Von Tom Grünweg
Das Automatikgetriebe hat bei Ford eine lange Tradition. Die ersten Räderwerke zum Gangwechsel von Geisterhand gab es bei der Marke in den USA bereits in den dreißiger Jahren. In Deutschland stattete das Unternehmen 1966 erstmal ein Auto mit der sogenannten Taunomatic aus: den 17M.
"Viele Kunden würden eher die Marke oder das Modell wechseln, als von Hand zu schalten", sagt Ford-Verkaufs- und Marketing-Chef Jürgen Stackmann. Umso unverständlicher ist es, dass Ford dieses Komfortmerkmal just für die großen Modelle bislang nicht liefern konnte. Denn weder die nun schon mehr als einem Jahr auf dem Markt befindlichen Großraumlimousinen S-Max und Galaxy, noch der neue Mondeo wechselten die Gänge bis dato automatisch. Es gab die Autos ausschließlich mit Handschaltung. Dem Erfolg habe das nicht geschadet, behauptet Stackmann. Die Statistik scheint ihm Recht zu geben: Nach einem flauen ersten Halbjahr gehört Ford allmählich wieder zu den Gewinnern. S-Max und Galaxy sind mit weitem Abstand die erfolgreichsten Modelle unter den großen Vans, und vom neuen Mondeo wurden seit der Markteinführung im Frühjahr bereits 20.000 Exemplare abgesetzt. Das Gros davon haben die Kölner an Dienstwagenfahrer verkauft, weil das Privatkundengeschäft "in der Preisklasse um 35.000 bis 40.000 Euro nahezu tot ist“, sagt Stackmann. Er sieht daher Ford als "großen Gewinner auf dem Firmenmarkt", weil der Mondeo dem Unternehmen dort ein Plus von 20 Prozent beschert habe.
Das Räderwerk stammt vom japanischen Zulieferer Aisin
Damit das Trio der großen Ford-Modelle auf Kurs bleibt, reichen die Kölner nun die überfällige Automatik nach, die auf einen Verkaufsanteil von 20 Prozent kommen soll. Das Räderwerk stammt vom japanischen Zulieferer Aisin, passt seine Schaltprogramme dem Fahrstil und der Fahrbahnbeschaffenheit an und verfügt über sechs Gänge, die in einer zweiten Gasse des Wählhebels auch von Hand gewechselt werden können. Schaltwippen am Lenkrad haben sich die Kölner jedoch verkniffen. In Mondeo und Galaxy geht das in Ordnung. Doch weil der S-Max als Sportler unter den Vans positioniert wurde, hätte ihm ein wenig Rennsport-Feeling durch solche Tasten nicht geschadet.
Neue Automatik nur in Verbindung mit neuen Motoren
Bis dahin gehört die Aufmerksamkeit dem Trio aus dem belgischen Ford-Werk Gen. Denn mit der neuen Automatik, die den kruden Namen Durashift 6-tronic trägt, ist es nicht getan. Sondern Ford bietet das Getriebe ausschließlich mit zwei ebenfalls neuen Motoren an, die mit Handschaltung gar nicht erst auf den Markt kommen. Es handelt sich um einen neuen 2,3-Liter-Benziner mit 160 PS und 208 Nm Einzug, der im S-Max eine gute Figur macht. Dank zweier Ausgleichswellen läuft die Maschine sehr ruhig und unaufgeregt, und der Van wird zu einem komfortablen Gleiter, der fast unbemerkt die Gänge wechselt und eine maximale Reisegeschwindigkeit von 194 km/h erlaubt. Allerdings liegt der Verbrauch trotz aller Sparbemühungen bei 9,7 Litern und damit 1,6 Liter über dem Zweiliter mit 145 PS, von dem der neue Motor abgeleitet wurde.
In der Dieselfraktion gehört zur Zwangsehe zwischen Automatik und Motor eine weitere Spielart des bekannten Zweiliters, die nun mit 130 PS und 320 Nm an den Start geht. Der Motor erreicht etwa im Mondeo eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und verbraucht mit 7,1 Litern einen guten Liter mehr als der 115 PS-Diesel mit Schaltgetriebe. Mit dem Start des neuen Motors streicht Ford den letzten Selbstzünder ohne Rußpartikelfilter aus dem Modellprogramm und kündigt gleich noch ein weiteres Dieselaggregat an. Um auch sportliche Sparer zu erreichen, wird es im Frühjahr noch eine Maschine mit 170 bis 180 PS geben, heißt es in Köln.
Weil Ford die neue Automatik an neue Motoren knüpft, fällt Verkaufschef Stackmann eine konkrete Preisangabe schwer. "Netto wird der Aufschlag bei knapp 2000 Euro liegen", sagt er. Gemessen an der Taunomatic von 1966 ist das ein stattlicher Preis. Die gab es damals schon für 950 Mark – allerdings nur mit drei statt heute sechs Gängen.
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