Von Jürgen Pander
Die Verantwortlichen bei VW, so scheint es, reiben sich noch etwas ungläubig die Augen: Während die Oberklasse-Limousine Phaeton nur schwer verkäuflich ist, läuft der Oberklassen-SUV Touareg wie geschnitten Brot. Das Werk in Bratislava arbeitet nahe an der Kapazitätsgrenze, der Absatz in diesem Jahr summiert sich auf rund 90.000 Touareg-Modelle. Bislang gibt es zwei Benzin- und zwei Dieselvarianten (174 bis 313 PS), ab Anfang Dezember bietet VW den Wagen mit einem weiteren Selbstzünder an, einem V6 TDI. Mit dieser Maschine soll der Touareg noch populärer werden. "Wir erwarten eine Einbaurate des neuen Motors von 50 Prozent in Deutschland", sagt Alfred E. Rieck, Vertriebsleiter für die VW-Oberklasse-Modelle.
Es gibt einiges, was für den neuen V6-TDI spricht. Zum Beispiel, dass die Abgase dieses Motors serienmäßig von einem wartungsfreien Rußpartikelfilter gesäubert werden und somit die Euro-4-Abgasnorm erfüllt wird. "Damit ist er der weltweit erste SUV mit dieser Technik", erklärt Rieck. Weitere Argumente für das Triebwerk sind seine satte Leistung von 225 PS (165 kW) und das feiste Drehmoment von 500 Newtonmeter. Damit lässt sich der gut 2,3 Tonnen schwere Brocken beinahe leichtfüßig bewegen. In weniger als zehn Sekunden gelingt der Spurt von 0 auf Tempo 100, was für ein Auto mit der Stirnfläche eines Garagentores beachtlich ist.
Das mit dem serienmäßig installierten Rußpartikelfilter ist lobenswert, darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der Wagen ordentlich Kraftstoff verbrennt und beileibe kein "grüner" Geländewagen ist. Im Schnitt gibt VW einen Verbrauch von 10,6 Liter Diesel je 100 Kilometer an. Nach unserer Testfahrt über gut 200 Kilometer auf öffentlichen Waldwegen, Landstraßen und Autobahnen in Mecklenburg-Vorpommern allerdings errechnete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch, der knapp zwei Liter über dem offiziellen Wert lag. So wird es im Alltag mit diesem Auto wohl aussehen: Unter zwölf Litern wird es selten abgehen.
Aber so ist das eben, wenn geballte Technik, eine mächtige Karosserie und reichlich Komfort eine Verbindung eingehen. Das Erstaunliche am Touareg ist, dass sich dieses bullige Auto beinahe sanft fährt. Die Einflüsse von Schlammpisten, Spurrillen, Schlaglöchern oder gröbstem Kopfsteinpflaster dringen kaum bis in den Innenraum vor, erst recht nicht, wenn man in einem Modell mit Luftfederung (Aufpreis 2800 Euro) sitzt. "Im Touareg fährt man wie in Abrahams Schoß", sagt Jochen Böhle, der technische Projektleiter, und das trifft das Fahrgefühl ziemlich genau. Optischen Ausdruck findet diese Art von Souveränität in angenehmen Oberflächen, einem klar gestalteten Armaturenbrett und einem Cockpit mit sechs Rundinstrumenten.
Das bisherige Einstiegsmodell in die Touareg-Palette ist der Wagen mit dem Fünfzylinder-Dieselmotor zum Preis von 39.100 Euro. Dieses Auto wird nun wohl schlagartig an Popularität verlieren, wenn der V6-TDI in die Verkaufsräume kommt. VW kann das nur recht sein, denn dieser Wagen kostet mindestens 43.950 Euro, wobei Extras wie Automatikgetriebe (2100 Euro), Klimaanlage (580 Euro), Metalliclack (730 Euro) oder Xenonlicht (1040 Euro) den Preis rasch in die Höhe treiben.
Die Fans des Touareg, die den Wagen gerne "Dicker" nennen, wird das wohl kaum schrecken. "Bei diesem Modell spielt Emotionalität eine ganz wichtige Rolle", hat Marketing-Mann Rieck erkannt. Als Beispiel führt der den erst vor wenigen Monaten gegründeten Verein "Internationale Touareg-Freunde e.V." mit Sitz in Schwalbach an. Im September fand das erste große Treffen dieser Truppe statt - inklusive einer Fahrt in schwerem Gelände. Da konnte der "Dicke" mal so richtig zeigen, was in ihm steckt. Denn für das normale Autoleben auf deutschen Straßen ist der VW-SUV eindeutig überqualifiziert.
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