Von Frank Wald
Der von BMW-Chef Helmut Panke ausgegebenen Parole "Wie können nur Premium" folgend, zielt der Einser auf die Käuferklientel, der Marke und Image immer schon etwas mehr Geld wert war. Und beim Einser müssen sie davon richtig viel auf den Tisch legen. Das Basismodell 116i mit 115 PS (85 kW) starkem 1,6-Liter-Benziner kostet 19.800 Euro und setzt sich damit vom Start weg an die Spitze der Mitbewerber mit vergleichbaren Motorisierungen: Audi A3 1.6 (19.050 Euro), VW Golf 1.6 FSI (17.995 Euro), Opel Astra 1.6 (16.460 Euro) oder Alfa 147 1.6 (17.660 Euro).
Zwar bekommt der Käufer dafür ab Werk eine technisch nahezu komplette Ausrüstung mit elektronischen Stabilitäts- (DSC), Traktions- (DTC, ASC) und Bremshilfen (ABS, CBC, DBC), Front-, Seiten- und Kopf-Airbags vorne und hinten. Dazu auch noch einige technische Goodies wie schlüsselloses Starten per Knopfdruck, zweistufige Bremsleuchten oder die pannensichere Runflat-Bereifung.
Doch Ausstattungsstandards, die seine Konkurrenten größtenteils ab Werk mitbringen, wie etwa eine Klimaanlage (1500 Euro), CD-Radio (ab 400 Euro), Nebelscheinwerfer (200 Euro) oder gar Isofix-Vorrichtungen (100 Euro), Armauflage mit Ablagefach (150 Euro) und Cupholder (40 Euro) stehen selbst bei den höheren Motorisierungen nur auf einer langen Optionsliste. Auf der sich weitere Luxusfeatures wie Navigationssystem (ab 1800 Euro), Xenon-Licht (790 Euro), Bluetooth-Freisprecheinrichtung fürs Handy (750 Euro) oder das i-Drive-Bediensystem mit Spracheingabe (ohne Preisangabe) finden.
Entwicklungsvorstand Göschel meint dennoch, dass in der Kompaktklasse "der Bedarf an Premium-Fahrzeugen mit exklusiven Fahreigenschaften" noch längst nicht erschöpft ist. Deshalb rechnet BMW für die neue 1er-Baureihe auch mit einem jährlichen Auftragsvolumen im sechsstelligen Bereich. "Zunächst mal etwas bescheiden mit einer Eins davor", orakelt Göschel. Schließlich habe man sich bei den Prognosen für den Mini auch schon verschätzt.
Auffällig an der unauffälligen Präsentation des Einser in einem Seitentrakt des Münchener Flughafens ist, dass kein Wort über das Design des Wagens verloren wird. Weder haben die Weiß-Blauen ihren umtriebigen Chefgestalter Chris Bangle vor Ort, noch findet sich ein Absatz über die Formgebung in der 50 Seiten langen Pressemappe. "Gutes Design erklärt sich halt ohne viele Worte", findet Baureihen-Sprecher Wieland Bruch.
Naja, nicht ganz. Zweifellos macht BMWs Einstieg in die Kompaktklasse auf den ersten Blick eine gute Figur. Die Karosserie ist ein gekonnter Mix aus der "Adleraugen"-Front eines Fünfer mit relativ langer Motorhaube und den gespannten Seitenflächen und Wölbungen des Z4-Roadsters mit schmalen Fenstern. Auch die Proportionen des Fünftürers mit den weit in den Ecken platzierten Rädern und dem kombiähnlichen Heck wirken in natura stramm und stimmiger als auf den vorab veröffentlichen Bildern - zumindest mit den 17-Zoll-Rädern und 205er-Breitreifen (Serie: 16 Zoll/195er), die unser Testwagen trug.
Doch schon die erste Sitzprobe verrät: Premium sieht anders aus. Das Cockpit ist zwar übersichtlich wohl sortiert und BMW-typisch zum Fahrer geneigt. Und auch die sportlich konturierten Sitze (600 Euro Aufpreis) geben einen guten Halt. Materialien und Oberflächen jedoch fühlen sich wenig Premium-like an. Es gibt viel zu wenig Ablagen und Staufächer, das Handschuhfach wirkt gar äußerst preiswert, wenn einem die nur von einem Textilband gehaltene Klappe auf die Knie fällt. Auf den Fondplätzen können zwei Leute ausreichend bequem sitzen, wenn auch mit deutlich weniger Kopf- und Beinfreiheit als in einem Golf oder Astra. Auch der Kofferraum gibt sich mit 330 Liter sehr bescheiden. Durch einfaches Umklappen der asymmetrisch teilbaren Rücksitzlehne kann er jedoch auf 1150 Liter erweitert werden.
Nichts zu meckern gibt's indes an den Fahreigenschaften. Mit seiner ausgeglichenen 50:50-Achslastverteilung, der Fünflenker-Hinterachse und einer sehr feinfühligen, zielgenauen Lenkung zeigt der einzige Hecktriebler in der Kompaktklasse, dass ein echter BMW in ihm steckt. Rund 40 Prozent der technischen Komponenten werden übrigens auch im neuen Dreier zu finden sein. Dazu kommen kraftvolle und durchzugsstarke Motoren. Wobei von den jeweils angebotenen beiden Benzinern und Dieseln, der 163 PS (120 kW) starke BMW 120d am überzeugendsten ausfällt. Der Turbodiesel stemmt eindrucksvolle 340 Newtonmeter auf die Kurbelwelle, tritt kraftvoll an, beschleunigt in 7,9 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht im sechsten Gang eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h.
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