Opel Rekord, Baujahr 1967: O, wie bist du schön!

Sitze wie Fernsehsessel, ein riesiges Lenkrad und natürlich keine Anschnallgurte: Das Opel Rekord C Coupe aus dem Jahr 1967 ist mehr als nur ein Klassiker, es ist Schönheit pur. Zumindest für SPIEGEL-ONLINE-Leser Rudolf May, der gern von seinem Schatz berichtet.

Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Pkw in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren, einige Autos sind noch viel älter. SPIEGEL ONLINE testet mithilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichtet Rudolf May aus dem bayerischen Vaterstetten über das Opel Rekord C Coupe seines Sohnes.

Rudolf May:
Mein 21-jähriger Sohn hat sich seinen großen Wunsch erfüllt und einen Opel Rekord C Coupe mit Fastback gekauft: Baumonat Dezember 1966, der aber als Modell 1967 geführt wurde. Mein Sohn liebt den Chrom und die Linienführung. Er ist technisch begabt, aber kein Autobastler. Auch ich bin technisch nicht begabt und kein Autobastler, habe aber als Rentner viel Zeit. Und jetzt learn ich bei doing.

Wir haben das Auto im Internet gefunden und ohne Probleme vom Bodensee nach München fahren können. Es hat eine H-Zulassung und sieht wunderschön aus. Allein der Motor: Er erinnert an eine Singer-Nähmaschine. Der Kilometerzähler zeigt 52.000 km. Ich war 16, als der neue Rekord raus kam. Man traute seiner Rostresistenz nicht, aber man sagte, der Motor gehe nie kaputt. Und so ist es denn wohl auch. Er verliert kein Öl und klingt wie ein "richtiges" Auto.

Hilfe aus jahrzehntealten Zeitschriften

"Ihr habt Euch richtig viel Arbeit gekauft", sagte unser Nachbar. Und er hatte Recht. Bei genauerem Hinsehen ist viel zu machen und viel zu ersetzen. Das Überraschende: Man findet alle Ersatzteile im Internet und bei eBay. Sogar den Originalprospekt kann man ersteigern und zudem Reparaturhandbücher. Ich habe mir die Zeitschrift "Hobby" von 1966 gekauft, in der der neue 1967er Rekord vorgestellt wurde. Beileibe nicht so kritisch wie heutige Autokritiken, eher etwas herstellerfreundlich.

Und das habe ich gelernt: Opel war zu der Zeit mit dem Rekord durch den Ford 20 M in arge Bedrängnis gekommen. Ford hatte die hübsche "Linie der Vernunft", während Opel noch als amerikanischer Verschnitt daherkam. Bis 1967. Da setzte Opel zur Aufholjagd an. Als Zweiter nach Fiat mit dem Abschied von der Längs-Blattfederung, jetzt mit Schraubenfeder-Hinterachse, die sowohl komfortabel war als auch stabil in Extremsituationen. Mit einem entschärften Armaturenbrett mit Rundarmaturen, mit Frischluftdüsen und einer wirksamen Innenbelüftung bei geschlossenen Fenstern. Zweikreisbremssystem und Bremskraftverstärker serienmäßig. Scheibenbremsen vorn und größere Räder bei einer niedrigeren Gürtellinie. Einen Drosselmotor mit oben liegender Nockenwelle und eine fünffach gelagerte Kurbelwelle. Wow! 90 PS – ich glaube, der Porsche hatte damals weniger. Aus dem Rekord C Coupe ging später der Commodore A hervor.

Cabrio-Feeling

Was für ein schönes Auto! Ferrari-Rot. Sitze wie Fernsehsessel. Ein großes Lenkrad mit reichlich Spiel. Beinfreiheit ohne Ende und ein riesiger Kofferraum. So ganz anders als beim damals noch sehr populären Familien-Käfer. Ungewohnt sind die fehlenden Kopfstützen und Anschnallgurte. Aber man darf dieses Modell dank der H-Nummer ohne fahren. Die fehlende Mittelsäule vermittelt bei heruntergekurbelten Fenstern das Gefühl eines Cabrios mit Dach.

Und wenn das Auto irgendwo steht, bleiben die Leute stehen, sie gehen mit leuchtenden Augen drum herum und sind sich einig: Damals waren die Autos schöner. Mit dem alten Opel verbinden die Älteren schöne Erinnerungen. An Onkel Ernst oder den Papa, der ihn sich schon damals leisten konnte. Ein älterer Herr, der 1967 wohl Mitte 30 war, bat mich, einmal mitfahren zu dürfen. "Damals habe ich Atika geraucht und mir dieses Auto geleistet", sagte er. "9000 Mark. Es war schon immer etwas teurer, einen guten Geschmack zu haben." (Das war der Werbespruch dieser damals neuen Zigarette.)

Leisten kann man sich den Wagen bis heute: 3000 Euro Anschaffungskosten. Noch mal derselbe Betrag passt an Ersatzteilen hinein, und dann ist er immer noch billiger als ein Polo. Die Kosten für Steuer und Versicherung mit H-Nummer kann man vergessen, und einen Wertverlust gibt es nicht, wenn man handwerklich begabt ist. Wenn man etwas nicht im Internet findet, hilft der freundliche Opelhändler bei der Suche nach Ersatzteilen, nennt Adressen und Telefonnummern.

Unsere noch fehlenden Radkappen und Chromzierringe sind unterwegs. Das neue Handbremsseil war originalverpackt: 19,80 Euro.

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11.09.2006 von AnKu:

Ich bin in anderen Foren ja nicht immer ganz Ihrer Meinung, aber was Sie hier sagen ist absolut richtig. Der Rekord war das Paradepferd der Mittelklasse. Mein Vater hat immer Rekord gefahren, jeden einzelnen über 200.000 km. [...] mehr...

29.08.2006 von flat6:

Wahrscheinlich hat der Rekord meines Vaters öfter mal neben einem Alfa geparkt, vielleicht hat das etwas abgefäbrt :) Tatsächlich sind die CIH Maschinen im Rekord (= Camshaft in Head, seitlich im Zylinderkopf liegende [...] mehr...

29.08.2006 von 1ne2wo3hree:

Nanu? Ich dachte, es geht um einen Opel und nicht etwa um einen Alfa Romeo... ;) Meinen Kadett C Caravan 1,2 N habe ich versehentlich mal ohne Öl über die Autobahn gejagt - bemerkt hatte ich den Mangel erst nach der Fahrt, [...] mehr...

27.08.2006 von Ito Ogami: Opel Kadett bis Como

Hm grübel, welche Opel hatt ich nochmal...? Kadett B war mein erstes Auto. War ganz nett, und im Vergleich zum Käfer Riesen-Kofferraum. Dann Manta A, war aber kein GT/E, sonst hätt ich ihn vielleicht behalten. Dann hatte ich [...] mehr...

27.08.2006 von flat6:

Mein Vater fährt bis auf den heutigen Tag seinen Opel Rekord E 1 (Bj. 79, 2,0 N 90 PS, G-Kat nachgerüstet) ohne größere Probleme, und das schon seit 1982, dem Jahr in dem er ihn als jungen Gebrauchtwagen gekauft hat. Eine [...] mehr...

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  • Datum: Montag 21.08.2006 | 09:38 Uhr
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