Von Jürgen Pander
Die Eroberungsrate von Toyota liegt derzeit bei 65 Prozent. Der Wert besagt, dass rund zwei Drittel aller Neuwagenkäufer der japanischen Marke davor ein Auto einer anderen Marke gefahren sind. "Jetzt wollen wir eine für uns völlig neue Zielgruppe ansprechen und die Rate der Neukunden weiter erhöhen", sagt Dietrich Hartmann, Kommunikationschef von Toyota Deutschland. Das Modell, mit dem das gelingen soll, heißt Aygo, ist ein 3,41 Meter kurzer Kleinwagen und wird forsch als Jugend-Trend-Mobil positioniert.
Am 1. Juli, dem ersten Verkaufstag des Autos, wird in und vor Dutzenden Discotheken und Szenetreffs in Deutschland die "Aygo Night" stattfinden, im Kino laufen bereits schrille Werbefilme mit dem HipHop-Quartett "Die Fantastischen Vier", und im Internet findet sich unter www.aygo.de eine Präsenz, die den Kult schon kultiviert, noch ehe ein Auto ausgeliefert ist.
Je kleiner der Wagen, desto größer der Marketingrummel - nach VW mit dem "Project Fox" bestätigt nun auch Toyota mit dem Aygo-Auftritt diese Formel. Denn dort, wo sich die kleinsten Autos tummeln, im sogenannten A-Segment, erwarten Branchenbeobachter demnächst satte Wachstumsraten. Vor allem zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: erstens die niedrigen Neuwagenpreise und zweitens die Vielzahl neuer Modelle, die alles andere als spartanische Sparbüchsen sind.
Der Toyota Aygo zum Beispiel rollt serienmäßig mit sechs Airbags, ABS, elektrischer Servolenkung und höhenverstellbarem Lenkrad vom Produktionsband im tschechischen Kolin. Dort steht das Gemeinschaftswerk von Toyota und PSA (Peugeot & Citroën), wo neben dem Aygo auch die baugleichen Modelle Peugeot 107 und Citroën C1 gefertigt werden. Je 100.000 Autos pro Modell sollen im Jahr gebaut und ausschließlich in Europa verkauft werden. Der Aygo kommt nach dem C1 (ab 10. Juni, ab 8390 Euro) und dem 107 (ab 25. Juni, ab 8890 Euro) als Letzter des Trios zu den deutschen Händlern, wird aber am aufwendigsten beworben.
"Für uns ist das Auto völlig neu, es gab ja noch nie einen so kleinen Toyota in Europa", begründet Produktmanager Michael Potthast den Trubel um das Wägelchen, das auf den ersten Blick ein wenig pausbackig und unförmig wirkt - etwa so wie die Baggy-Style-Hosen von HipHop-Fans. Doch bei näherem Hinsehen erschließt sich die Formensprache des Winzlings, etwa wenn die Linie der großen Frontscheinwerfer von der A-Säule aufgenommen wird oder die wuchtigen Radhäuser in die Stoßfänger überfließen. Toyota bietet den Aygo übrigens als Drei- oder Fünftürer an, der Preisunterschied zwischen beiden Versionen liegt bei 350 Euro.
Der Innenraum, der maßgeblich von den französischen Partnern gestaltet wurde, sieht frisch und poppig aus. Die "Shark Skin"-Kunststoffoberflächen wirken robust und nicht so billig wie die Plastikverkleidungen manch anderer Fabrikate. Lenkrad, Lenkstockhebel und Bedientasten sind ansprechend geformt. Etwas Pep verströmen der kugelförmige Tacho und die indirekt beleuchtete Regeleinheit für Gebläse und Heizung. Ein verschließbares Handschuhfach gibt es nicht, dafür aber reichlich Ablagefächer in allen möglichen Größen. Der Kofferraum fasst 130 Liter und ist groß genug, um zwei Getränkekisten aufzunehmen. Die allerdings müssen über eine sehr hohe Ladekante gehievt werden. Durch Umklappen der Rücksitzlehne erweitert sich das Ladevolumen auf 782 Liter.
Drei Farben, drei Ausstattungsniveaus, zwei Karosserievarianten - allein beim Antrieb gibt es derzeit noch keine Wahlmöglichkeit. Sämtliche Modelle werden von einem 1-Liter-Dreizylinder mit 68 PS (50 kW) bewegt. Das geschieht munter und durchaus sparsam, aber auch ziemlich laut und rauh; andere Motoren in dieser Klasse laufen etwas kultivierter. Auch das Fünfgang-Schaltgetriebe gewinnt keinen Hauptpreis für Leichtgängigkeit. Doch wir sind hier im Bereich der Stadtmobile für Kurzstrecken und nicht bei um ein Vielfaches teureren Limousinen für die große Fahrt. So gesehen ist der Aygo ein prima Auto, das ein flottes, angenehmes und frisches Fahrgefühl vermittelt. Anfang nächsten Jahres wird es für den Benziner übrigens ein Automatikgetriebe zur Wahl geben und ein 1,4-Liter-Dieselmotor mit 54 PS (40 kW) das Aggregateangebot erweitern.
2006, wenn die komplette Aygo-Palette verfügbar ist, sollen 15.000 Modelle in Deutschland verkauft werden. "Ich gebe zu, das ist eine ehrgeizige Planung", sagt Michael Potthast, "doch ich glaube, der Aygo ist das richtige Produkt." Außerdem hilft Toyota mit ein paar finanziellen Argumenten nach. So erhält, wer als 18-Jähriger den Wagen kauft, ein Finanzierungsangebot mit 1,8 Prozent Zinsen, ein 19-Jähriger mit 1,9 Prozent und so weiter (bis zum Alter von 30 Jahren). Und eine spezielle Versicherung für Fahranfänger im Aygo gibt es auch. Wie war das noch mal mit dem Methusalemkomplott?
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