einen V6-Motor mit einer Viergang-Automatik kombiniert. Ein prima Reisewagen. Ruhig und sanft rollt der Magentis ab, das Fahrwerk bügelt Gemeinheiten der Straße aufmerksam weg. Beinahe unmerklich arbeitet auch das Automatikgetriebe, dessen Gangwechsel der Fahrer übrigens auch in einer manuellen Schaltgasse per Hand befehlen kann. Dies empfiehlt sich aber nur dann, wenn es auf kurviger Strecke sportlich vorangehen soll. Ansonsten beherrscht der Wagen die Rolle des ruhigen Gleiters am besten.
Bei der Ausstattung des stärksten Magentis bietet Kia alles auf, was in den Regalen verfügbar ist: ABS, elektronischer Bremsassistent, Traktionskontrolle, vier Airbags, Nebelscheinwerfer, 15-Zoll-Leichtmetallräder, einen elektrisch verstellbare Fahrersitz sowie eine Teilleder-Ausstattung. Einziges Extra für diesen Wagen ist eine Metallic-Lackierung, die den Preis um 360 Euro erhöht. Es geht natürlich auch magerer. Kia ist ja vor allem bekannt für sein "äußerst faires" (Geschäftsführer Heinz) Preis-Leistungs-Verhältnis. Und so steht das durchaus ordentlich ausstaffierte Magentis-Grundmodell mit Zwei-Liter-Vierzylindermotor (136 PS/ 100 kW) ab 17.990 Euro in der Preisliste.
Die Koreaner planen, weltweit rund 130.000 Magentis-Modelle pro Jahr zu verkaufen, knapp die Hälfte davon in den USA. Und das Aufbauprogramm von Kia geht forsch weiter. Im nächsten Jahr fährt die Oberklasse-Limousine Opirus vor, auf der IAA im September in Frankfurt werden vermutlich ein Kleinwagen (A-Segment) und ein Kompaktauto (C-Segment) Weltpremiere feiern. Neben den frischen Produkten soll die Kooperation mit dem Tennisstar und Steffi-Graf-Gatten Andre Agassi dem Image weiter auf die Sprünge helfen. Ebenfalls zu diesem Zweck wird für das Jahr 2004 über den Start eines Kia Sorento bei der Rallye Paris-Dakar nachgedacht. Kein Zweifel, Kia kommt.
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