Cadillac Coupé de Ville, Baujahr 1970: Blaues Monster aus Texas

2. Teil: Was passiert, wenn man mitten in New Yorks Straßenschluchten von einem erbosten Polizisten angehalten wird? Lesen Sie hier weiter...

Stelldichein mit der Staatsgewalt

Das Timing ist perfekt. An einem sonnigen Samstagmorgen erobern wir die Stadt. Jedenfalls bis zum Madison Square Garden. Dort zieht uns ein Officer aus dem Verkehr. Man sollte eben auch in New York City nicht in voller Fahrt und auf die Mittellehne gestützt über die Frontscheibe eines alten Cadillacs hinweg fotografieren. Der Officer wirft einen kritischen Blick auf unser Nummerschild: "Ich weiß nicht, wie es in Texas ist, aber wir hier – wir haben Verkehrsregeln!" Unsere wortreichen Entschuldigungen legen seine Stirn tiefer in Falten: "Ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist – aber wir hier, wir haben Verkehrsregeln!"

Wir drücken ihm den Haufen an Dokumenten in die Hand, den man beim Abschluss einer Urlaubs-Autoversicherung für Ausländer ausgehändigt bekommt, verziert mit vielen offiziell aussehenden Stempeln. Es scheint zu helfen. Mit der strengen Ermahnung, in Zukunft nie mehr ohne Sicherheitsgurte und keinesfalls stehend zu fahren, sind wir entlassen. Vielleicht war der Officer aber auch einfach genervt von den Touristen, die während der ganzen Szene Fotos von uns, von unserem nicht gerade unauffälligen Auto und von dem echten New Yorker Polizisten schießen wollten.

Langsam wird es Zeit für den Abschied. Der Cadillac wird per Schiff nach Bremerhaven reisen, auf uns wartet der Flieger. Als wir aufbrechen wollen, geschieht es: Der Cadillac springt nicht an. Zum ersten Mal nach über 2500 Kilometern. "Macht doch nichts", meint der Hotelportier. Der Wagen würde sich doch auch ganz gut in der Hoteleinfahrt machen, sagt er. "It’s a Cadillac, you know…"

Aber nicht mit uns! Kaum haben wir den Cadillac im Hafen abgeliefert, fallen wir wieder in die Masse der "normalen" Touristen zurück. Nach drei Wochen, in denen jede rote Ampel zu ungläubigen Blicken, anerkennenden Pfiffen und neuen Bekanntschaften geführt hat, ist das ein ungewohntes Gefühl. Es wird weitere vier Wochen dauern, bis wir unseren texanischen Freund – diesmal auf unserer Seite des Atlantiks – wieder in Empfang nehmen können.


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  • 1. Teil: Blaues Monster aus Texas
  • 2. Teil: Was passiert, wenn man mitten in New Yorks Straßenschluchten von einem erbosten Polizisten angehalten wird? Lesen Sie hier weiter...
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  • Datum: Donnerstag 09.11.2006 | 12:53 Uhr
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