Von Jürgen Pander
Vier Handgriffe, dann ist das Bett gemacht. Zuerst die beiden Kopfstützen herausnehmen, dann die Sitzbank nach vorne schieben und schließlich die Lehne umklappen. Fertig ist die völlig ebene und durchaus bequeme Liegefläche im neuen VW Multivan Beach. Das dauert kaum eine Minute. Dazu gibt es praktische Fenstervorhänge mit Magneten, mit denen der Innenraum im Nu blickdicht wird. Wer mag, kann die Vordersitze noch umdrehen - und schon ist das kleine Reich zum Wohnen auf Rädern hergerichtet.
Warum nur ist nicht früher jemand auf die Idee gekommen? Jedenfalls scheint Volkswagen mit dem Multivan Beach, der die Gene des Kultbusses "Bulli" aus den siebziger Jahren in sich trägt, das richtige Gespür gehabt zu haben. Ein einfaches, kompaktes, praktisches und günstiges Wohnmobil ist genau das Richtige in einer Zeit, in der Campingplätze immer komfortabler und Budgets immer karger werden. Den Multivan Beach, der mit vier unterschiedlichen Dieselmotoren mit Rußpartikelfilter angeboten wird, gibt es ab 29.742 Euro.
Jedenfalls freundeten wir uns mit jedem Kilometer und mit jedem Aufenthalt mehr mit dem puristischen Konzept an, bei dem man dennoch auf nichts verzichten muss. Die cleveren Magnet-"Fensterläden" aus Stoff wurden bereits erwähnt. Dazu gibt es zwei praktische Taschen, die an Schienen im "Wohnraum" je nach Bedarf befestigen lassen, ein Netz für das Bettzeug unterm Dach, ein seitliches Staufach sowie eine große Schublade unter der Sitzbank. Reichlich Platz für Gepäck ist darüber hinaus unter der bepolsterten Bettverlängerung im Heck.
Zu jedem Multivan Beach gehören darüber hinaus zwei bequeme Campingstühle sowie ein in der Schiebetür untergebrachter Klapptisch, der sowohl im Auto als auch außerhalb aufgestellt werden kann. Wer dann noch einen Grill oder Gaskocher einpackt und nicht gerade zur Monsunzeit durch Indien tourt, findet mit dem neuen Modell jenes Camperglück, das sich einstellt, wenn Verzicht zu mehr Genuss führt.
So toll und überzeugend der Schnickschnack-freie VW-Bus auch während der Urlaubszeit für ein trautes Paar ist - im Alltag treten dann doch einige Mängel zutage. Denn der Multivan Beach ist für lediglich vier Menschen ausgelegt, wenn eine Fahrt von A nach B ansteht. Das ist für ein Auto dieser Dimension etwas dürftig. Ein Extrasitz im Fahrgastraum kostet 405 Euro, doch der muss dann vor jeder Reise, bei der im Auto auch geschlafen werden soll, wieder ausgebaut werden.
Zudem müssen einige sinnvolle Details extra bestellt und bezahlt werden, die Einparkhilfe am Heck (290 Euro) zum Beispiel, die Vorbereitung für einen Dachlastträger (103 Euro), Seitenairbags vorne (360 Euro), eine Kindersicherung für die Schiebetür (21 Euro) oder Nebelscheinwerfer (215 Euro). Das wirkt bisweilen kleinlich, aber offenbar war der Einstiegspreis nicht anders auf unter 30.000 Euro zu drücken.
Die Palette der vier TDI-Motoren reicht vom 85 PS starken 1,9-Liter-Vierzylinder bis zum 2,5-Liter-Fünfzylinder-Aggregat mit 174 PS. Diese stärkste Maschine des Quartetts brachte auch unseren Multivan Beach auf Trab, und zwar ebenso flott wie genügsam. Runde acht Liter Dieselkraftstoff ergab die Verbrauchsberechnung am Ende einer Reise durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz, also mit einem Mix aus Stadtfahrten, Autobahnverkehr, Landstraßen und Bergpässen.
Ein Fahrgefühl, das zur Urlaubsstimmung passt
Sehr angenehm ist das Fahrgefühl im Multivan. Der Geräuschpegel ist niedrig, die Übersicht bestens und das Handling des Wagens überaus bequem. Der große VW fährt sich kaum anders als ein Pkw, lässt sich prima auch durch enge Kurven dirigieren und erfordert kaum eine Umstellung, wenn man zum Beispiel aus einem Kompaktauto auf den Multivan umsteigt. Auch dies ist ein Vorteil des Minimal-Konzepts, denn trotz seiner vergleichsweise knappen Außenmaße (Länge 4,89 Meter, Breite 1,90 Meter) bietet der Wagen im Innenraum ausreichend Platz für einen Urlaub zu zweit.
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