Von Frank Wald
Innerhalb von nur drei Jahren hat es der von Allianzpartner Renault (hält 44,4 Prozent) bestellte Nissan-Chef, Carlos Ghosn, geschafft, das marode Unternehmen vollständig zu sanieren. Dabei profitierten die Japaner nicht nur von Investitionen und Management der Franzosen, sondern auch von deren technischem Knowhow, beispielsweise in Bezug auf Dieselmotoren. "Der europäische Dieselmarkt ist ein Wachstumsmarkt", weiß Carlos Ghosn. Und in dem wollen die Japaner eine wichtige Rolle spielen. "Während andere Anbieter ihre neuen Triebwerke erst für die nächsten Jahre planen, nutzen wir sofort die Vorteile unserer Allianz mit Renault", sagt Ghosn.
So rühmt sich Nissan, mit der Einführung der neuen Selbstzünder in diesem Frühjahr, die "umfangreichste Diesel-Palette aller Japaner" zu haben. Was auch wieder nicht so bemerkenswert ist, weil es streng genommen lediglich drei Dieselaggregate unterschiedlicher Größe und Leistung sind , die in Nissans Pkw-Palette, die wiederum nur aus den drei Baureihen Micra, Almera und dessen Van-Ableger Tino sowie Primera besteht, eingesetzt werden. Die beiden kleineren mit 1,5 Liter und 1,9 Liter Hubraum stammen von Renault, das Top-Triebwerk mit 2,2 Liter ist Nissans eigene Kreation. Alle arbeiten mit Common-Rail-Technik der neuesten Generation und warten mit dementsprechendem Durchzug auf. Allerdings alle auch nur mit der Euro-3-Abgasnorm. Ob sie die Kundschaft überzeugen können, muss sich erst rausstellen.
Das gilt vor allem für den Einsatz im Micra, für den Nissan sich einen Anteil von 10 bis 15 Prozent erhofft. Doch Kleinwagenfahrer, meistens jüngere Kunden, die den Wagen vorwiegend auf kürzeren Stadtstrecken nutzen, haben es in der Regel nicht so mit Dieselmotoren. Zumal der Einstiegspreis für den Diesel-Micra mit 12.500 Euro im Vergleich zum gleich starken Benziner auch noch 1300 Euro höher liegt.
Fahrtechnisch ist gegen den neuen Selbstzünder nichts zu sagen. Der 1,5-Liter-dCi macht mit seinen 65 PS (48 kW) und 160 Newtonmeter Drehmoment aus dem Micra einen flinken Flitzer, der sowohl im Stadtverkehr als auch auf der Landstraße durch sein agiles Vorwärtskommen überzeugen kann. Der kleine Motor bewahrt dabei außerdem eine angenehme Laufruhe - solange er nicht zur Höchstleistung getrieben, sprich auf der Autobahn über die 150 km/h-Marke gehetzt wird. Wem das nicht reicht, kann ab September eine dank Ladeluftkühlung auf 82 PS (60 kW) erstarkte Variante gleichen Hubraums erwerben.
Diese wird bereits seit Dezember 2002 im größeren Bruder Almera als Einstiegsmotor eingesetzt. Ergänzt wird die Dieselpower des Kompaktmodells jetzt durch den Nissan-eigenen 2,2-Liter-dCi-Motor in zwei Leistungsstufen. Der schwächere Teil des Diesel-Duos leistet 112 PS (82 kW) und 248 Newtonmeter Drehmoment, der stärkere Teil bringt über ein serienmäßiges Sechsganggetriebe 136 PS (100 kW) und 304 Newtonmeter Drehmoment auf die Straße.
Mit identischen Motoren und Leistungsstufen ist auch die Kompaktvan-Variante Almera Tino ab sofort unterwegs. Damit beschleunigt der variable Van in 12,2 Sekunden beziehungsweise in der stärkeren Ausführung in 10,5 Sekunden auf 100 km/h und erreicht ein Spitzentempo von 168 km/h beziehungsweise 187 km/h. Neben der neuen Motorisierung wurde auch der Innenraum des Tino im neuen Modelljahr leicht aufgemöbelt. So gibt es nun auch hier das Primera- und Almera-bekannte N-Form-Bediensystem mit dem mittigen Farbdisplay, auf dem neben Daten des Bordcomputers und des Audio- und Heizlüftungssystems auch das Bild der (in Ausstattungsversion acenta und tekna) serienmäßigen Rückfahrkamera abgebildet wird. Außerdem neue Polsterstoffe, Schalthebelknauf in Alu-Optik, Leder/Alcantara-Ausstattung für den Almera Tino tekna. Der Diesel-Einstieg beginnt mit dem Almera Tino visia 2,2 dCi (112 PS) und Fünfgang-Schaltgetriebe bei 19.240 Euro. Der Top-Diesel mit 136 PS und Sechsganggetriebe startet eine Ausstattungslinie höher bei 21.970 Euro.
Zu guter Letzt profitiert auch das Mittelklassemodell Primera von der Diesel-Offensive. Zu der bereits vorhandenen Einstiegsmotorisierung 1,9 dCi (120 PS/ 88 kW) von Renault gesellt sich ebenfalls der 2,2-Liter-Common-Rail-Diesel, der dank höherem Einspritzdruck, geändertem Turbolader sowie größerem Ladeluftkühler von 126 PS auf jetzt 139 PS erstarkte. Auch das maximale Drehmoment wuchs noch einmal von 280 auf 314 Newtonmeter. Damit wird der Diesel-Primera nun 203 km/h schnell und erreicht in 9,8 Sekunden aus dem Stand die Hunderter-Marke.
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