Von Roman Büttner
Mit seiner Edellimousine hat sich Toyotaeine Menge vorgenommen: Seit Sommer 2007 ist der Luxus-Lexus auf dem Markt. Bis Jahresende sollen von ihm in Deutschland knapp 5000 Stück verkauft werden, fast 40 Prozent davon mit Voll-Hybridantrieb. Der Schlitten soll nicht nur möglichst sparsam sein, sondern auch mit Komfort, Sicherheit und modernem Schnickschnack glänzen.
Erstmals kommen in der Limousine serienmäßig LED-Frontscheinwerfer zum Einsatz. Das dynamisch geregelte Kurvenlicht sorgt einerseits für eine optimierte Sicht bei Dunkelheit, blendet andererseits allerdings Entgegenkommende erheblich. Der Sicherheitsgewinn in diesem Punkt: höchst zweifelhaft.
Sinnvoller ist da schon das sogenannte Advanced Pre-Crash Safety System, Aufpreis 2600 Euro. Es erkennt Passanten und Objekte im Fahrzeugumfeld und überwacht die Blickrichtung des Fahrers. Schaut der in einer Gefahrensituation in die falsche Richtung, erfolgt eine akustische und optische Warnung. Reagiert der Fahrer darauf immer noch nicht, zieht das System automatisch die Notbremse.
Advanced Pre-Crash kann außerdem erkennen, ob das Hindernis auf der Straße umfahren werden kann. In diesem Fall werden Lenkung, Dämpfer und Stabilisatoren blitzschnell so eingestellt, dass das Auto bei einem Ausweichmanöver optimal auf der Straße liegt.
Damit die Insassen auch bei einem Heckaufprall bestmöglich geschützt sind, erfassen Radarsensoren den Bereich hinter dem Auto. Hat der Hintermann geschlafen und droht, den Lexus-Fahrer zu rammen, werden die Gurte gestrafft und die Positionen der Kopfstützen geändert.
DVD-System und 19 Lautsprecher
Nicht nur in punkto Sicherheit, auch in Sachen Komfort fährt Lexus tüchtig auf: Edelholz, Leder und ein zehnfach verstellbarer Fahrersitz gehören ebenso zur Serienausstattung wie ein High-End-Audiosystem von Mark Levinson mit 19 Lautsprechern. Wer will, kann den Insassen im Fond zusätzlich ein DVD-System mit 9-Zoll-LCD-Monitor spendieren, der Bildschirm wird dann in den Dachhimmel integriert.
Das DVD-System ist allerdings nur im Ausstattungspaket Ambience erhältlich - und das kostet so viel Aufpreis wie ein kompletter Opel Astra: 16.400 Euro. Mit dabei im Ambience-Paket: ein beheizbares Holz- und Lederlenkrad, eine Vier-Zonen-Klimaautomatik sowie belüftete Komfortsitze im Fond.
Zusätzlich ist der Wagen mit einer Spracherkennung ausgestattet, über die sich etwa Radio oder Klimaanlage steuern lassen. Im Test gestaltete sich der Dialog mit dem Lexus allerdings schwierig. Selbst einfache Befehle wie "Radio aus" überforderten den Bordcomputer.
Viel wichtiger als die Ausstattungsmerkmale ist den Lexus-Verantwortlichen der Hybridantrieb ihrer Limousine. "Wir machen keine halbe Sachen, wir bauen Voll-Hybride", sagt Sprecher Karsten Rehmann. Um 20 Prozent soll die Vollhybrid-Technik den Kraftstoffverbrauch des Verbrennungsmotors reduzieren.
Tatsächlich ist der LS 600H verhältnismäßig sparsam: Auf 100 Kilometern schluckt der fast 2,4 Tonnen schwere und knapp 100.000 Euro teure Japaner durchschnittlich 9,3 Liter Sprit. Recht viel im Vergleich mit einem Kleinwagen; recht wenig verglichen mit ähnlichen Modellen - wie beispielsweise der langen Variante des Mercedes S 600. Der verbraucht auf 100 Kilometern etwa fünf Liter mehr.
Die Batterieleistung des Vollhybrids ist allerdings noch arg begrenzt. Im E-Betrieb kommt der Lexus nur wenige Kilometer weit und beschleunigt auf maximal 50 Stundenkilometer. Erst wenn der V8-Motor aktiv wird, leistet der Lexus mehr. Ein dezentes Grollen ertönt - und bei Bedarf beschleunigt man in 6,3 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde.
Geräuschlos unterwegs
Startet man den Wagen und stellt den Automatikhebel auf "Fahren", beginnt das Auto lautlos zu rollen. Erst wenn man etwas stärker aufs Gaspedal tritt, springt der Verbrennungsmotor an. Die Phase bis zum Einsatz des Benziners ist durchaus heikel, denn Fußgänger und Radfahrer können den herannahenden Wagen leicht überhören.
Im Straßenbild dürfte der LS eher unauffällig bleiben. Zwar wirkt die Front des Viertürers mit den geschwungenen Scheinwerfern und dem trapezförmigen Kühlergrill recht freundlich, ansonsten ist die Linienführung aber dezent, ja konventionell.
Bevor der Käufer des Wagens entspannt über die Autobahn gleitet, sollte er einige gemütliche Abende am Kamin kalkulieren - um das 708 Seiten starke Bedienungshandbuch zu studieren und sich mit den vielfältigen Funktionen vertraut zu machen.
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