Von Jürgen Pander
Zuerst ein Kompliment an Bertone. Für ein Auto, das hinreißend aussieht und beweist, dass ein moderner Windkanal und durchschnittlich begabte Designer eben nicht ausreichen, um wirklich tolle Karosserien zu modellieren. Zum Dank und als Gütesiegel befestigt Alfa an jeder GT-Flanke ein kleines Emblem mit der Aufschrift "Disegno Bertone". Bevor wir die Schwärmerei beenden, nur noch drei kurze Anmerkungen: Von vorne wirkt die Kombination aus schildförmiger Kühlernase (genannt "scudetto"), schmalen Scheinwerfern und gepfeilter Motorhaube sehr sportlich. Von der Seite wirken die eingebuchtete Taille des Wagens und die gestreckte Dachlinie sehr elegant. Von hinten bleibt das Auge an den Bananen-Rücklichtern hängen.
Jetzt aber zurück in die weniger schicke Realität. Die Neuzulassungen von Alfa Romeo sackten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2002 um erschreckende 20 Prozent. Fest steht: Am Aussehen liegt es nicht. Es bleibt also: Alles andere, was ein Auto ausmacht und Kunden zufrieden stellt.
Vielleicht kann der neue GT da ein bisschen was tun. Beim ersten Kennenlernen in diesen Tagen in Bremen, wo der Wagen offiziell vorgestellt wird, machte er jedenfalls einen durchweg ordentlichen Eindruck. Der Innenraum sitzt, typisch Alfa, knapp wie ein Maßanzug, wirkt aber gut verarbeitet und fein eingerichtet. Was uns fehlte, war eine vernünftige Ablagemöglichkeit für die üblichen Utensilien, die man als Autofahrer so dabei hat, eine logischer aufgebaute Bedienung der serienmäßigen Zweizonen-Klimaanlage und eine bessere Sicht nach hinten.
Alfa preist den Wagen als 2+3-Sitzer, wobei auf den Fondplätzen das Platzangebot stark eingeschränkt ist und Erwachsene nur auf kürzeren Strecken halbwegs bequem unterkommen. Erstaunlich ist dagegen das Kofferraumvolumen, das je nach Stellung der geteilten und umklappbaren Rücksitzbank zwischen 320 und 905 Litern variiert. Der Autourlaub zu zweit wäre damit gerettet.
Und wie fährt er sich nun? Nicht schlecht. Einstiegsmotor ist vorläufig, ehe am Jahresende ein 1,8-Liter-Benziner für knapp 25.000 Euro angeboten wird, ein Zwei-Liter-Benzin-Direkteinspritzer mit 165 PS (122 kW) Leistung. Mit diesem Auto waren wir unterwegs. Die Maschine läuft ein wenig rau und klingt ein bisschen heiser - also genau so, wie Alfisti es mögen. Vor allem aber ist der Motor drehfreudig und kraftvoll, ohne durch Nervosität oder übertriebene Muskelspielereien zu nerven.
Erschrocken haben wir uns erst, als der Bordcomputer nach der Testrunde einen Durchschnittsverbrauch von 11,4 Liter anzeigte. Nein, wir sind nicht gerast und nein, wir haben keine Geschwindigkeitsbeschränkung übersehen. Es war eine ganz normale Runde rund um Bremen: mit zirka 30 Ampeln, einem Stück Autobahn, einigen schönen Landstraßen und einer Fährpassage über die Weser bei Lemwerder.
Die kurze Schiffspassage war doch lang genug, dass sich einige andere Autofahrer um den Alfa GT versammelten und anerkennend nickten. "Jo, sieht gut aus" und "was soll der kosten?" waren die wesentlichen Äußerungen, dann erreichten wir das andere Ufer.
Noch in diesem Jahr plant Alfa Romeo den Verkauf von 3600 GT-Modellen in Deutschland. Vermutlich gelingt dies, denn bereits jetzt melden die Vertriebsleute 1200 Vorbestellungen für das Auto, das in diesen Tagen sein Debüt bei den Händlern gibt. Dort werden Interessierte erfahren, dass der Wagen ab Werk mit sechs Airbags, ESP und Bremsassistent (das System heißt bei Alfa VDC), Tempomat, elektrisch verstell- und beheizbaren Außenspiegeln, CD-Musikanlage, Sportsitzen, 16-Zoll-Leichtmetallrädern und der bereits erwähnten Zweizonen-Klimaanlage ausstaffiert ist.
Größere Räder und feinere Details bietet die Ausstattungsvariante "Distinctive" für 2500 Euro Aufpreis. Und weitere 1000 Euro Aufpreis werden fällig, wenn man das Modell mit Zwei-Liter-Motor statt mit dem Fünfgang-Handschaltung mit einem Fünfgang-Selespeed-Getriebe bestellt, bei dem das Kuppeln entfällt und die Gangwechsel per Schaltstick oder Schalttasten am Lenkrad befehligt werden.
Es gibt den Alfa GT außerdem noch mit einem 1,9-Liter-Dieselmotor (150 PS / 110 kW) und in der Topversion mit tiefer gelegtem Fahrwerk, 17-Zoll-Rädern und 3,2-Liter-V6-Motor mit 240 PS (176 kW). Der kostet dann 37.000 Euro und ist damit für wirklich gute Rockgitarristen durchaus erschwinglich.
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